«Die Radiobranche ist kein Basar»
Martin Muerner, Leiter von Radiopower.ch, über die Vorzüge des Radios als Werbemedium, schwarze Schafe in den eigenen Reihen und die ungleich langen Spiesse von SRG-Sendern und privaten Stationen.
Martin Muerner, Leiter von Radiopower.ch, über die Vorzüge des Radios als Werbemedium, schwarze Schafe in den eigenen Reihen und die ungleich langen Spiesse von SRG-Sendern und privaten Stationen.
WW Radiopower will die Radiowerbung fördern. Was sind denn die USPs des Mediums Radio?Martin Muerner Radiowerbung ist sehr schnell realisierbar. Sie können heute buchen, und der Spot läuft noch gleichentags oder spätestens am nächsten Tag. Radiowerbung ist effizient und punkto TKP sehr günstig. Die Nettoreichweite der Deutschschweizer Privatradios beträgt rund 2,3 Millionen Hörer. Weiter lassen sich Emotionen besser transportieren als etwa via Inserat. Deshalb glauben wir, dass das Medium im Mediamix an Gewicht gewinnen wird. Dass sich die PubliGroupe nun auch für dieses Medium interessiert, bestärkt uns in dieser Meinung. Aber es ist klar, dass Radio in der Schweiz verglichen mit dem Ausland zu schwach positioniert ist.
Was können die Radios selbst noch besser machen?
Unter den bestehenden Rahmenbedingungen ist die Privatradiogeschichte eine Erfolgsstory. Aber gewisse Rahmenbedingungen sind schlecht, etwa punkto Frequenzverteilung: Die SRG hat rund 90 Prozent der Frequenzen und dazu noch die besten. So sendet die SRG im Berner Oberland mit 5000 Watt ab 2000 Metern, während Radio BeO mit 100 Watt ab 1000 Metern auskommen muss. Mangels Frequenzen können die Privatradios zudem kein Zweitprogramm machen.
Trotzdem, was lässt sich verbessern?
Man könnte den Service public regional ausbauen. Dann hoffen wir via RTVG auf Verbesserungen bei der technischen Verbreitung. Auch die Vermarktung lässt sich verbessern. Diese war in den vergangenen 20 Jahren nicht immer optimal, was auch mit Persönlichkeiten zu tun hat, die heute nicht mehr im Markt sind.
In der Werbewoche schrieb Reinhold Weber, die Radios würden debile Wortbeiträge und geklonte Musik senden. In einem solchen Umfeld sei Werbung nicht interessant.
Dem muss ich heftig widersprechen. Unsere Inhalte sind sicher nicht schlechter als die anderer Medien. Es wäre auch vermessen, 2,3 Millionen Hörerinnen und Hörern Debilität vorzuwerfen. Dass alle Sender gleich tönen, stimmt auch nicht. Gerade im regionalen Service public unterscheiden sich die Sender enorm. Dasselbe gilt bei der Musikauswahl: Wenn unser Publikum gewisse Titel will, so spielen wir sie. Alles andere wäre dumm. Aus diesen Gründen kann ich Webers Abneigung gegen das Werbemedium Radio in keiner Weise nachvollziehen.
Heute starten Homepage und Kampagne von Radiopower. Was geschieht weiter?
Wir wollen zum Beispiel auch die Spotqualität fördern, indem wir einen Radiospot-Award ins Leben rufen. Zwar gibt es bereits die Auszeichnung «Das goldene Ohr», doch dieses Jahr findet sie offenbar nicht statt. Niemand weiss genau, was los ist. Fest steht aber, dass die Privatradios beim bisherigen «goldenen Ohr» nicht mehr mitmachen.
Jahrelang herrschten in der Radioszene Gärtlidenken und Neid vor. Deutet Radiopower einen Gesinnungswandel an?
Es hat sich sicher etwas getan. So ist es uns gelungen, alle Radios in einem Verband zu vereinen. Zwar traten Anfang Jahr Radios aus, dies aber allein wegen politischer Differenzen zu zwei RTVG-Artikeln. In den übrigen Fragen sind wir uns weitgehend einig. Deshalb gliederten wir unsere verbandsinterne Marketinggruppe namens Taskforce aus und nannten sie Radiopower. So können wir im kommerziellen Bereich nicht nur die ausgestiegenen Radios wieder integrieren, sondern auch die Vermittler und die Tonstudios. Radiopower ist zudem eine Art Klammer, die uns auch bei veränderten Poolkonstellationen zusammenhalten wird.
