«Voyeurismusformate werden untergehen»
TV-Direktor Peter Schellenberg würde gerne eine Daily Soap für die Jugendlichen realisieren
TV-Direktor Peter Schellenberg würde gerne eine Daily Soap für die Jugendlichen realisierenPeter Schellenberg, Direktor SF DRS, lehnt «Big Brother» nach wie vor entschieden ab, lässt aber kommerzielle Sender gerne als Ergänzung zum Service public zu. Ein happiger Verlust, die 1,5 Marktanteilspunkte, die SF 1 an die Privaten verloren hat. Wie viel Marktanteil wollen Sie den Kommerziellen in Zukunft eigentlich noch abgeben?
Peter Schellenberg: Es sind 1,1 Prozent, denn wir machen ein Programm auf zwei Kanälen, und SF 2 hat einen Teil des Rückgangs von SF 1 wettgemacht. Ich gehe davon aus, dass ein Teil dieses Verlusts auf das Konto von «Big Brother» und anderen Voyeurismusformaten geht. Aber die werden an Kraft verlieren und untergehen. Und sobald das geschieht, können wir beim Marktanteil eine Stabilisierung haben. Denn die Kommerziellen haben keinen Ersatz für «Big Brother».
Wie lange geben Sie den neuen Formaten noch?
Schellenberg: Der Niedergang zeichnet sich jetzt schon ab – jüngst gerade mit «Girls Camp», aber auch bei anderen «Big Brother»-Kopien. Sie haben zu wenig Erfolg. Das hat auch mit der zentralen Eigenart dieser Formate, dem Voyeurismus, zu tun. Er funktioniert nur so lange, wie man etwas noch nicht genug gesehen hat. Wenn man etwas aber hundertmal gesehen hat, kann man damit keinen Voyeurismus mehr betreiben. Genau gleich ist es mit dem Tabu-Brechen. Wenn ein Tabu einmal gebrochen ist, ist es kein Tabu mehr. Und genau hier liegen die Schwächen dieser Sendungen.
Aber TV 3 ist es damit immerhin gelungen, bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen erfolgreich zu sein. Eine Zielgruppe, die bei SF DRS zu schwach vertreten ist und für die eigentlich eine Offensive angesagt wäre. Was planen Sie in dieser Richtung?
Schellenberg: Wir sind mit «Nickelodeon» in der betreffenden Zielgruppe unter den ersten drei Sendern, mit ganz geringem Abstand zu den beiden führenden. Da sind wir also völlig mit dabei. In einem haben wir aber ein Problem, was unsere Attraktivität für junge Zuschauer betrifft. Denn die Jungen wollen ja vor allem eines: amerikanische Serien und Spielfilme.
Und weshalb kann SF DRS da nicht mithalten?
Schellenberg: Wegen der Erstausstrahlungsrechte. Die werden wir nie haben, denn sie sind viel zu teuer für uns. Da haben wir einen krassen Marktnachteil gegenüber den deutschen TV-Milliardären, und ich wüsste nicht, wie man
den wettmachen könnte. Eine andere Möglichkeit, bei den Jungen Erfolg zu haben, wäre natürlich eine Daily Soap. Das würde ein Riesenerfolg. Aber eine Daily Soap werden wir uns nie leisten können, dafür sind wir ganz einfach zu klein. Das ist der Punkt, bei dem uns die deutschen Sender immer überlegen sein werden. Deshalb sehe ich unsere wirklich grosse Konkurrenz nicht in der Schweiz, sondern bei den TV-Milliardären in Deutschland. Ihnen gegenüber müssen wir uns behaupten. Die schweizerischen Kommerziellen braucht es, als Ergänzung zum Service public.
Bleiben wir beim Service public: Welche Trümpfe stechen beim begehrten jungen Publikum?
Schellenberg: Wir spielen sie täglich aus, aber eben etwas anders, als die Kommerziellen. Es geht nicht immer um hohe Zuschauerzahlen. So haben wir ganz bewusst einen Teil Information in der Sendung «Oops». Das würde bei den Kommerziellen keiner machen, damit kann man nicht viel Publikum holen. Aber Information gehört zu unserem Auftrag, auch bei den Jungen. Deshalb werden wir das weiterziehen. Gleichzeitig strecken auch wir natürlich ständig die Fühler aus nach neuen Sendungen. Das ist aber nicht neu. Unsere Abteilung Kinder und Jugend denkt ständig über Optimierungen und neue Sendungen nach. Das gehört zu ihrer Aufgabe.
Und Formate wie «Big Brother» und Co., wird es die auf SF DRS auf alle Zeiten nicht geben? Das junge Publikum, das diese gerne schaut, gehört ja zu einem schönen Teil auch bereits zu den Gebührenzahlern. Und die Interessen der Gebührenzahler sollen von den Programmverantwortlichen ja gemäss Auftrag berücksichtigt werden. Weshalb gilt das bei «Big Brother» und Co. nicht?
Schellenberg: Das ist eine Frage von Ethik und Verantwortung. Die Aussage, dass die Teilnehmenden bei «Big Brother» freiwillig mitmachen, reicht bei weitem nicht. Der Veranstalter ist verantwortlich für das, was in seinen Sendungen passiert. Das ist bundesgerichtlich festgehalten und gilt für jedes Medium. In solchen Voyeursendungen können Dinge passieren, die Schäden bei den Beteiligten zur Folge haben werden, von denen diese heute noch keine Ahnung haben. Wir wollen die Wirkung von TV abschätzen können. Und dabei muss man manchmal die Menschen vor sich selber schützen.
