Grosses Blatt für einen grossen Kanton
Tageszeitungen Edipresse fusioniert 24 Heures mit La Presse – und beansprucht die ganze Waadt für sich.
Tageszeitungen Edipresse fusioniert 24 Heures mit La Presse – und beansprucht die ganze Waadt für sich.Laute Protestschreie stoppten im Sommer den Vorschlag des Beratungsunternehmens Publicom, das Wirtschaftsgebiet 12 rund um Lausanne auf Kosten von Freiburg und Wallis auszudehnen. Die Wemf als Auftraggeberin beschloss, die Neueinteilung der Wirtschaftsgebiete (WG) nochmals zu überprüfen und so lange auf Eis zu legen. Gegen die Neueinteilung hatten sich vor allem kleinere Verlage gewehrt. Sie vermuteten dahinter eine Intrige des Lausanner Medienkonzerns Edipresse, um seinen Titeln mehr Gewicht im Werbemarkt zuzuschanzen.Doch Edipresse setzt im März 2005 mit einer anderen Strategie zur Eroberung der Veveyse, der Broye und von Monthey an. Der Verlag baut seine Lausanner Tageszeitung 24 Heures zur Zeitung für das Gross-Waadtland aus. Dazu werden die Regionalblätter La Presse Riviera-Chablais und La Presse Nord-vaudoise-Broye in 24 Heures integriert. Deren Herausgeber Corbaz hat Edipresse bereits 2002 übernommen.
Verlagsleiter Pierre Buntschu betont, dass die Blätter nicht einfach zusammengelegt würden. Vielmehr entstehe eine ganz neue Zeitung, die aber unter der gut eingeführten Marke 24 Heures lanciert werde. Die neue 24 Heures erscheint mit vier regionalen Splitausgaben. Zwei lösen die La-Presse-Titel in Riviera-Chablais und Nord-vaudoise-Broye ab. Eine dritte widmet 24 Heures wie bisher der Kantonshauptstadt Lausanne. Die vierte wird ganz neu lanciert. Sie deckt das Gebiet La Côte westlich von Lausanne bis an die Genfer Kantonsgrenze ab.
Damit greift Edipresse sogar über das umstrittene Gross-WG 12 hinaus. Nyon, der westlichste Zipfel der Waadt, gehört sowohl aktuell wie im Publicom-Vorschlag zum Genfer WG 11. Gleichzeitig wildert 24 Heures im Revier des Konkurrenten Hersant. Die französische Verlagsgruppe publiziert die Regionalzeitung La Côte mit Sitz in Nyon. Chefredaktor Jacques Poget bestreitet allerdings, dass 24 Heures die Konfrontation mit Hersant suche. Doch das Blatt fühle sich seinen Lesern in der Côte genauso verpflichtet wie jenen in den anderen Regionen, schreibt er in der Ankündigung des Relaunches.
Kritische Stimmen
Mit dem Verweis auf Lesernähe versucht Edipresse, Kritik an ihren Expansionsgelüsten zu parieren. Kritische Stimmen fanden sich schnell – besonders in der Freiburger Tageszeitung La Liberté, die schon am schärfsten auf die neue WG-Einteilung geschossen hatte. «Unsere Region verliert etwas, was uns einigte», zitiert La Liberté die Distriktspräfektin von Yverdon, Pierrette Roulet-Grin. René Perdrix, Honorarpräfekt von Grandson, bedauert, dass nach der Fusion der Zeitungen neben Lokalradio und -TV nur noch ein Gesprächspartner zur Verfügung stehe.
Dem Waadtländer Finanzdirektor Pascal Broulis liegt der interregionale Aspekt am Herzen. Er befürchtet, dass die Leser sich künftig auf Informationen aus ihrer Region beschränken müssen, wenn sie nur die jeweilige Splitausgabe erhalten. Auch Roulet-Grin erwartet, dass der kantonale Zusammenhalt nun schwieriger zu bewerkstelligen sein wird. «Doch ich hoffe, dass die nötigen Mittel bereitgestellt werden, um echte Regionalinformation zu liefern.»
Daran will Edipresse keinen Zweifel aufkommen lassen. Das Verlagshaus hat jede Splitausgabe – auch jene in Lausanne – mit einer eigenen Lokalredaktion samt Chefredaktor, Sportreportern und Fotografen dotiert. Die Lokalredaktion ist für den zweiten Bund der neuen 24 Heures verantwortlich. Den Mantelbund liefert die Zentralredaktion am Edipresse-Hauptsitz in Lausanne, die weiterhin von Jacques Poget geführt wird. Diese Struktur ermöglicht es, dass trotz der Fusion keine Stellen abgebaut werden müssen. Im Gegenteil seien einige Neuanstellungen möglich, schreibt Poget.