Immer wieder ist zu hören, dass Privatradios den Kunden preislich entgegenkommen, wenn diese direkt statt über die Vermittler buchen. Solche Aktionen machen doch das Gattungsmarketing zur Kosmetik.
Schwarze Schafe gibt es überall. Ich würde aber sagen, dass sie bei uns höchstens ein Prozent ausmachen. Tariftreue ist bei uns oberster Grundsatz. Die Radiobranche ist kein Basar. Kommt dazu, dass wir schon bisher in der Taskforce und künftig auch bei Radiopower solche Fragen thematisieren. Wenn etwa ein Kunde bei Radios oder Vermittlern höhere Rabatte, Freespace oder einen zusätzlichen Wettbewerb wünscht, besprechen wir dies gemeinsam. Meist lehnen wir ab. Wir wollen uns an unsere Tarife halten, sonst machen sie wenig Sinn.
Zu hören ist auch, dass die IP Multimedia (IPM) ihre TV-Kunden häufig mit Radio-Freespace ködere (siehe Kasten unten). Das schadet der Branche doch auch?
Dazu kann ich nichts sagen, da müssen Sie direkt bei der IPM nachfragen. Zwar habe ich auch schon solche Gerüchte gehört, doch Zahlen, die das belegen würden, sah ich noch nie. Und auf Gerüchte gehe ich sowieso nicht ein.
IPM kontert Den oft gehörten Vorwurf, die IP Multimedia (IPM) ködere ihre TV-Kunden mit Freespace bei der Radiowerbung, kontert Michi Frank wie folgt: «Wir haben kein Interesse, Werbebudgets aus dem Radio ins TV abzuziehen. Auch umgekehrt nicht. Das würde für unsere Electronic Division, über die wir beide Gattungen vermarkten, keinen Sinn machen.» Der Vorwurf werde von Vermittlerkonkurrenten gestreut, stehe aber auf schwachen Beinen. «Die hatten über 25 Jahre im Radiomarkt ein Monopol, nun sind sie bequem geworden. Was vor 20 Jahren galt, muss heute nicht mehr stimmen.» (mk)
Interview: Markus Knöpfli
WW Radiopower will die Radiowerbung fördern. Was sind denn die USPs des Mediums Radio?Martin Muerner Radiowerbung ist sehr schnell realisierbar. Sie können heute buchen, und der Spot läuft noch gleichentags oder spätestens am nächsten Tag. Radiowerbung ist effizient und punkto TKP sehr günstig. Die Nettoreichweite der Deutschschweizer Privatradios beträgt rund 2,3 Millionen Hörer. Weiter lassen sich Emotionen besser transportieren als etwa via Inserat. Deshalb glauben wir, dass das Medium im Mediamix an Gewicht gewinnen wird. Dass sich die PubliGroupe nun auch für dieses Medium interessiert, bestärkt uns in dieser Meinung. Aber es ist klar, dass Radio in der Schweiz verglichen mit dem Ausland zu schwach positioniert ist.
Was können die Radios selbst noch besser machen?
Unter den bestehenden Rahmenbedingungen ist die Privatradiogeschichte eine Erfolgsstory. Aber gewisse Rahmenbedingungen sind schlecht, etwa punkto Frequenzverteilung: Die SRG hat rund 90 Prozent der Frequenzen und dazu noch die besten. So sendet die SRG im Berner Oberland mit 5000 Watt ab 2000 Metern, während Radio BeO mit 100 Watt ab 1000 Metern auskommen muss. Mangels Frequenzen können die Privatradios zudem kein Zweitprogramm machen.
Trotzdem, was lässt sich verbessern?
Man könnte den Service public regional ausbauen. Dann hoffen wir via RTVG auf Verbesserungen bei der technischen Verbreitung. Auch die Vermarktung lässt sich verbessern. Diese war in den vergangenen 20 Jahren nicht immer optimal, was auch mit Persönlichkeiten zu tun hat, die heute nicht mehr im Markt sind.
