Das Private verkauft sich am besten

Spezialpresse Die Publikationen für den privaten Bereich boomen, in die Ferne schweifen ist weniger gefragt.

Spezialpresse Die Publikationen für den privaten Bereich boomen, in die Ferne schweifen ist weniger gefragt.Der Schub, welcher der Wirtschafts- und Tagespresse fehlt, findet in einer völlig anderen Printkategorie in ausserordentlichem Ausmass statt. Titel, die den privaten Raum thematisieren, weit weg von politischen oder Finanzthemen, haben Zulauf wie selten zuvor. Sich selber pflegen und fit bleiben, die Wohnung behaglich einrichten und seine Hobbys pflegen, das sind die Dinge, die Herr und Frau Schweizer derzeit am meisten in-teressieren. So jedenfalls liest sich einer der grossen Trends, welche die aktuelle Mach Basic zeichnet.
Die Liste der Top-Gewinner spricht Klartext: Bei der Hälfte der insgesamt 18 Titel mit den höchsten Zuwächsen handelt es sich um solche, die sich um den privaten Kosmos kümmern. Ganz besonders von diesem Trend profitiert die AZ Fachverlage mit ihren beiden Titeln Sport-Magazin und Fit for Life. Das Anfang 2000 lancierte Sport-Magazin ist nach wie vor enorm in Fahrt und vergrössert seine Leserschaft um 68000 (+19 Prozent). Am kräftigen Schub, den das Heft erlebt, ist der neue Partner wohl nicht ganz unschuldig. Seit Januar 2004 ist das Sport-Magazin mit dem Zeitschriftenspezialisten Ringier eine Kooperation eingegangen. Seither geben die beiden Verlage das Heft als gleichberechtigte Partner heraus. Mit Ringier am Arm dürfte sich der aktuelle Aufwind fortsetzen.
Aber auch mit dem bereits länger im Markt erfolgreichen Fit for Life können die Aargauer einen kräftigen Wachstumsschub feiern. Das Heft für Aktivsportler steigert sich um 26000 Leserinnen und Leser, was einem Zuwachs von +16,7 Prozent entspricht.
Haus und Garten im Fokus
Neben Sport und Fitness gewinnen Haus und Wohnung deutlich an Stellenwert. Das zeigt sich bei allen drei grossen Deutschschweizer Wohnzeitschriften gleichermassen: Raum und Wohnen kann sein
Publikum um 25000 auf 282000 Leser (+9,8 Prozent) ausbauen. Doch auch die Konkurrenz Ideales Heim, im Moment um gut 100000 Leser im Rückstand, hat sich von der verstärkten Zuwendung zur
privaten Umgebung ein respektables Stück abgeschnitten: Das Heft steigerte sich um 18000 Leser, was einem Zuwachs von 11,5 Prozent entspricht. Schöner Wohnen, der Deutschschweizer Marktleader im Einrichtungsbereich, hat mit 17000 zusätzlichen Leserinnen und Lesern die Weihen der Signifikanz nur knapp verpasst.
Dass in der Westschweiz die Uhren im Bereich der Spezialpresse
anders ticken, zeigt sich besonders eindrücklich bei den Wohnzeitschriften. Im Gegensatz zum Deutschschweizer Run auf solche Titel herrschte in der Westschweiz Flaute. So steht dort das entsprechende Leadermagazin Art&Décoration um (nicht signifikante) 13000 Leser (–9,1 Prozent) schwä-
cher da als im Vorjahr.
Andererseits zeugt der markante Aufwärtstrend des Schweizer Garten, der seine Leserschaft innert Jahresfrist um 35000 oder gut ein Fünftel ausbauen konnte, vom verstärkten Stellenwert, den der private Raum in der Deutschschweiz geniesst.
Geniessen hat einen hohen Stellenwert
Dass dazu auch das leibliche Wohl gehört, liegt auf der Hand. So jedenfalls liest sich der kräftige Zuwachs von Le Menu. Das Magazin des Milchverbandes erhält Zustrom um 28000 Leser (+17 Prozent). Nur leicht weniger erfolgreich ist die Konkurrenz Saison-Küche, die mit einem (nicht signifikanten) Zuwachs von 26000 Lesenden (+5,3 Prozent) aber ebenfalls komfortabel Aufwind spürt.
