Print und Online

René Worni über eine schwierige Liaison.

René Worni über eine schwierige Liaison Wenn der Vorarlberger Verleger Eugen A. Russ von Zeitungen spricht, dann leuchten seine Augen. Für ihn gibt es kein anderes Medium, das in derart konzentrierter Form Informationen enthält und dessen Inhalte dabei unterschiedlicher nicht sein könnten. So gesehen bedeutet Zeitung ein auf wenige Seiten gepresstes Abbild der Welt schlechthin, wo man sich schneller als sonstwo den globalen Überblick verschaffen kann. Von solcher Schlichtheit mögen andere Medien nur träumen. Ganz im Sinne des Russ’schen Bonmots wollen jetzt rund 162 deutsche Verleger das regelmässig totgesagte Medium wieder stärker ins Bewusstsein rücken («Die Zeitungen – wer liest, versteht») und angestaubtes Zeitungsimage aufpolieren. «Zeitung ist das journalistische Medium Nummer eins», sagt etwa Helmut Heinen, deutsches Pendant zum hiesigen Verlegerpräsidenten Lebrument und Herausgeber der Kölnischen und der Bonner Rundschau. Die Verleger werben mit 40 Anzeigenmotiven in eigenen Blättern und mit Radio- und TV-Spots. Zeitung soll (wieder) als das Medium gelten, das Menschen befähigt, aktive Mitglieder einer demokratischen Gesellschaft zu sein. Solche Imagepflege würde, mal abgesehen vom Retrogroove («Hey, wir haben immer noch Druckerschwärze an den Händen!»), auch den Zeitungsmachern im kleinen Medienland Schweiz gut anstehen.

Doch die elektronische Entwicklung ist gnadenlos. Einer der Schwerpunkte bei Ringier, nach dem Launch der Plattform Cash daily, wird Blick online sein. Beim Tages-Anzeiger gelangen neuerdings Blogs sogar ins Blatt, und die Nachbarn im Norden blasen just zur Internetoffensive auf sueddeutsche.de. Wie stark die Verknüpfungsmodelle von Print und Online leserbindend und damit auflagestabilisierend wirken, bleibt abzuwarten. Die britische Sun versucht es sogar mit einer Community à la Myspace (mit starkem Überhang an nackten Girls.) Hoffnung stiften in diesem Sinne die (leider) abtretenden Watchblogger von 20 Minuten mit ihrer Bilanz nach 22 Monaten Pendlerblog: «Dank unserer Qualitätskontrolle konnte 20 Minuten seine Leserzahlen von 782000 auf 1339000 um 70 Prozent steigern.» Das ist doch vielversprechend.
René Worni,
Redaktor

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