Swiss Casinos: Werbung für eine Kühlbox
Mit viel Werbefläche versuchen die Swiss Casinos, mich mit überladenen Plakaten und artifiziellen, kühlen (nicht coolen) Illustrationen von Manierist Jason Brooks in Spiellaune zu versetzen. Aber sie führen mich nicht in Versuchung. Von Theophil Butz, Grafiker, Werbeagentur-Inhaber, Inspirator und seit über anderthalb Jahren auch noch Motzer für die Werbewoche- Leser. Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected].
Um was es hier geht: Erstens, schaut man die Werbekampagnen für Spielcasinos an, fragt man sich, ob dieses Produkt nicht eine kreativere, originellere und unbünzligere Werbung verdient hätte. Selbst konservative Versicherungsunternehmen haben da viel mehr Werbeeinfallsreichtum bewiesen. Zweitens geht es um die Gestaltungstechnik mit Illustrationen. Bevor man einen Einfall hat, ist hier der Einfall: «Wir nehmen einen englischen Illustrator. Jawohl, sehr guter Einfall.» Dem Kunden zeigt man dann sein glamouröses Portfolio. Und dieser ist begeistert. Aber der Werbeeinfall fehlt immer noch. Und genau so einfallslos und steif sieht die Werbelösung nun aus. Reinfall.
Meine Theorie. Zuerst zur Problematik des Arbeitens mit Illustrationen: Bei unserem Beispiel haben die Kreativen ganz vergessen, oder nicht gewusst, dass Illustrationen Möglichkeiten bieten, von denen der Fotoshop nur träumen kann. Diese Chance ist vertan. Erinnern wir uns doch an Herbert Leupins Clown für Knie, welcher die Buchstaben auf dem Knie jongliert, die seit Jahren illustrierten Titelbilder des Magazins Der Spiegel, den New Yorker oder an die zahlreichen Opernhausplakate von Domenic Geissbühler (auch das Opernhaus bietet Spektakel und Spiel). Im Lürzer’s Archiv finden sich unzählige Beispiele von hervorragenden Kampagnen mittels der Illustrationstechnik.
Die unzähligen Kinofilme wie Ice Age, Shrek, Toy Story zeigen uns, wie weit die Phantasie in der Illustration gehen kann.
Neben der verpassten Chance für die Casinos ärgere ich mich auch über den unsäglichen Kinderschokoladen- Hampelmann am TV.
Also Illustrationen sind ein ideales Werbemittel. Aber auch diese Technik braucht eine Idee. Sonst lasst lieber die Finger davon.
Zum Thema Werbung für ein Spielcasino hätte dem Kunden und dessen Werbern eine bessere Kampagne einfallen sollen. Ich verstehe ja, dass Casinowerbung in der Schweiz ein Novum ist. Aber dass denen in «Baden im Glück» wie auch den Swiss Casinos nur diese Klischees einfallen, stimmt mich nachdenklich. Die Werbung hat eine Krankheit: den «ideenlosen Nichtauffallen-Virus». Ich denke, dass die Auftraggeber diesen Virus in sich tragen und die Werber damit infiziert haben. Ich meine aber, dass diese Krankheit heilbar sein sollte.
Mein Aufsteller der Woche ist, dass die Post an Service und Freundlichkeit zugelegt hat. Ist ihnen doch ein postkonform verpacktes 500-ml-Fläschchen Olio Nuovo zerbrochen. Ich wurde umgehend angerufen, und man hat mir den Warenwert und das Porto zurückerstattet.

