«Einschalten, Euer Ehren!»
Fernsehen Der Samstag wird zum Werktag für die TV-Richter. Roger Schawinski hats erfunden. Die Konkurrenz kopierts.
Fernsehen Der Samstag wird zum Werktag für die TV-Richter. Roger Schawinski hats erfunden. Die Konkurrenz kopierts.Schlagzeilen machte Roger Schawinski im Mai mit Anke Engelkes Late Show. Für enttäuschend tiefe Einschaltquoten musste der Schweizer Sat-1-Chef mediale Prügel einstecken. Dabei entging der Journaille Schawinskis echter Quoten-Coup. Bereits neun Tage vor der ersten «Anke Late Night» revolutionierte er still und leise den TV-Samstagnachmittag.Marktanteil mehr als verdoppelt
Das Besondere an Schawinskis Idee: Keine spektakulären neuen Formate, keine teuren ausländischen Kultserien. Im Gegenteil: Auf Sat 1 läuft samstags seit dem 8. Mai genau das Gleiche wie unter der Woche, dieselben Talk- und Gerichtsshows. Eigentlich nahe liegend: Wer sich unter der Woche nachmittags vor den Fernseher locken lässt, dürfte auch am Samstag Zeit für seine vertrauten Sendungen finden. Weichen musste ein Mix von eingekauften Programmen: «Picket Fences», «ED» und «Star Trek: Deep Space Nine».
Der neue Samstagnachmittag auf Sat 1 verfing sofort. Gemäss dem deutschen TV-Portal Quotenmeter.de erreichte der Psycho-Talk «Zwei bei Kallwass» am 8. Mai ab 14 Uhr einen Marktanteil von 11,7%. «Richterin Barbara Salesch» und «Richter Alexander Hold» kamen sogar auf 20,8% und 19,7%. Im Juni legte Schawinski nach und verlängerte auch «Britt – Der Talk um Eins» ins Wochenende.
Der Erfolg erweist sich als dauerhaft. Bis Mitte Juli steigerte Sat 1 laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung den Marktanteil am Samstagnachmittag von vorher 6,8% auf 15,3%. Konkurrent RTL wusste sich schliesslich nicht anders zu helfen, als Roger Schawinskis Idee ganz einfach zu kopieren: Seit dem 18. Juli flimmern auch die RTL-Gerichtsshows am Samstag über die Mattscheibe.
Quotenschub auch in der Schweiz
Der Programmwechsel hat Sat 1 auch in der Schweiz zu deutlich höheren Samstagsquoten verholfen. Angelika Kallwass, Barbara Salesch und Alexander Hold verfügen auch hier zu Lande über eine treue Fangemeinde, wie eine Auswertung der Telecontrol-Daten zeigt. In der Gesamtbevölkerung stieg der durchschnittliche Marktanteil von 14 bis 17 Uhr um über 280% auf rund 14%. Am meisten Zuschauer lockt Richter Hold an: 77 400 Personen schauen von 16 bis 17 Uhr Sat 1. Das sind 314% mehr als vor Schawinskis Coup.
15- bis 49-Jährige auf Distanz
Zwei Wermutstropfen trüben das Bild. Der «Talk um Eins» mit Britt Reinecke hat seinen Platz im Schweizer Samstagnachmittag noch nicht recht gefunden. Er liess den Marktanteil vergleichsweise gering um 78% steigen. In der werberelevanten Zielgruppe der 15- bis 49-Jährigen gingen die Ratings sogar um 3,3% zurück; der Marktanteil stieg noch um 21%.
Dies ist zugleich der zweite Wermutstropfen: Bei den 15- bis 49-Jährigen sind die Gewinne deutlich kleiner als in der Gesamtbevölkerung. Vor Schawinskis Reform lag der Marktanteil in dieser Zielgruppe höher als der Gesamtanteil. Nun bleibt er konstant tiefer.
Am stärksten zeigt sich dies in der Stunde von 16 bis 17 Uhr. Die Sciencefiction-Serie «Star Trek» wurde durchschnittlich von 18700 Personen verfolgt, davon 14600 zwischen 15 und 49. «Richter Alexander Hold» lockt 27 000 Zuschauer dieser Altersklasse an. Damit gehören nur 35% der Zuschauer der Gerichtsshow zur werberelevanten Zielgruppe. Zudem handelt es sich dabei wohl kaum um die Fans von «Raumschiff Enterprise».
In entsprechenden Internetforen wurde lautstark über das Aus für die Serie und die Gleichschaltung von Werk- und Samstag geschimpft. Ein guter Teil des früheren Sat-1-Publikums dürfte sich am Samstagnachmittag wohl anderen Fernsehsendern zuwenden. Zumindest so lange, bis Roger Schawinskis Programmidee auch dort Schule macht.
