Stachanow unter Werbern

Lucky Lack wurde zur besten Schweizer Newcomeragentur 2001 gekürt

Lucky Lack wurde zur besten Schweizer Newcomeragentur 2001 gekürtVon Bruno Amstutz Als glücklichen Moment empfand Patrick Lack 1999 die Gründung seiner eigenen Agentur. Glück und Erfolg sind ihm seither hold: Lucky Lack wurde als drittbeste Newcomeragentur des Jahres 2001 im deutschsprachigen Raum ausgezeichnet.
Die bronzene Auszeichnung freut Agenturgründer Lack natürlich, doch seine grosse Liebe gehört einem anderen Metall: dem Kupfer. «Reden ist Silber, schweigen ist Gold, und Kupfer macht glücklich», lautet das erklärungsbedürftige Agenturmotto, das sich mit einer Vorliebe für dunkle Stollen und unterirdische Minen paart.
«Werbung und Bergbau haben viele Gemeinsamkeiten», klärt Lack auf, «man arbeitet viel und hart, nachts und am Wochenende, und man bekommt die Sonne nie zu sehen.» Für den Basler hat das Handwerk des Werbens mehr mit schweisstreibender Maloche zu tun als mit schöngeistiger Kreativität. Und wenn als Resultat matt glänzendes Gebrauchsmetall zu Tage gefördert wird, ist das Glück perfekt.
«Wir sind keine Cüpli-Agentur», ergänzt Lack, «deshalb kommt uns der Standort Basel gelegen.» Weit genug entfernt vom offenbar champagnerseligen Werbe-Zürich machten sich 1999 Lack und sein Gründungspartner Bruno Steiger auf, Leben in die Basler Werberlandschaft zu bringen. Denn diese sei «eigentlich schon klinisch tot», erklärten die beiden in der Basler Zeitung, als sie im Januar 2001 von der BaZ und Helvetia Patria als Neuunternehmer des Monats gekürt wurden. Zu viele Agenturen seien nach Zürich abgewandert oder hätten den Anschluss ans Internetzeitalter verpasst, ergänzt Lack.
15 Mitarbeiter reiten mittlerweile mit Patrick Lack durch die Basler Werbewüste. Ein einsamer Cowboy wie das Namensvorbild seiner Agentur ist er längst nicht mehr. Die Belegschaft verteilt sich auf vier Units: Advertising, Cybernetics, Exhibition & Events und Health Care. Die internen Grenzen sind allerdings äusserst porös, seine Mitarbeiter diffundieren gemäss Lack problemlos: «Die Leute arbeiten dort, wo es nötig ist. Dadurch bleiben wir flexibel und können den Kunden massgeschneiderte Dienste anbieten.»
Auch für die Kirche gilt: Frech, ehrlich und kreativ
Als ausgewachsen betrachtet der Gründer die junge Agentur noch nicht. Rund zehn Mitarbeiter mehr würde sie seiner Meinung nach noch vertragen. Auf Ableger in London, Paris und Tokio spekuliert Lack aber nicht. Da-für ist bereits ein Stützpunkt in Dubai eingerichtet, wo eine Mitarbeiterin vor Ort an Internetprojekten für den Kunden Emirates Airlines arbeitet. Auch einen Aussenposten in Chile könnte sich Lack vorstellen. Immerhin befinden sich dort die grössten Kupferminen der Welt. Jedenfalls setzt der Basler beim Ausbau der Agentur lieber auf seine Intuition als auf strategische Planung.
Neben der Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate betreut Lucky Lack zurzeit Kunden wie Helvetia Patria, das Bakom, Ziegler Papier und den Seelsorgeverband der römisch-katholischen Kirche Allschwil-Schönenbuch (Sevas). Für den religiösen Auftraggeber gestaltete die Agentur schon Ende 1999 eine provokative Kampagne und erntete ein Medienecho von der Basler Zeitung bis zu Facts. Von der Kirche, die als Produkt verkauft wird, war da die Rede, und von einem unfrommen Auftritt. «Man muss die Dinge auf das Essenzielle, rational Erfassbare reduzieren – also auf das Produkt», verteidigt Lack seinen Standpunkt. Dem kirchlichen Verband hat diese Herangehensweise offenbar gefallen, mittlerweile läuft bereits eine Nachfolgekampagne. Auch diese, eine Lucky Lack-Version der zehn Gebote, entspricht nicht ganz dem gängigen Bild von kirchlicher Werbung. «Wir sind keine Heiligen», bestätigt Lack, «es gibt sicher ethische Grenzen, aber wir versuchen möglichst frech, ehrlich und provokativ zu sein.»
Diese Devise brachte Lucky Lack letztes Jahr neben Neukunden auch Auszeichnungen ein: einen Creative Excellence Award bei den International Web Page Awards in San José, ein Intermedia-Globe Finalist Diploma am Worldmediafestival in Hamburg und den dritten Schlussrang beim Facts-Webdesign-Wettbewerb.
Das angebrochene Jahr hat der jungen Agentur bereits gewichtige Veränderungen beschert. Mitgründer Bruno Steiger hat die Agentur verlassen und wurde durch den Unternehmensberater Peter Sorg ersetzt, der bis vor kurzem als Leiter Group Relations bei Ciba Spezialitätenchemie tätig war. Gemeinsam will das neue Führungsteam den Stollen nun noch tiefer ins Schweizer Werbemassiv treiben.

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