Designpreise der Schweizerischen Eidgenossenschaft 2010

Mit dem Eidgenössischen Wettbewerb für Design würdigt das Bundesamt für Kultur einerseits aufstrebende Newcomer und zeichnet andererseits international bekannte Designer mit dem «Grand Prix Design» aus. An der Ausstellung im Museum für Gestaltung Zürich werden zum ersten Mal unter dem Titel «Designpreise der Schweizerischen Eidgenossenschaft» die Arbeiten der Gewinner beider Preise gezeigt.

Die Preisträger
Ausgestellt werden folgende Arbeiten:
Der junge Fotograf Cyril Porchet zeigt in seiner Serie «Séduction», die als Diplomarbeit an der ECAL 2009 entstanden ist, barocke Kirchenchöre von den bekanntesten Kirchen Europas. Die grossformatigen Farbfotos unter Acrylglas üben durch ihren Glanz und üppige Pracht eine Sogwirkung auf den Betrachter aus und geben sinnlich erlebbar die Idee des barocken «Theatrum sacrum» wieder, wie das Bundesamt für Kultur BAK in einer Mitteilung schreibt.
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Die beiden Bühnenbildner Dimitri de Perrot und Martin Zimmermann haben mit «Gaff Aff» bereits den Eidgenössischen Preis für Design 2008 gewonnen. Nun schufen sie für ihr Tanzstück «Öper öpis» einen Bühnenboden, der aus einer riesigen, schwankenden Unterlage besteht. Die fünf darauf agierenden Zirkusartisten und Tänzer und ein DJ werden gezwungen, auf kleinste Veränderungen des Gleichgewichts zu reagieren, damit sie nicht von der Bühne fallen. Die Labilität des Bodens stehe als Metapher der zwischenmenschlichen Beziehungen, schreibt das BAK weiter. Das Stück erzähle von der Unmöglichkeit, im Anderen den zu finden, den man eigentlich suche: Sich selber.
Moritz Schmid wurde im Bereich Industriedesign für seine Kollektion «Hülle in der Hülle» im Rahmen von «Atelier Pfister – neues Schweizer Design» ausgezeichnet. Sein raffinierter Kleiderschrank ohne Vorder- und Rückseite ist wie eine Kleiderstange von beiden Seiten zugänglich. Er ist von einer leichten Textilhülle umgeben, die beim Öffnen wie ein zurückgeschobener Hemdsärmel zur Seite geschoben wird und das Innere freigibt. Der Schrank dient zugleich als Raumteiler und Aufbewahrungsort und gestaltet das Zimmer neuartig mit.
Mit einer Herrenkollektion überzeugte der junge Fashiondesigner Dominic Knecht. Dies Kollektion hat 2009/10 als Bachelor Arbeit an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel designt. Knecht lässt seine Kleider am Körper entstehen, indem er diesen mit Fäden, Stoffstreifen aus Jersey und gepolsterten Bändern umwickelt. Transparenz ist der rote Faden in Knechts Schaffen. Er will Kleider machen, die man versteht und ergründet Kleidervolumen, Kleiderstrukturen und Körperverständnis. Seine eigenwillige Kollektion ist verspielt und zugleich cool, lässt sich in ihrer Anmut zwischen Samurai und Michelin-Männchen verorten.
Lukas Zimmermann wurde für eine Serie von Plakaten ausgezeichnet, die er von 2003 bis 2010 schuf. Darin werde ein Prozess sichtbar, in welchem der Grafiker die Bedeutung von Kontinuität im grafischen Schaffen ausdrücken wolle, beschreibt das BAK die Plakate von Zimmermann. Ob Siebdruck, Digitaldruck, Kartondruck oder Offset, er drucke die meisten Plakate selbst. Er experimentiert bevorzugt mit handgesetzten Lettern und Schablonen die er allesamt einfarbig druckt. Der Grafiker sucht nach einer Basis auf der er eine Einheit aus Schrifttyp, Bild und Zeichnung aufbauen kann. Das Resultat: Ein unverkennbarer visueller Ausdruck, der an den Anarchismus des Pariser «Atelier Populaire» Mai 1968 ebenso wie an die «Zürcher Bewegung» Anfang der Achtziger erinnert.
Preisträgerinnen und Preisträger Grand Prix Design
