Pool der Millionen Konflikte
Der neue Radiopool baut auf Streitereien in der Radiobranche auf
Der neue Radiopool baut auf Streitereien in der Radiobranche aufVon Markus KnöpfliDer neue Millionen-Pool von acht Privatradios ist primär politisch motiviert, die Väter der neuen Patchwork-Familie sind diverse brancheninterne Konflikte. Wie gross der Nutzen des neuen Pools für die Werbewirtschaft ist, muss sich erst noch weisen.
Wann der neue Millionen-Pool aus den acht Sendern Hitradio Z, Top, Argovia, Sunshine, Grischa/ Piz, Central, Ri und 32 nun wirklich in den Verkauf kommt, darüber besteht nach wie vor Unklarheit. «Einen Start per 1. Juli 2002 haben wir nie kommuniziert, richtig ist hingegen, dass der Markt über den Verkaufsbeginn entscheiden soll», sagt Argovia-Geschäftsführer und Pool-Sprecher Roland Baumgartner. «Falls wir aber auf Grund grosser Nachfrage per 1. Juli 2002 starten müssten, werden wir mit dem bis Ende 2002 bestehenden Pool 2000 eine einvernehmliche Lösung suchen», ergänzt er.
Der Markt verlangt aber erst nach dem Produkt, wenn er die Tarife kennt. Bisher gab Baumgartner aber nur so viel preis: Je nach Stundenfenster kostet die Pool-Sekunde zwischen 100 und 135 Franken (Montag bis Freitag). Der Gesamtpool kommt auf einen TKP von 45 Rappen, beim Modul Zürich (Hitradio Z, Top, Argovia, Sunshine) sind es
48 Rappen, bei allen übrigen Modulen 50 Rappen.
Seitens der Mediaagenturen sind denn auch nur vorläufige Meinungen zum neuen Angebot erhältlich, grundsätzlich aber begegnet man ihm mit Skepsis. Der Grund: Löcher in Basel und Bern sowie Schwachstellen in St.Gallen und Luzern. «Der neue Pool ist sicher nicht das Gelbe vom Ei, eine Möglichkeit, um mit Radio die ganze Deutschschweiz abzudecken, haben wir immer noch nicht», sagt André Funk, Managing Director Mediaedge/CIA Switzerland.
«Ich habe das Gefühl, dass die beteiligten Sender nicht das Beste gemacht haben», sagt auch Karin Steiner vom Drei Media Team. Sie kritisiert jedoch primär die Radioszene: «Die Sender sollten sich nicht dauernd gegeneinander, sondern auf Basis sinnvoller Konstellationen gruppieren.» Der neue Pool offenbare im Grunde nur wieder die «Ur-Rivalität zwischen 24 und Hitradio Z». Sinnvoll wäre gemäss Steiner jedoch das Gegenteil, ein Zürcher Pool aus Hitradio Z und 24, «da ich mir ohne die beiden keine grössere Kampagne vorstellen kann.»
Konflikte waren die Väter des neuen Radiopools
Steiners Analyse trifft ins Schwarze, nur ist der neue Pool nicht bloss auf einem, sondern gleich auf mehreren Branchen-Konflikten aufgebaut. Da ist zum einen der Konflikt zwischen den Vermittlern Radiotele und IP Multimedia. Während Radiotele der IP vorwirft, ihr mit unfairen Methoden Kunden wegzunehmen, kritisiert man bei dem zur Goldbach-Gruppe gehörenden Hitradio Z, dass es von Radiotele nicht mehr vermittelt werde. Felix Kilchsperger, Radioverantwortlicher bei Radiotele, gibt das auch unumwunden zu. Dieser Boykott von Radiotele haben auch Argovia und Sunshine zu spüren bekommen, die mit Hitradio Z das Zürcher Modul des Pool 2000 bilden. Dessen Einnahmeneinbussen akzentuierten sich noch, als der Powerpool (24 und Zürisee) anfangs Jahr auf den Markt kam.
