Star TV im Pionierfieber

Mit dem Spartensender Star Games will Paul Grau den gesamten deutschsprachigen Raum erobern

Mit dem Spartensender Star Games will Paul Grau den gesamten deutschsprachigen Raum erobernVon Daniel Schifferle Der auf Interaktivität setzende Spartensender Star Games soll dem Zürcher TV-Macher Paul Grau nicht nur zu internationaler Präsenz verhelfen. Grau ist auch überzeugt, mit dem Spiele-Kanal mehr kommerziellen Erfolg zu erzielen als mit Star TV.
Während andere abbauen und zurückbuchstabieren, packt Grau das Pionierfieber. Mit seinem Projekt Star Games, das im Spätsommer starten soll, will er zu neuen Ufern des interaktiven Fernsehens vorstossen. Die Grundidee: Zuschauer sollen sich von jedem beliebigen Standort aus per Telefon oder Internet an kollektiven Videospielen auf dem Bildschirm beteiligen können.
Doch das eigentliche Ziel des neuen Kanals geht weit über das Thema Videogame hinaus. Mit dem neuen Kanal sollen die Möglichkeiten interaktiver Services am TV grundsätzlich ausgelotet werden. «Mit derselben Technologie lässt sich die Interaktivität später auch auf Informations-, Entertainment- und Commerce-Inhalte anwenden», sagt Grau. Weil sich neue Technologien aber jeweils zuerst bei den Jugendlichen durchsetzen würden, seien Videogames der am besten geeignete Gegenstand, um das interaktive Fernsehen zu entwickeln und auszutesten.
Die Inhalte von Star Games will Grau «step by step» hochfahren und dabei intensive Synergien mit Star TV nutzen. So soll die eigentliche Mutter des neuen Senders, die Sendung «Multimedia» auf Star TV, auch das Basisangebot von Star Games bilden – zusammen mit der Sendung «Lifestyle», die ebenfalls eins zu eins auf Star Games implementiert werde. Damit sind bereits zwei Programmabende gefüllt. Auch personell setzt Grau auf Inhouse-Produktion: Die heute vierköpfige Crew von «Multimedia» bestreite auch Star Games. «Im Laufe der Zeit werden wir dieses Team auf acht bis maximal zwölf Personen ausbauen», stellt er in Aussicht. Trotz des Themenschwerpunkts Videogames, den man mit sehr jungen Menschen assoziiert, will Star Games die Altersgruppe zwischen 15 und 34 Jahren ansprechen. «Die Videogame-Klientel rekrutiert sich schon lange nicht mehr nur aus den Kids», räumt Grau ein.
Langjährige Erfahrung mit
Videogames und Interaktivität
Die Vision eines interaktiven TV-Kanals ist für den Star-TV-Chef nicht neu. Grau versteht sich seit dem Start seines Senders vor rund acht Jahren als Pionier sowohl der Interaktivität als
auch der Videogamer-Szene. «Wir setzten von Anbeginn auf den voll digitalisierten Studioablauf, der Voraussetzung für interaktives Fernsehen ist. Und wir haben seit 1995 – gleichzeitig mit der Lancierung der Sony Playstation – eine Multimediaschiene im Programm», erklärt Grau.
Allerdings ging ein seit den Anfängen gehegter Traum – die Abdeckung des gesamten deutschen Sprachraums – mit Star TV nicht in Erfüllung. «Wir glaubten, innert drei Jahren ganz Europa erobert zu haben. Doch daraus ist nichts geworden», erinnert sich Grau. «Star TV hat sich als nicht exportierbar erwiesen, weil dessen Inhalte zu stark national ausgerichtet sind», sagt er heute. Mit dem nicht ländergebundenen Thema Videogame ist er überzeugt, nun ein Rezept gefunden zu haben, das zum Sprung über die Landesgrenzen wirklich taugt.
