Schweizer Goldinitiative in Amsterdam
Die Epica Awards sind auf globalem Wachstumskurs. Als Zeichen dafür hat die Jury neu in Amsterdam getagt. Die Schweiz war erfolgreich und hat elf Preise gewonnen.
Kein Grand Prix ging in die Schweiz. Dennoch blicken die hiesigen Agenturen auf einen erfolgreichen Wettbewerb im Amsterdam zurück: Elf Awards sicherten sich Leo Burnett Schweiz, Ruf Lanz, FCB Zürich, Saatchi & Saatchi Schweiz, Havas Worldwide Zürich sowie Advico Y&R. (Die Arbeiten sind über hier (ff.) zu sehen). Mit zwei Gold-Epicas und einer bronzenen Auszeichnung ist die Zürcher Leo Burnett nicht nur die erfolgreichste Agentur der Schweiz im Wettbewerb 2014. Die Kreativen an der Aemtlerstrasse gehören auch dem meistprämierten Netzwerk an: 92 Awards gewann Leo Burnett, davon 26 Mal Gold. Die erfolgreichste Agentur 2014 ist Adam & Eve DDB: 30 Awards – davon 15 Gold – gehen nach London. Deutschland gewinnt mit 18 Awards nur 7 mehr als die Schweiz. Dazu ist zu relativieren, dass infolge einer anhaltenden Änderung bei der Gewichtung im Ranking noch nicht alle deutschen Agenturen bei Epica wieder eingestiegen sind. Dafür ist die Akzeptanz des Wettbewerbs in vielen anderen Ländern deutlich am Wachsen.
163 Einreichungen von 11 Agenturen aus der Schweiz sind angetreten gegen 3422 Einreichungen von 585 internationalen Agenturen. Redaktoren von über 40 Fachzeitschriften aus aller Welt bewerten die Einreichungen mit Noten zwischen 1 und 10. Nach einleitenden Erläuterungen werden die Arbeiten sowie meistens ein Case-Movie projiziert. Dann haben die Jurymitglieder fünf Sekunden, um sich auf einer Abstimmungskonsole ihre Meinung zu bilden. Ein faires System, denn auch in der Realität wird den Werbesujets kaum mehr Zeit zugestanden, um das Zielpublikum für sich gewinnen zu können. Trotzdem bleibt natürlich genug Raum, um eventuell übersehene Ideen in einer «Wildcard»-Diskussion noch einmal vor dem Plenum ins Spiel zu bringen. Das hat auch dazu geführt, dass in Amsterdam gleich zwei Grand Prix in der Kategorie Digital vergeben wurden, weil die Einreichungen in diesem Bereich im Vergleich zur klassischen Werbung überproportional gewachsen sind. Als Folge wollen die Epica Awards für die digitalen Werbeformen künftig weitere Kategorien einführen. Epica wurde 1987 von Andrew Rawlins als europäischer Wettbewerb gegründet. 2012 hat er sein Lebenswerk an Ad Forum verkauft. Die neuen Besitzer wollen den Award neu rund um den Globus etablieren.
Andreas Panzeri

WW: In diesem Jahr wurde für Epica zum erstenmal in Amsterdam statt in Paris juriert. Wieso?
Philippe Paget: Amsterdam ist für die internationale Werbung ein sehr wichtiger Standort. Für mich ist es definitiv der kreativste Hub in Europa. Ich hoffe, dass wir für mindestens zwei Jahre in Amsterdam bleiben können. Dann könnten wir im Turnus von zwei Jahren wechseln. London zum Beispiel wird sicher eine mögliche Destination sein.
Epica will in Zukunft global mitreden. Wie ist die Positionierung im Vergleich zu Cannes?
Wir wollen Cannes nicht kopieren. Wir sind komplett verschieden. Cannes ist «big business», eine Industrie. Wir brauchen Cannes. Aber Epica kann die dort prämierten Arbeiten unter einem anderen Blickwinkel analysieren. In unserer Jury sitzen nicht die Star-Kreativen, die als Jurymitglieder von einem Wettbewerb zum anderen reisen. Unsere Juroren, die alle aus internationalen Fachzeitschriften kommen, sehen die Arbeiten vielleicht näher aus der Sicht der Konsumenten. Ich bin überzeugt, dass eine solche Aussensicht die Agenturen und auch die Werbetreibenden immer mehr interessieren müsste.
Was sind weitere Pläne?
Vor zwei Jahren haben wir uns von Europa weg in die weite Welt geöffnet. Wir sind immer noch daran, ein paar wichtige internationale Netzwerke von unserem Wettbewerb zu überzeugen. Wir wollen mit noch mehr Partnern in aller Welt zusammenspannen. Die Fachmedien sind sich noch gar nicht genug bewusst, wie einflussreich sie sein können, wenn sie gemeinsam auftreten. Wir haben jetzt bereits über 40 Partner von Epica in der Media-Welt. Das ergibt zusammen eine sehr starke Stimme. pan