Interview: Daniel Schifferle
Peter Schellenberg: Es sind 1,1 Prozent, denn wir machen ein Programm auf zwei Kanälen, und SF 2 hat einen Teil des Rückgangs von SF 1 wettgemacht. Ich gehe davon aus, dass ein Teil dieses Verlusts auf das Konto von «Big Brother» und anderen Voyeurismusformaten geht. Aber die werden an Kraft verlieren und untergehen. Und sobald das geschieht, können wir beim Marktanteil eine Stabilisierung haben. Denn die Kommerziellen haben keinen Ersatz für «Big Brother».
Wie lange geben Sie den neuen Formaten noch?
Schellenberg: Der Niedergang zeichnet sich jetzt schon ab – jüngst gerade mit «Girls Camp», aber auch bei anderen «Big Brother»-Kopien. Sie haben zu wenig Erfolg. Das hat auch mit der zentralen Eigenart dieser Formate, dem Voyeurismus, zu tun. Er funktioniert nur so lange, wie man etwas noch nicht genug gesehen hat. Wenn man etwas aber hundertmal gesehen hat, kann man damit keinen Voyeurismus mehr betreiben. Genau gleich ist es mit dem Tabu-Brechen. Wenn ein Tabu einmal gebrochen ist, ist es kein Tabu mehr. Und genau hier liegen die Schwächen dieser Sendungen.
Aber TV 3 ist es damit immerhin gelungen, bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen erfolgreich zu sein. Eine Zielgruppe, die bei SF DRS zu schwach vertreten ist und für die eigentlich eine Offensive angesagt wäre. Was planen Sie in dieser Richtung?
Schellenberg: Wir sind mit «Nickelodeon» in der betreffenden Zielgruppe unter den ersten drei Sendern, mit ganz geringem Abstand zu den beiden führenden. Da sind wir also völlig mit dabei. In einem haben wir aber ein Problem, was unsere Attraktivität für junge Zuschauer betrifft. Denn die Jungen wollen ja vor allem eines: amerikanische Serien und Spielfilme.
Und weshalb kann SF DRS da nicht mithalten?
Schellenberg: Wegen der Erstausstrahlungsrechte. Die werden wir nie haben, denn sie sind viel zu teuer für uns. Da haben wir einen krassen Marktnachteil gegenüber den deutschen TV-Milliardären, und ich wüsste nicht, wie man
den wettmachen könnte. Eine andere Möglichkeit, bei den Jungen Erfolg zu haben, wäre natürlich eine Daily Soap. Das würde ein Riesenerfolg. Aber eine Daily Soap werden wir uns nie leisten können, dafür sind wir ganz einfach zu klein. Das ist der Punkt, bei dem uns die deutschen Sender immer überlegen sein werden. Deshalb sehe ich unsere wirklich grosse Konkurrenz nicht in der Schweiz, sondern bei den TV-Milliardären in Deutschland. Ihnen gegenüber müssen wir uns behaupten. Die schweizerischen Kommerziellen braucht es, als Ergänzung zum Service public.
Bleiben wir beim Service public: Welche Trümpfe stechen beim begehrten jungen Publikum?
Schellenberg: Wir spielen sie täglich aus, aber eben etwas anders, als die Kommerziellen. Es geht nicht immer um hohe Zuschauerzahlen. So haben wir ganz bewusst einen Teil Information in der Sendung «Oops». Das würde bei den Kommerziellen keiner machen, damit kann man nicht viel Publikum holen. Aber Information gehört zu unserem Auftrag, auch bei den Jungen. Deshalb werden wir das weiterziehen. Gleichzeitig strecken auch wir natürlich ständig die Fühler aus nach neuen Sendungen. Das ist aber nicht neu. Unsere Abteilung Kinder und Jugend denkt ständig über Optimierungen und neue Sendungen nach. Das gehört zu ihrer Aufgabe.
Und Formate wie «Big Brother» und Co., wird es die auf SF DRS auf alle Zeiten nicht geben? Das junge Publikum, das diese gerne schaut, gehört ja zu einem schönen Teil auch bereits zu den Gebührenzahlern. Und die Interessen der Gebührenzahler sollen von den Programmverantwortlichen ja gemäss Auftrag berücksichtigt werden. Weshalb gilt das bei «Big Brother» und Co. nicht?
Schellenberg: Das ist eine Frage von Ethik und Verantwortung. Die Aussage, dass die Teilnehmenden bei «Big Brother» freiwillig mitmachen, reicht bei weitem nicht. Der Veranstalter ist verantwortlich für das, was in seinen Sendungen passiert. Das ist bundesgerichtlich festgehalten und gilt für jedes Medium. In solchen Voyeursendungen können Dinge passieren, die Schäden bei den Beteiligten zur Folge haben werden, von denen diese heute noch keine Ahnung haben. Wir wollen die Wirkung von TV abschätzen können. Und dabei muss man manchmal die Menschen vor sich selber schützen.
Interview: Daniel Schifferle