Die Ausweitung des Empfangsgebietes auf den europäischen Raum ist auch zwingend notwendig. Denn anders sei Star Games nicht finanzierbar. Der Grund: Heute verfügt erst ein verschwindend kleiner Teil der TV-Haushalte über digitale Empfangsmöglichkeiten. Lediglich 150000 bis 200000 sind es aktuell in der Schweiz. «Würden wir nur auf diese setzen, wäre das vergleichbar mit dem unsinnigen Versuch, mit einem einzigen Liter Benzin durch die ganze Wüste fahren zu wollen», sagt Grau.
Deshalb müsse Star Games europaweit sämtliche Zuschauer ins Visier nehmen, die bereits ein digitales Signal ab Satellit empfangen können. Dies seien im Moment rund zwei Millionen Haushalte – gerade genügend für den Start des Game-Senders. Erst in einem zweiten Schritt, wenn das neue Angebot erfolgreich sei, werde man sich auch um die Aufschaltung auf den digitalen Plattformen der Kabelnetze im gesamten deutschsprachigen Raum bemühen.
Tiefes Programmbudget dank
Synergien mit Star TV
Möglich ist der neue Sender nur Dank geringer Kosten und voller Ausschöpfung der Synergieeffekte mit Star TV. Wie viel Star Games kosten wird, verrät Grau allerdings nicht. Nur so viel: «Das Jahresbudget ist deutlich tiefer als jenes von Star TV, das mittlerweile bei etwas mehr als sechs Millionen Franken liegt.» Eingespielt werden sollen die Kosten aus drei Quellen: Telefongebühren, welche die Mitspielenden zahlen, wenn sie ihre Anweisungen über eine kostenpflichtige Nummer eingeben; zweitens via klassische Werbespots und drittens über das Sponsoring. Was die potenziellen Einnahmen von Star Games betrifft, ist Grau optimistisch. Diese seien mittel- und langfristig viel grösser als jene von Star TV.
Noch etwas in der Schwebe ist der genaue Fahrplan von Star Games. «Der 31. August 2003 wäre ein schönes Datum, um auf Sendung zu gehen. Denn dann sind es auf den Tag genau acht Jahre seit dem Start von Star TV.» Allerdings sei dies ein Wunschtermin, räumt Grau ein. Die Aktivitäten würden erst jetzt entwickelt und aufgebaut. Mit der Distribution via Satellit werde man aber noch vor den Sommerferien beginnen. Doch ob die notwendigen Testläufe bis dann bereits abgeschlossen sein werden, sei im Moment noch offen.
VersuchsKonzession auch für die SRGDas Bundesamt für Kommunikation (Bakom) hat Star Games die Konzession im Rahmen befristeter Versuche mit neuen Technologien anstandslos erteilt. Star Games erhält damit das Recht, ein interaktives Fernsehprogramm mit Spielen und interaktiven Diensten über Kabel und/oder Satellit anzubieten. Die Konzession tritt am 1. März 2003 in Kraft und gilt bis Ende Februar 2006. Zweck der Konzession ist laut Bakom, Erfahrungen in der Verbindung einer interaktiven Plattform mit verschiedenen Distributionsplattformen zu sammeln.
Star Games verpflichtet sich, dem Bakom nach Ablauf der Konzession Bericht zu erstatten hinsichtlich Marktakzeptanz, technischer Durchführbarkeit, Verbreitung sowie Reaktionen und Beschwerden seitens des Publikums.
Bei der Bewilligung für Star Games handelt es sich erst um die zweite Konzession, welche das Bakom für Versuche mit neuen Technologien bisher gewährt hat. Die andere ging an die SRG, die anlässlich der kommenden Skiweltmeisterschaften in St.Moritz das terrestrische digitale Fernsehen DVB-T (Digital Video Broadcasting – Terrestrial) einem Testlauf unterzieht. DVB-T bietet eine von Satelliten und Kabelanbietern unabhängige Zusatzversorgung mit Fernsehprogrammen. Der Hintergrund: In den nächsten Jahren wird in Europa der analoge Empfang via Zimmer- oder Hausantenne durch den digitalen Empfang ersetzt. (dse)

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