Trio mit kreativen Ideen

Seit vergangenem Juni entstehen an der Förrlibuckstrasse in Zürich West grafische Arbeiten made by ID Idee Design Felix Zimmermann. In bewährter Besetzung, mit einer neuen Ausrichtung, einem neuen Namen und einer neuen Location will der ehemalige Mitinhaber von Z.B. Werbung noch einmal durchstarten.

Once upon a time, es war 1977, bestieg ein unbekannter Giel in Bern den Zug nach Zürich. Sein Ziel: ein Job in einer coolen Werbeagentur. Seine Waffen: ein Diplom als Grafiker, erworben an der Kunsti Bern und ein Kopf voller Ideen. Belohnt wurde sein Mut mit einer Stelle bei der Werbeagentur Gisler & Gisler. Und zahlreichen spannenden Aufträgen.

Ein Namenloser ist er schon lange nicht mehr in der Branche. Felix Zimmermann, mittlerweile 57 Jahre alt, sitzt vor seinem Mac. Drei weitere Arbeitsstationen stehen in dem einseitig offenen Raum. Zwei davon sind besetzt. Der Boden, die Wände, die Decke, alles ist modern. Die Einrichtung: spärlich, aber sorgfältig ausgewählt. Das Büro befindet sich in einem renovierten Industriegebäude an der Förrlibuckstrasse 110 in Zürich. Es liegt im hintersten Teil einer riesigen Halle. Die restliche Fläche gehört der Internetagentur Station. Seit September 2011 entstehen an dieser Adresse in Zürich West grafische Arbeiten made by ID Idee Design Felix Zimmermann. Die Firma selbst ist seit vergangenem Juni aktiv. Zimmermann hat einmal mehr einen Neuanfang gewagt.

Trotzdem ist vieles beim Alten geblieben. Der Cast, zum Beispiel. Mit Fabian Iseli und Philipp Stern arbeitet Felix Zimmermann seit fünf bzw. drei Jahren zusammen. Auch Kunden wie die Migros und ihr Kindermarketingprogramm Lilibiggs kennt der gestandene Werber seit über acht Jahren. Und trotzdem spielt er jetzt in einem anderen Film.

Getrennte Standorte und Namen

Rückblende: Nach zehn Jahren bei Gisler & Gisler wechselt Zimmermann 1987 als AD zu Impuls Werbung in Zürich. Nach zwei Jahren zieht es ihn weiter zu Farner Publicis, wo er während sechseinhalb Jahren als AD und Mitglied der erweiterten GL wirkt. 1995 kehrt er als CD zu Impuls zurück, die zu dem Zeitpunkt in Küsnacht und Bern domiziliert ist. Gemeinsam mit Daniel Bürgi, Leiter der Berner Niederlassung, gründet der mittlerweile vierfache Vater 1998 die Werbeagentur Z.B. Zimmermann Bürgi in Zürich und Bern. Drei Jahre später steigt Bürgi als Partner aus und Denis Jeitziner ein. Die Agentur tritt fortan unter dem Namen Z.B. Werbung auf und hält an den beiden Standorten fest. Bis 2011. «Das Motto von Z.B. war immer, Werbung in den beiden Hauptstädten der Schweiz zu machen. Nach zwölf Jahren, in denen wir diesem Kredo gefolgt sind, mussten wir aber feststellen, dass dies die Kunden nicht mehr interessiert», erklärt Felix Zimmermann. Also stellte sich für die beiden Inhaber die Frage: Quo vadis Z.B. Werbung? «Wir haben alle möglichen Varianten diskutiert und uns am Ende dafür entschieden, die Standorte und die Namen getrennt weiterzuführen.» Während sich Z.B. Werbung in Bern weiterhin als klassische Werbeagentur positioniert, fokussieren sich Zimmermann, Iseli und Stern mit der neuen Firma nur noch auf ein Genre: Die grafische Umsetzung von kreativen Ideen. Und was hat sich dadurch für die drei Protagonisten verändert?

Felix Zimmermann: «Ich mache im Moment viel mehr Administration.»

Fabian Iseli: «Die Abläufe haben sich geändert. Wir arbeiten jetzt nur noch mit externen Textern und Beratern zusammen.»

Felix Zimmermann: «Das hat auch den Vorteil, dass wir besonders im Textbereich je nach Auftrag einen Spezialisten hinzuziehen können. Denn nicht jeder ist in allen Bereichen stark.»

Fabian Iseli: «Und wir machen weniger klassische Werbung. Der Schwerpunkt liegt bei der Grafik.»

Philipp Stern: «Da wir alle Gestalter sind, haben wir ein ähnliches Verständnis für die Arbeit. Das erleichtert vieles. Für mich fühlt es sich mit ID Idee Design kleiner, aber auch dynamischer an.»