Verschiedentlich ist denn auch zu hören, Radiotele habe den Anstoss zum Powerpool gegeben – um Hitradio Z zu schwächen. Das weist Kilchsperger zwar zurück, gesteht aber: «Der Powerpool, der von den Zahlen her eine Alternative zum Pool-2000-Modul Zürich darstellt, macht es uns leichter, unseren Streit mit der IP in den Hintergrund zu rücken.»
Andererseits schweisste Radiotele mit seinem Vorgehen Hitradio Z, Argovia und Sunshine zusammen und trieb Letztere wohl auch der IP in die Arme. Die drei Sender gehören jedenfalls zur treibenden Kraft beim Millionen-Pool, der eigentlich in der Idee wurzelt, das bisherige Pool-2000-Modul Zürich gegenüber dem Powerpool mit Top zu verstärken. Selbstverständlich gehören umgekehrt die drei einzigen Radiotele-Pachten BE1, BeO und Canal 3 dem neuen Pool nicht an (siehe auch Seite 5).
Die Gründung des Powerpools führte aber noch zu einem weiteren Konflikt, ging doch Zürisee, bis dahin Mitglied beim Leader-Pool, fremd und stiess seine bisherigen Partner Top und Grischa vor den Kopf. Kein Wunder, dass sich diese nun ebenfalls dem Millionen-Pool zuwandten.
Zwei weitere Konflikte in der Ostschweiz waren ebenfalls Väter des neuen Pools: Die alte Rivalität zwischen Aktuell, das Anschluss an einen grösseren Pool sucht, und Top. Die Folge: Aktuell steht weiterhin abseits, obwohl es im Millionen-Pool Sinn machen würde. Zementiert wird dies durch einen jüngeren Konflikt zwischen Aktuell und Ri, die (noch) im Pool Aktuell plus zusammengeschlossen sind. Ri ist jedoch mit dem Verteilschlüssel der Pool-Einnahmen nicht mehr einverstanden, weshalb es kürzlich die programmliche Bindung an Aktuell lockerte. Übrigens: Das kleine Ri darf wohl nur deshalb beim Millionen-Pool mitmachen, weil IP bei Ri zu 35 Prozent beteiligt ist.
Keine Eile zeigen Privatradios in Bern, Basel und Zürich
Wie aber reagieren die übrigen Radios? Radio 24 steht nicht unter Zugzwang, hat es doch bisher schon gut allein existiert. Und zusammen mit Zürisee im Powerpool, für den allerdings das Okay der Wettbewerbskommission noch aussteht, bildet es eine Alternative zum weitläufigen Zürcher Modul des Millionen-Pools. Denkbar wäre aber auch eine Verbindung von Powerpool, City-Pool und Radio Aktuell, was dem eher ländlichen Millionen-Pool etwas Urbanes gegenüberstellen würde.
Möglich wäre ferner ein Zusammenspannen zwischen dem Powerpool und den Pool-2000-Modulen Basel und Bern. Wie auch immer, Belcom-Chef Stärkle lässt sich derzeit nicht in die Karten blicken. Verständlich, denn sein eigenes Millionen-Pool-Projekt aus 24, Zürisee, Top, Aktuell/Ri, 32, Piz/Grischa und BE1 ist an den erwähnten Konflikten und wohl auch an der persönlichen Rivalität zwischen ihm und Top-Chef Heuberger gescheitert.
Bricht auch der City-Pool auseinander?
Auch die Module Bern und Basel des Pool 2000 haben Zeit. Wer das goldene Dreieck Zürich-Bern-Basel abdecken will, kann sie quasi als Joker beliebig hinzubuchen, sei es weiter zum Modul Zürich des Pool 2000, sei es zum Powerpool oder eben auch zum Millionen-Pool. Sie können somit abwarten, wie die Werbewirtschaft auf den neuen Millionen-Pool reagiert. Zumindest aber BeO-Sendeleiter Martin Muerner fühlt sich nicht zum Millionen-Pool hingezogen (siehe Seite 5).