In der Werbewoche schrieb Reinhold Weber, die Radios würden debile Wortbeiträge und geklonte Musik senden. In einem solchen Umfeld sei Werbung nicht interessant.
Dem muss ich heftig widersprechen. Unsere Inhalte sind sicher nicht schlechter als die anderer Medien. Es wäre auch vermessen, 2,3 Millionen Hörerinnen und Hörern Debilität vorzuwerfen. Dass alle Sender gleich tönen, stimmt auch nicht. Gerade im regionalen Service public unterscheiden sich die Sender enorm. Dasselbe gilt bei der Musikauswahl: Wenn unser Publikum gewisse Titel will, so spielen wir sie. Alles andere wäre dumm. Aus diesen Gründen kann ich Webers Abneigung gegen das Werbemedium Radio in keiner Weise nachvollziehen.
Heute starten Homepage und Kampagne von Radiopower. Was geschieht weiter?
Wir wollen zum Beispiel auch die Spotqualität fördern, indem wir einen Radiospot-Award ins Leben rufen. Zwar gibt es bereits die Auszeichnung «Das goldene Ohr», doch dieses Jahr findet sie offenbar nicht statt. Niemand weiss genau, was los ist. Fest steht aber, dass die Privatradios beim bisherigen «goldenen Ohr» nicht mehr mitmachen.
Jahrelang herrschten in der Radioszene Gärtlidenken und Neid vor. Deutet Radiopower einen Gesinnungswandel an?
Es hat sich sicher etwas getan. So ist es uns gelungen, alle Radios in einem Verband zu vereinen. Zwar traten Anfang Jahr Radios aus, dies aber allein wegen politischer Differenzen zu zwei RTVG-Artikeln. In den übrigen Fragen sind wir uns weitgehend einig. Deshalb gliederten wir unsere verbandsinterne Marketinggruppe namens Taskforce aus und nannten sie Radiopower. So können wir im kommerziellen Bereich nicht nur die ausgestiegenen Radios wieder integrieren, sondern auch die Vermittler und die Tonstudios. Radiopower ist zudem eine Art Klammer, die uns auch bei veränderten Poolkonstellationen zusammenhalten wird.
Immer wieder ist zu hören, dass Privatradios den Kunden preislich entgegenkommen, wenn diese direkt statt über die Vermittler buchen. Solche Aktionen machen doch das Gattungsmarketing zur Kosmetik.
Schwarze Schafe gibt es überall. Ich würde aber sagen, dass sie bei uns höchstens ein Prozent ausmachen. Tariftreue ist bei uns oberster Grundsatz. Die Radiobranche ist kein Basar. Kommt dazu, dass wir schon bisher in der Taskforce und künftig auch bei Radiopower solche Fragen thematisieren. Wenn etwa ein Kunde bei Radios oder Vermittlern höhere Rabatte, Freespace oder einen zusätzlichen Wettbewerb wünscht, besprechen wir dies gemeinsam. Meist lehnen wir ab. Wir wollen uns an unsere Tarife halten, sonst machen sie wenig Sinn.
Zu hören ist auch, dass die IP Multimedia (IPM) ihre TV-Kunden häufig mit Radio-Freespace ködere (siehe Kasten unten). Das schadet der Branche doch auch?
Dazu kann ich nichts sagen, da müssen Sie direkt bei der IPM nachfragen. Zwar habe ich auch schon solche Gerüchte gehört, doch Zahlen, die das belegen würden, sah ich noch nie. Und auf Gerüchte gehe ich sowieso nicht ein.
IPM kontert Den oft gehörten Vorwurf, die IP Multimedia (IPM) ködere ihre TV-Kunden mit Freespace bei der Radiowerbung, kontert Michi Frank wie folgt: «Wir haben kein Interesse, Werbebudgets aus dem Radio ins TV abzuziehen. Auch umgekehrt nicht. Das würde für unsere Electronic Division, über die wir beide Gattungen vermarkten, keinen Sinn machen.» Der Vorwurf werde von Vermittlerkonkurrenten gestreut, stehe aber auf schwachen Beinen. «Die hatten über 25 Jahre im Radiomarkt ein Monopol, nun sind sie bequem geworden. Was vor 20 Jahren galt, muss heute nicht mehr stimmen.» (mk)
Interview: Markus Knöpfli