Neues Design für 24 Heures
Mehr Leserservice ist natürlich nicht der ganze Hintergrund des Relaunchs. Der Entscheid fiel auf Grund einer vertieften Studie zur Zukunft der Regionalpresse, so Poget. Diese sei zum Schluss gekommen, dass ein Zusammenschluss der Kräfte von 24 Heures und der La-Presse-Titel die besten Chancen biete – sowohl im Lesermarkt wie bei lokalen und nationalen Inserenten.
Die neue 24 Heures erhält auch ein neues Design. Das bisherige, rote Logo soll erhalten bleiben. In den Ausgaben für Riviera-Chablais und Nord-vaudoise-Broye wechselt es aber voraussichtlich die Farbe. Tests hätten ergeben, dass es in Blau – der Hausfarbe von La Presse – sehr gut beim Publikum ankomme, berichtete der Online-Dienst Largeur.com. Entwickelt wird das neue Layout vom Zeitungsdesigner Martin Dixon zusammen mit Art Director Marc Borden; eine Nullnummer liegt schon vor. Der Brite Dixon war bereits 1999 für die Gestaltung von 24 Heures verantwortlich. Zahlreiche Westschweizer Publikationen tragen seine Handschrift, darunter L’Illustré, Bilan und Le Matin.
Mit der Schwesterzeitung Le Matin teilt sich 24 Heures nicht nur den Designer, sondern künftig auch das Redaktionssystem. Edipresse führt im kommenden Frühling eine gemeinsame Informatiklösung für alle seine Titel ein. Dies ist auch der Grund, warum das Waadtland noch bis im März auf den Launch seiner neuen, grossen Tageszeitung warten muss.
Die Zeitung für das WG 12 plusBereits 1999 unterzog sich 24 Heures einem Relaunch mit dem Ziel, sich als Zeitung für den ganzen Kanton Waadt zu etablieren. Dies gelang allerdings nur bedingt. Hauptverbreitungsgebiet blieb die Region Lausanne, wo das Blatt heute eine Reichweite von 52,8 Prozent aufweist. Im ganzen WG 12 sind es 45,7 Prozent.
Die neue 24 Heures sprengt das WG 12 an mehreren Stellen. Mit Nyon und La Broye nagt es am Einzugsgebiet von Genf und Freiburg. Diese Regionen gehören allerdings politisch zur Waadt. In der Veveyse greift die Zeitung dagegen in den Kanton Freiburg aus, im Raum Monthey ins Wallis.
Die Auflage von 24 Heures beträgt 88500 Exemplare. La Presse Riviera-Chablais verkauft 24000, La Presse Nord-vaudoise 12600 Exemplare (ohne Grossauflagen). Die Konkurrentin La Côte, in deren Gebiet 24 Heures mit einer neuen Splitausgabe eindringt, verkauft knapp 14000 Exemplare.
Das neue Verbreitungsgebiet von 24 Heures heisst «WG 12 plus».
Gelb markiert sind jene Regionen, wo Edipresse über das Lausanner Wirtschaftsgebiet hinausgreift.
Stefano Monachesi
Verlagsleiter Pierre Buntschu betont, dass die Blätter nicht einfach zusammengelegt würden. Vielmehr entstehe eine ganz neue Zeitung, die aber unter der gut eingeführten Marke 24 Heures lanciert werde. Die neue 24 Heures erscheint mit vier regionalen Splitausgaben. Zwei lösen die La-Presse-Titel in Riviera-Chablais und Nord-vaudoise-Broye ab. Eine dritte widmet 24 Heures wie bisher der Kantonshauptstadt Lausanne. Die vierte wird ganz neu lanciert. Sie deckt das Gebiet La Côte westlich von Lausanne bis an die Genfer Kantonsgrenze ab.
Damit greift Edipresse sogar über das umstrittene Gross-WG 12 hinaus. Nyon, der westlichste Zipfel der Waadt, gehört sowohl aktuell wie im Publicom-Vorschlag zum Genfer WG 11. Gleichzeitig wildert 24 Heures im Revier des Konkurrenten Hersant. Die französische Verlagsgruppe publiziert die Regionalzeitung La Côte mit Sitz in Nyon. Chefredaktor Jacques Poget bestreitet allerdings, dass 24 Heures die Konfrontation mit Hersant suche. Doch das Blatt fühle sich seinen Lesern in der Côte genauso verpflichtet wie jenen in den anderen Regionen, schreibt er in der Ankündigung des Relaunches.
