Volle Transparenz
Gastkommentar Die Vorwürfe gegen «die längste Werbesendung der Schweiz» (Tele) entbehren jeglicher Grundlage, verwahrt sichNiklaus Schlienger.
Gastkommentar Die Vorwürfe gegen «die längste Werbesendung der Schweiz» (Tele) entbehren jeglicher Grundlage, verwahrt sichNiklaus Schlienger.
Wer schleicht sich da bei Nacht und Nebel ins Fernsehprogramm, um uns hinterrücks zum Kauf überflüssiger Produkte zu animieren? Ganz besonders finstere Gesellen sind hier am Werk, gesteuert von geldgierigen Agenten und ihren Hintermännern. Bei der deutschen ARD-Tochter Bavaria haben sie jahrelang ihr Unwesen getrieben, ohne dass ihren Auftraggebern in Redaktionsstuben und Führungsetagen das Geringste aufgefallen wäre. Und kaum ist die Sache aufgeflogen, sucht man auch hier zu Lande nach skandalträchtig platzierten Requisiten. Bei «Lüthi und Blanc» haben sie wirklich welche mit bekannten Markennamen gefunden. Einen Skandal gab es dabei jedoch nicht aufzudecken.Das Schweizer Fernsehen hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass es fürs Requisiten-Placement Partnerschaften eingeht – auch bei «Lüthi und Blanc», und zwar von der ersten Folge an. Kein Wunder, hatte das Bakom nur «zu beanstanden», dass unsere Partner nur mehr im Abspann statt – wie bisher – auch im Vorspann aufgeführt werden. Im neuen RTVG ist dies ohnehin nicht mehr Vorschrift. Woher also die Aufregung? Natürlich ist Misstrauen gegen versteckte Werbung berechtigt. Die Zuschauer melden jedoch kaum Unbehagen an. Denn Marken und Werbebotschaften sind Teil unserer täglichen Realität. Wer diese abbildet, wie jede in der Gegenwart spielende Serienhandlung, kann die Produktwelt nicht künstlich ausblenden. Aseptische Realitätsferne wäre das Ergebnis. Wenn in einer Szene Schokolade gegessen, telefoniert oder Auto gefahren werden muss – die Beispiele sind frei erfunden! –, wird unvermeidlich eine Marke sichtbar, egal, ob dafür Geld fliesst oder nicht.
Niemand kann im Ernst etwas dagegen haben, dass ein Fernsehsender aus dieser Not eine Tugend macht und so Programmgelder erwirtschaftet, die dem Gebührenzahler letztlich einen Mehrwert bringen. Die entscheidende Frage ist, wer dabei das erste und das letzte Wort hat, der Requisiten-Placer oder die Redaktion; ob etwas erzählt wird, um einem Produkt eine Plattform zu schaffen, oder ob ein Placement erst nach Vorliegen des fertigen Drehbuchs geprüft und beschlossen wird. Bei SF DRS verhindert eine kluge Einrichtung, dass redaktionelle Gelüste aufkommen, das Budget mit Placements zu äufnen: Alle Sponsoring- und Placement-Einnahmen kommen in einen zentralen, bei der Fernsehdirektion angesiedelten Topf. Und werden von dort auch in Sendungen reinvestiert, die ohne diese Gelder gar nicht finanzierbar wären.
Mit Schleichwerbung hat das Requisiten-Placement bei «Lüthi und Blanc» also nichts zu tun. Weil es mit maximaler Transparenz erfolgt, und weil wir unsere Zuschauer zweitens nicht für so blöd halten wie gewisse deutsche Produktionsfirmen ihre Auftraggeber in der ARD. Immer vorausgesetzt, die haben wirklich nichts gewusst.
Fernsehen.
> Niklaus Schlienger ist Redaktionsleiter Soap beim Schweizer
Wer schleicht sich da bei Nacht und Nebel ins Fernsehprogramm, um uns hinterrücks zum Kauf überflüssiger Produkte zu animieren? Ganz besonders finstere Gesellen sind hier am Werk, gesteuert von geldgierigen Agenten und ihren Hintermännern. Bei der deutschen ARD-Tochter Bavaria haben sie jahrelang ihr Unwesen getrieben, ohne dass ihren Auftraggebern in Redaktionsstuben und Führungsetagen das Geringste aufgefallen wäre. Und kaum ist die Sache aufgeflogen, sucht man auch hier zu Lande nach skandalträchtig platzierten Requisiten. Bei «Lüthi und Blanc» haben sie wirklich welche mit bekannten Markennamen gefunden. Einen Skandal gab es dabei jedoch nicht aufzudecken.Das Schweizer Fernsehen hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass es fürs Requisiten-Placement Partnerschaften eingeht – auch bei «Lüthi und Blanc», und zwar von der ersten Folge an. Kein Wunder, hatte das Bakom nur «zu beanstanden», dass unsere Partner nur mehr im Abspann statt – wie bisher – auch im Vorspann aufgeführt werden. Im neuen RTVG ist dies ohnehin nicht mehr Vorschrift. Woher also die Aufregung? Natürlich ist Misstrauen gegen versteckte Werbung berechtigt. Die Zuschauer melden jedoch kaum Unbehagen an. Denn Marken und Werbebotschaften sind Teil unserer täglichen Realität. Wer diese abbildet, wie jede in der Gegenwart spielende Serienhandlung, kann die Produktwelt nicht künstlich ausblenden. Aseptische Realitätsferne wäre das Ergebnis. Wenn in einer Szene Schokolade gegessen, telefoniert oder Auto gefahren werden muss – die Beispiele sind frei erfunden! –, wird unvermeidlich eine Marke sichtbar, egal, ob dafür Geld fliesst oder nicht.
Niemand kann im Ernst etwas dagegen haben, dass ein Fernsehsender aus dieser Not eine Tugend macht und so Programmgelder erwirtschaftet, die dem Gebührenzahler letztlich einen Mehrwert bringen. Die entscheidende Frage ist, wer dabei das erste und das letzte Wort hat, der Requisiten-Placer oder die Redaktion; ob etwas erzählt wird, um einem Produkt eine Plattform zu schaffen, oder ob ein Placement erst nach Vorliegen des fertigen Drehbuchs geprüft und beschlossen wird. Bei SF DRS verhindert eine kluge Einrichtung, dass redaktionelle Gelüste aufkommen, das Budget mit Placements zu äufnen: Alle Sponsoring- und Placement-Einnahmen kommen in einen zentralen, bei der Fernsehdirektion angesiedelten Topf. Und werden von dort auch in Sendungen reinvestiert, die ohne diese Gelder gar nicht finanzierbar wären.
Mit Schleichwerbung hat das Requisiten-Placement bei «Lüthi und Blanc» also nichts zu tun. Weil es mit maximaler Transparenz erfolgt, und weil wir unsere Zuschauer zweitens nicht für so blöd halten wie gewisse deutsche Produktionsfirmen ihre Auftraggeber in der ARD. Immer vorausgesetzt, die haben wirklich nichts gewusst.
Fernsehen.
> Niklaus Schlienger ist Redaktionsleiter Soap beim Schweizer
