Senioren- und Frauenwirtschaft

Das Westschweizer Market Magazine profiliert sich vorerst durch ehrgeizige Auflagenpläne

Das Westschweizer Market Magazine profiliert sich vorerst durch ehrgeizige Auflagenplänevon Anita Vaucher Der Westschweizer Printmedienmarkt erlebt einen Frühling im Werbewinter: Mit dem neuen Wirtschaftstitel Market Magazine kündigt sich innerhalb weniger Monate bereits die dritte Neulancierung zum Jahresende an. Doch über dessen Inhalt und über die Geldgeber schweigen sich die Macher noch aus.
In der Westschweiz schiessen neue Printprodukte wie Pilze aus dem Boden. Und dies in einer Zeit der wirtschaftlichen Flaute, deren Ende noch nicht abzusehen ist. Bemerkenswert ist dabei die Tatsache, dass die Neulancierungen durchwegs von Jungverlegern initiiert werden. Nach der Ankündigung des englischsprachigen Magazins Violet für Anfang Dezember von Largeur.com und dem Lifestyle-Magazin Lounge von Artist Edition SA, das in diesen Tagen auf den Markt gekommen ist, wollen die drei Genfer Jungunternehmer Patrick Sikias, Raphaël Dana und Clément Dubois (Chefredaktor) ein neues Wirtschaftsmagazin auf den Lesermarkt werfen. Es heisst Market Magazine.
Von Mitte Dezember an will die neue Zeitschrift die etablierten Westschweizer Wirtschaftstitel Bilan, Agéfi und PME das Fürchten lehren. Als Zielgruppe hat das neue Wirtschaftsmagazin nebst Kader und Unternehmern Studenten, Frauen und Senioren als Zielgruppen definiert. Gerade die beiden letztgenannten Lesergruppen fänden in den bekannten Wirtschaftsmedien kaum Themen für ihre Interessengebiete, erklärt Sikias, Mitbegründer des Market Magazine. Er sieht sein neues Magazin als Ergänzung zu den bestehenden Westschweizer Wirtschaftstiteln.
Market Magazine peilt gegen 20000 Exemplare anAuch sprachlich setze das Market Magazine auf einen neuen Umgang. Worin die neue Formel aber bestehen soll, wollen Dana und Sikias partout nicht preisgeben. Stillschweigen herrscht ebenfalls bezüglich der Geldgeber.
Fest scheint lediglich zu stehen, dass das Monatsmagazin 130 Seiten umfassen und im Einzelverkauf um die zehn Franken kosten wird. Die Auflage ist zunächst auf 15000 Exemplare festgesetzt worden. Später soll sie auf 20000 Exemplare ausgebaut werden. Das sind ehrgeizige Pläne für den kleinen Westschweizer Markt. Zum Vergleich: Bilan beglaubigt 19930, PME Magazine 11407 und Agéfi 11500 Exemplare.
Werbeauftraggeber zucken vorerst noch die Schultern
Auch über das Redaktionskonzept schweigen sich die Genfer Jungunternehmer beharrlich aus. Gerade dieses dürfte vor allem Werbeauftraggeber interessieren. Verraten wird lediglich, dass man sich auf Themen aus der Schweizer Wirtschaft beschränken werde. Charly Schwarz von der Mediaagentur XL Media in Genf glaubt, dass Market Magazine zumindest am Anfang grosse Schwierigkeiten haben dürfte, das zum Atmen notwendige Anzeigenvolumen zu erreichen.
Neben den Leserzahlen spiele aber auch der Verkaufspreis eine wichtige Rolle. Und der sei mit 10 Franken pro Exemplar im oberen Segment angesiedelt. Schwarz sieht aber auch Chancen fürs neue Produkt: «Das vorhandene Titelangebot auf dem Westschweizer Markt erfüllt die immer komplexer werdenden Bedürfnisse der an Wirtschaftsfragen interessierten Leser nur unvollständig.»
Ob die Leser Market Magazine goutieren werden, steht und fällt mit dem Inhalt. Gerade hier scheint aber auf Sparflamme gekocht zu werden. Neben Chefredaktor Clément Dubois, ehemals Geschäftsleiter der SDA in Genf, sind lediglich drei weitere festangestellte Journalisten plus einige Freelancer vorgesehen.
Das ist ein bescheidenes Team im Vergleich etwa mit den zwölf Mitarbeitenden, die für Bilan schreiben. Und sogar Bilan-Chefredaktor Alain Jeannet sagt, es grenze an ein Wunder, dass mit dieser Teamgrösse Monat für Monat ein qualitativ anspruchsvolles Produkt abgeliefert werden könne. Jeannet glaubt nicht, dass es in der Westschweiz Platz habe für einen vierten Wirtschaftstitel.
Trotzdem räumt er ein, dass ein clever gemachtes Nischenprodukt durchaus eine Chance im Markt haben könne. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass dieses extrem kostengünstig produziert werde. «Schon etliche Verleger haben versucht, eine Zeitschrift ohne Journalisten zu machen, geglückt ist dies indes nur sehr wenigen», ergänzt der Bilan-Chef.

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