Das Künstler- und Designerpaar Susi und Ueli Berger wird mit dem Grand Prix Design 2010 für sein umfassendes Lebenswerk geehrt. Mit ihren raffinierten und zugleich stets zweckmässigen Möbelentwürfen haben sie Schweizer Designgeschichte geschrieben, wie es in der Mitteilung des BAK weiter heisst. Die Bergers wurden von dem Wunsch angetrieben, Möbel nach ihren ungewöhnlichen Vorstellungen zu entwerfen. Mit Ironie und Fantasie sowie viel Gespür für Materialität und Formen entwarfen die beiden Objekte wie den Soft Chair, die Wolkenlampe oder den Schubladenstapel aus Palisanderholz. Susi und Ueli Berger haben in ihrem fast 40 jährigen gemeinsamem Schaffen auch in anderen Bereichen des Designs und der Kunst gearbeitet. Dies sowohl in regem und intensivem Austausch als auch in Projekten, die sie einzeln in Angriff nahmen. Im Jahr 2008 ist Ueli Berger gestorben. Susi Berger wird den Preis des Bundesamtes für Kultur im Namen von beiden entgegen nehmen.
Der Schweizer Regisseur Jean-Luc Godard wird mit dem Grand Prix Design 2010 der Schweizerischen Eidgenossenschaft ausgezeichnet. Godard gelingt es, mit seinen avantgardistischen Werken eine visuelle Welt zu schaffen, die einer ganzen Generation von Künstlern, Gestaltern, Designern und Kritikern verschiedener Bereiche als Inspiration dient. Mit dem Preis werden insbesondere Godards Aussagen im Bereich der Gestaltung gewürdigt, schreibt das BAK weiter. Charakteristisch für das Schaffen des Regisseurs seien seine Untersuchungen der visuellen Qualität und sein vielschichtiger Umgang mit verschiedenen Elementen aus dem Bereich der Gestaltung: der Einsatz von Farbe, Mode, Raumgestaltung, Lichtgestaltung, typografischen und grafischen Elementen, der expliziten Gestaltung mit Ton, die Beziehung von Sprache und Bild, aber auch seine experimentelle Form und Analyse der subjektiven Wahrnehmungsweise.
Die Textildesignerin Sonnhild Kestler, die mit ihrem Label S.K. Hand-Druck seit über 20 Jahren Textilien in aufwändigster Handarbeit kreiert, wird mit dem Grand Prix Design für ihr Werk geehrt. Ihre Produkte zeichnen sich durch exquisite Stoffqualität ebenso wie durch charakteristische Farbwahl und Dessins aus. Die Ornamente der Designerin sind von der Folklore Osteuropas, religiösen Kultbildern Südostasiens, Kinderbüchern, aber auch von der banalen Alltagskultur inspiriert. Ihre Entwürfe entstehen in einer Art Collagetechnik, indem einzelne Bildelemente auf Papier gedruckt und in Varianten immer neu kombiniert werden, bis sich das gewünschte Klima herauskristallisiert hat. Im Prozess der Realisation erstellt die Designerin Filme, belichtet Siebe, mischt Farben und bespannt den Drucktisch. Die luxuriösen Kreationen bilden das Herz der Kollektion, die sich mit Frottéwäsche, gewobenen Woll– und Baumwolltüchern und Acces-soires zu einem eigentlichen Kestler–Kosmos verdichtet.
Die Eidgenossenschaft ehrt Otto Künzli mit dem Grand Prix Design für sein Werk und für seine Lehrtätigkeit als Professor und Leiter der Schmuckklasse an der Akademie der Bildenden Künste München. Er sei einer der bedeutendsten Schmuckkünstler Europas mit grosser internationaler Ausstrahlung, seinene Schmuckarbeiten klar, reduziert und oft doppelbödig. Er setzt sich auf subtile Weise mit kulturellen Phänomenen auseinander und es gelingt ihm selbst radikale Aussagen zu Themen wie Konsumverhalten, Beliebigkeit von Wertvorstellungen, Macht, Eitelkeit und Ausbeutung in seinem Werk in einer ironischen und spielerischen Art zu kommentieren. Seine Werke befinden sich in vielen nationalen und internationalen Schmucksammlungen. Als Professor an der Akademie der Bildenden Künste München habe er, so das BAK abschliessend, den grossen Verdienst als Lehrer eine Reihe namhafter Schmuckkünstler ausgebildet zu haben.

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