Obwohl der Altersunterschied zwischen demAgenturinhaber und seinen Mitarbeitern über 30  dreissig Jahre beträgt, verbindet die drei einiges. Zum einen ist da die Freude an der Gestaltung. Für alle war immer klar, dass sie Grafiker werden wollten. Fabian Iseli, der schon als kleiner Junge Heftchen zusammenklebte und am PC erste Layoutversuche startete, absolvierte die Grafik-Fachklasse an der Schule für Gestaltung in St. Gallen. Sein Kollege Philipp Stern hat sich bereits in der sechsten Klasse entschieden, Grafiker zu werden und absolvierte später eine Berufslehre. Und Felix Zimmermann hätte sich sowieso keinen anderen Beruf vorstellen können. Auch wenn jeder seinen ganz persönlichen Stil hat, ist sich das Trio einig: weniger ist mehr. «Wir lassen lieber etwas weg, anstatt etwas zu viel zu machen», sagt Zimmermann. Und dann ist da noch eine grosse Leidenschaft, die immer wieder für Gesprächsstoff sorgt: Filme. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht weiter, dass die Besucher der Homepage www.idee-design.ch unter «Team» in die Augen von Arnold Schwarzenegger als Terminator, Charles Bronson und Jack Nicholson in der Rolle des durchgedrehten Jack Torrance blicken. Wer nun aber vermutet, die ID-Helden hätten ihr jeweiliges «Double» bewusst gewählt, wird leider enttäuscht.

Philipp Stern (Jack Nicholson): «Ich laufe wahnsinnig gerne mit einer Axt durch die Gegend und hacke alles kurz und klein. Spass beiseite, ich mag das Verspielte. Im Film Shining gibt es eine Szene, in der man sieht, was Jack die ganze Zeit schreibt. Es ist immer der gleiche Satz, aber mit den einfachen Mitteln der Schreibmaschine in diversen Varianten gestaltet. Darin spiegelt sich einiges unserer Arbeit wider.»

Fabian Iseli (Charles Bronson): «Es war einfach eine Spielerei, bei der wir uns alle gefunden haben, weil wir gemeinsam immer wieder über Filme diskutieren.»

Felix Zimmermann (Terminator): «Im Vordergrund stand die Optik. Mit den gewählten Schauspielern verbindet uns eher eine Filmrichtung als eine Charaktereigenschaft. Ich finde beispielsweise Arnold Schwarzenegger einen Kotzbrocken.»

Parallelen hin oder her, bei den Kunden sorgte der ungewöhnliche Auftritt für positive Reaktionen und das ist ja das Wichtigste. Denn diese spielen im Alltag von ID Idee Design auch die Hauptrolle. Unter diesen finden sich grosse Namen wie der Migros-Genossenschafts-Bund, mit dem Lilibiggs- Programm und dem Kulturprozent. Aber auch kleinere Firmen, wie die Galerie Patrik Fröhlich oder die Evangelische Mittelschule Schiers. «Wir haben eine Kundenstruktur, die unserer Grösse angepasst ist», sagt Zimmermann. Entsprechend will sich ID Idee Design da etablieren, wo eine kleine Grafikfirma auch gefragt ist. Das sei nicht immer leicht, fährt Zimmermann fort: «Häufig beauftragen kleine Unternehmen, die eigentlich bei uns sehr gut aufgehoben wären, grosse Agenturen, weil sie denken, die würden es besser machen.» Er ist überzeugt, dass gerade die Grösse seiner Firma auch ihre Stärke ist. Sie könnten auf den Kunden hören und seien auch sehr flexibel. Da mit der Trennung von Z.B. Werbung Bern auch die interne Beratung weggefallen ist, setzt das ID-Trio auf die Zusammenarbeit mit kleinen Agenturen, die ihrerseits keine eigene Kreation haben. Eine davon ist Alborghetti Communication, mit der Zimmermann und sein Team insbesondere für die Lilibiggs-Aufträge zusammenarbeiten. Mit 36 Jahren Berufserfahrung in verschiedenen Agenturen kann Felix Zimmermann seine Kunden kompetent beraten. Doch gerade seine Erfahrung stehe ihm bisweilen auch im Weg: «Manchmal bin ich zu klassisch unterwegs. Dann kommen Fabian und Philipp mit jungen, frischen Ideen. Wir haben die perfekte Mischung.» Eine optimale Besetzung, ein neuer frischer Name und eine topmoderne Location: dem Durchbruch von ID Idee Design Felix Zimmermann steht nichts mehr im Wege.
Simone Fankhauser

kdw
Film-Fans unter sich: Fabian Iseli, Felix Zimmermann und Philipp Stern
(v. l.).

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