Mit der Werktagsprogrammierung am Samstag hat Sat 1 in der Schweiz massiv Zuschauer gewonnen. Vor allem die Gerichts-shows legten deutlich zu.
Geringer, aber immer noch bemerkenswert sind die Erfolge bei der werberelevanten Zielgruppe der 15- bis 49-Jährigen. Einzig der «Talk um Eins» erhält nur geringen Zuspruch.
Stefano Monachesi
Das Besondere an Schawinskis Idee: Keine spektakulären neuen Formate, keine teuren ausländischen Kultserien. Im Gegenteil: Auf Sat 1 läuft samstags seit dem 8. Mai genau das Gleiche wie unter der Woche, dieselben Talk- und Gerichtsshows. Eigentlich nahe liegend: Wer sich unter der Woche nachmittags vor den Fernseher locken lässt, dürfte auch am Samstag Zeit für seine vertrauten Sendungen finden. Weichen musste ein Mix von eingekauften Programmen: «Picket Fences», «ED» und «Star Trek: Deep Space Nine».
Der neue Samstagnachmittag auf Sat 1 verfing sofort. Gemäss dem deutschen TV-Portal Quotenmeter.de erreichte der Psycho-Talk «Zwei bei Kallwass» am 8. Mai ab 14 Uhr einen Marktanteil von 11,7%. «Richterin Barbara Salesch» und «Richter Alexander Hold» kamen sogar auf 20,8% und 19,7%. Im Juni legte Schawinski nach und verlängerte auch «Britt – Der Talk um Eins» ins Wochenende.
Der Erfolg erweist sich als dauerhaft. Bis Mitte Juli steigerte Sat 1 laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung den Marktanteil am Samstagnachmittag von vorher 6,8% auf 15,3%. Konkurrent RTL wusste sich schliesslich nicht anders zu helfen, als Roger Schawinskis Idee ganz einfach zu kopieren: Seit dem 18. Juli flimmern auch die RTL-Gerichtsshows am Samstag über die Mattscheibe.
Quotenschub auch in der Schweiz
Der Programmwechsel hat Sat 1 auch in der Schweiz zu deutlich höheren Samstagsquoten verholfen. Angelika Kallwass, Barbara Salesch und Alexander Hold verfügen auch hier zu Lande über eine treue Fangemeinde, wie eine Auswertung der Telecontrol-Daten zeigt. In der Gesamtbevölkerung stieg der durchschnittliche Marktanteil von 14 bis 17 Uhr um über 280% auf rund 14%. Am meisten Zuschauer lockt Richter Hold an: 77 400 Personen schauen von 16 bis 17 Uhr Sat 1. Das sind 314% mehr als vor Schawinskis Coup.
15- bis 49-Jährige auf Distanz
Zwei Wermutstropfen trüben das Bild. Der «Talk um Eins» mit Britt Reinecke hat seinen Platz im Schweizer Samstagnachmittag noch nicht recht gefunden. Er liess den Marktanteil vergleichsweise gering um 78% steigen. In der werberelevanten Zielgruppe der 15- bis 49-Jährigen gingen die Ratings sogar um 3,3% zurück; der Marktanteil stieg noch um 21%.
Dies ist zugleich der zweite Wermutstropfen: Bei den 15- bis 49-Jährigen sind die Gewinne deutlich kleiner als in der Gesamtbevölkerung. Vor Schawinskis Reform lag der Marktanteil in dieser Zielgruppe höher als der Gesamtanteil. Nun bleibt er konstant tiefer.
Am stärksten zeigt sich dies in der Stunde von 16 bis 17 Uhr. Die Sciencefiction-Serie «Star Trek» wurde durchschnittlich von 18700 Personen verfolgt, davon 14600 zwischen 15 und 49. «Richter Alexander Hold» lockt 27 000 Zuschauer dieser Altersklasse an. Damit gehören nur 35% der Zuschauer der Gerichtsshow zur werberelevanten Zielgruppe. Zudem handelt es sich dabei wohl kaum um die Fans von «Raumschiff Enterprise».
In entsprechenden Internetforen wurde lautstark über das Aus für die Serie und die Gleichschaltung von Werk- und Samstag geschimpft. Ein guter Teil des früheren Sat-1-Publikums dürfte sich am Samstagnachmittag wohl anderen Fernsehsendern zuwenden. Zumindest so lange, bis Roger Schawinskis Programmidee auch dort Schule macht.
Mit der Werktagsprogrammierung am Samstag hat Sat 1 in der Schweiz massiv Zuschauer gewonnen. Vor allem die Gerichts-shows legten deutlich zu.
Geringer, aber immer noch bemerkenswert sind die Erfolge bei der werberelevanten Zielgruppe der 15- bis 49-Jährigen. Einzig der «Talk um Eins» erhält nur geringen Zuspruch.
Stefano Monachesi