Die Tessiner Ausgabe Cucina di stagione war mit 9000 zusätzlichen Lesern (+32,1 Prozent) angesichts des viel kleineren Marktes sogar noch erfolgreicher. Etwas mehr Schub hätte man andererseits
vom noch jungen Kochen der AZ Mediengruppe erwartet, das mit
17000 gewonnenen Lesern (+6,1 Prozent) aber ebenfalls deutlich nach oben tendierte. Dass sich die Lust am Geniessen immer mehr auf die nähere Umgebung konzentriert, belegt auch der aktuelle Höhenflug des Organs des Schweizer Alpenclubs. Die Alpen baut sein Publikum mit einem Gewinn von 26000 Lesern um fast ein Viertel aus.
Und auch jene Menschen, welche das Land lieber auf Rädern
erkunden, zeigten eine erhöhte Nachfrage nach den entsprechenden Spezialblättern. So ist Motorrad mit 17000 zusätzlichen Lesern (+13,6 Prozent) ganz schön in Fahrt. In die Ferne und zum Exotischen schweifen scheint im Moment hingegen weniger im Trend zu sein. Trotz ausführlichem Schweizteil kommen Geo 59000 Leser (–6,5 Prozent) abhanden, womit sich das Heft einen Platz in der Liste der 20 grössten Verlierern sichert. Genauso das Westschweizer Animan, das 30000 Leser
weniger hat (–13,7 Prozent). Die Tierwelt hingegen, mehr exotischer Marktplatz denn Tiermagazin, legte signifikant um 30000
Leser (+8,9 Prozent) zu.
Gesundheitsthemen sind immer noch top
Dass zur näheren Umgebung, die an Stellenwert gewinnt, auch die verstärkte Auseinandersetzung mit der Gesundheit gehört, liegt auf der Hand. Bestätigt wird dieser Sachverhalt auch von steigenden Kontaktzahlen bei den meisten Zeitschriften aus diesem Bereich. So kann der Puls-Tipp einen kräftigen Zuwachs um 24000 Leser (+3,7 Prozent) verbuchen. Mit neu 681000 Netto-Kontakten positioniert sich das Magazin unter den Top-Five der Deutschschweizer Bezahltitel. In nur kurzem Abstand gefolgt von der GesundheitSprechstunde, die nach Kletterpartien in den Vorjahren nun allerdings eine Pause eingelegt hat. Bleibt abzuwarten, ob der kürzlich angekündigte Relaunch dazu verhilft, im begrenzten Lesermarkt weitere Potenziale anzuzapfen.
Die Seniorenpresse hingegen hat es einfacher, denn auf Grund der immer älter werdenden Gesellschaft wächst ihr Publikumspotenzial rasant. Wie bereits in den Vorjahren, in denen sie starken Zulauf erhielt, geht der (nicht signifikante) Trend weiter aufwärts.
Am steilsten in der Westschweiz, wo Générations 11000 Lesende (+12,6 Prozent) neu zu seiner Gemeinde rechnen kann. Aber auch in der Deutschschweiz hat sich die Zeitlupe mit einem Zuwachs von 7000 Lesern (+5,8 Prozent) überdurchschnittlich entwickelt.
Ebenfalls besser schneidet die Romandie bei der Konsumentenpresse ab. Bon à Savoir, der Erfolgstitel von Hans Räz, steigert sich um 50000 Leser (+14,7 Prozent). Das Pendant zum Deutschschweizer K-Tipp hat sich damit auf den zweiten Platz unter den Kauftiteln der Romandie gemausert und steht jetzt hinsichtlich Leserschaftsstärke gleich hinter Le
Matin Dimanche.
Auch der gerade erst ein Jahr alte Geldratgeber Tout compte fait, der bei der Mach Basic aber bereits mitmacht, weist bereits 68000 Leser aus. Damit kann sich die Westschweizer Konsumentenpresse gesamthaft über fast 120000 zusätzliche Kontakte freuen.
Wie es dieser Kategorie in der Deutschschweiz ergangen ist, lässt sich hingegen nicht exakt nachvollziehen. Der Grund ist die Absenz von Saldo in der Leserschaftsstudie. Deshalb bleibt unklar, ob der leichte Abwärtstrend beim K-Tipp von seinem werbefreien Schwestermagazin kompensiert wurde oder nicht.
Publikationen, die sich dem Thema Essen widmen, spüren starken Aufwind.
Daniel Schifferle

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