Kritische Stimmen
Mit dem Verweis auf Lesernähe versucht Edipresse, Kritik an ihren Expansionsgelüsten zu parieren. Kritische Stimmen fanden sich schnell – besonders in der Freiburger Tageszeitung La Liberté, die schon am schärfsten auf die neue WG-Einteilung geschossen hatte. «Unsere Region verliert etwas, was uns einigte», zitiert La Liberté die Distriktspräfektin von Yverdon, Pierrette Roulet-Grin. René Perdrix, Honorarpräfekt von Grandson, bedauert, dass nach der Fusion der Zeitungen neben Lokalradio und -TV nur noch ein Gesprächspartner zur Verfügung stehe.
Dem Waadtländer Finanzdirektor Pascal Broulis liegt der interregionale Aspekt am Herzen. Er befürchtet, dass die Leser sich künftig auf Informationen aus ihrer Region beschränken müssen, wenn sie nur die jeweilige Splitausgabe erhalten. Auch Roulet-Grin erwartet, dass der kantonale Zusammenhalt nun schwieriger zu bewerkstelligen sein wird. «Doch ich hoffe, dass die nötigen Mittel bereitgestellt werden, um echte Regionalinformation zu liefern.»
Daran will Edipresse keinen Zweifel aufkommen lassen. Das Verlagshaus hat jede Splitausgabe – auch jene in Lausanne – mit einer eigenen Lokalredaktion samt Chefredaktor, Sportreportern und Fotografen dotiert. Die Lokalredaktion ist für den zweiten Bund der neuen 24 Heures verantwortlich. Den Mantelbund liefert die Zentralredaktion am Edipresse-Hauptsitz in Lausanne, die weiterhin von Jacques Poget geführt wird. Diese Struktur ermöglicht es, dass trotz der Fusion keine Stellen abgebaut werden müssen. Im Gegenteil seien einige Neuanstellungen möglich, schreibt Poget.
Neues Design für 24 Heures
Mehr Leserservice ist natürlich nicht der ganze Hintergrund des Relaunchs. Der Entscheid fiel auf Grund einer vertieften Studie zur Zukunft der Regionalpresse, so Poget. Diese sei zum Schluss gekommen, dass ein Zusammenschluss der Kräfte von 24 Heures und der La-Presse-Titel die besten Chancen biete – sowohl im Lesermarkt wie bei lokalen und nationalen Inserenten.
Die neue 24 Heures erhält auch ein neues Design. Das bisherige, rote Logo soll erhalten bleiben. In den Ausgaben für Riviera-Chablais und Nord-vaudoise-Broye wechselt es aber voraussichtlich die Farbe. Tests hätten ergeben, dass es in Blau – der Hausfarbe von La Presse – sehr gut beim Publikum ankomme, berichtete der Online-Dienst Largeur.com. Entwickelt wird das neue Layout vom Zeitungsdesigner Martin Dixon zusammen mit Art Director Marc Borden; eine Nullnummer liegt schon vor. Der Brite Dixon war bereits 1999 für die Gestaltung von 24 Heures verantwortlich. Zahlreiche Westschweizer Publikationen tragen seine Handschrift, darunter L’Illustré, Bilan und Le Matin.
Mit der Schwesterzeitung Le Matin teilt sich 24 Heures nicht nur den Designer, sondern künftig auch das Redaktionssystem. Edipresse führt im kommenden Frühling eine gemeinsame Informatiklösung für alle seine Titel ein. Dies ist auch der Grund, warum das Waadtland noch bis im März auf den Launch seiner neuen, grossen Tageszeitung warten muss.
Die Zeitung für das WG 12 plusBereits 1999 unterzog sich 24 Heures einem Relaunch mit dem Ziel, sich als Zeitung für den ganzen Kanton Waadt zu etablieren. Dies gelang allerdings nur bedingt. Hauptverbreitungsgebiet blieb die Region Lausanne, wo das Blatt heute eine Reichweite von 52,8 Prozent aufweist. Im ganzen WG 12 sind es 45,7 Prozent.
Die neue 24 Heures sprengt das WG 12 an mehreren Stellen. Mit Nyon und La Broye nagt es am Einzugsgebiet von Genf und Freiburg. Diese Regionen gehören allerdings politisch zur Waadt. In der Veveyse greift die Zeitung dagegen in den Kanton Freiburg aus, im Raum Monthey ins Wallis.
Die Auflage von 24 Heures beträgt 88500 Exemplare. La Presse Riviera-Chablais verkauft 24000, La Presse Nord-vaudoise 12600 Exemplare (ohne Grossauflagen). Die Konkurrentin La Côte, in deren Gebiet 24 Heures mit einer neuen Splitausgabe eindringt, verkauft knapp 14000 Exemplare.
Das neue Verbreitungsgebiet von 24 Heures heisst «WG 12 plus».
Gelb markiert sind jene Regionen, wo Edipresse über das Lausanner Wirtschaftsgebiet hinausgreift.
Stefano Monachesi