Selbst den City-Pool gilt es im Auge zu behalten. Das Triumvirat ist jedenfalls nicht mehr so geschlossen und auf Alleingang bedacht wie noch Anfang Jahr. In den letzten Wochen gab es deutliche Signale zur Öffnung, auch von Seiten des geschwächten ExtraBern.
Radiopool-Szene Deutschschweiz
Wann der neue Millionen-Pool aus den acht Sendern Hitradio Z, Top, Argovia, Sunshine, Grischa/ Piz, Central, Ri und 32 nun wirklich in den Verkauf kommt, darüber besteht nach wie vor Unklarheit. «Einen Start per 1. Juli 2002 haben wir nie kommuniziert, richtig ist hingegen, dass der Markt über den Verkaufsbeginn entscheiden soll», sagt Argovia-Geschäftsführer und Pool-Sprecher Roland Baumgartner. «Falls wir aber auf Grund grosser Nachfrage per 1. Juli 2002 starten müssten, werden wir mit dem bis Ende 2002 bestehenden Pool 2000 eine einvernehmliche Lösung suchen», ergänzt er.
Der Markt verlangt aber erst nach dem Produkt, wenn er die Tarife kennt. Bisher gab Baumgartner aber nur so viel preis: Je nach Stundenfenster kostet die Pool-Sekunde zwischen 100 und 135 Franken (Montag bis Freitag). Der Gesamtpool kommt auf einen TKP von 45 Rappen, beim Modul Zürich (Hitradio Z, Top, Argovia, Sunshine) sind es
48 Rappen, bei allen übrigen Modulen 50 Rappen.
Seitens der Mediaagenturen sind denn auch nur vorläufige Meinungen zum neuen Angebot erhältlich, grundsätzlich aber begegnet man ihm mit Skepsis. Der Grund: Löcher in Basel und Bern sowie Schwachstellen in St.Gallen und Luzern. «Der neue Pool ist sicher nicht das Gelbe vom Ei, eine Möglichkeit, um mit Radio die ganze Deutschschweiz abzudecken, haben wir immer noch nicht», sagt André Funk, Managing Director Mediaedge/CIA Switzerland.
«Ich habe das Gefühl, dass die beteiligten Sender nicht das Beste gemacht haben», sagt auch Karin Steiner vom Drei Media Team. Sie kritisiert jedoch primär die Radioszene: «Die Sender sollten sich nicht dauernd gegeneinander, sondern auf Basis sinnvoller Konstellationen gruppieren.» Der neue Pool offenbare im Grunde nur wieder die «Ur-Rivalität zwischen 24 und Hitradio Z». Sinnvoll wäre gemäss Steiner jedoch das Gegenteil, ein Zürcher Pool aus Hitradio Z und 24, «da ich mir ohne die beiden keine grössere Kampagne vorstellen kann.»
Konflikte waren die Väter des neuen Radiopools
Steiners Analyse trifft ins Schwarze, nur ist der neue Pool nicht bloss auf einem, sondern gleich auf mehreren Branchen-Konflikten aufgebaut. Da ist zum einen der Konflikt zwischen den Vermittlern Radiotele und IP Multimedia. Während Radiotele der IP vorwirft, ihr mit unfairen Methoden Kunden wegzunehmen, kritisiert man bei dem zur Goldbach-Gruppe gehörenden Hitradio Z, dass es von Radiotele nicht mehr vermittelt werde. Felix Kilchsperger, Radioverantwortlicher bei Radiotele, gibt das auch unumwunden zu. Dieser Boykott von Radiotele haben auch Argovia und Sunshine zu spüren bekommen, die mit Hitradio Z das Zürcher Modul des Pool 2000 bilden. Dessen Einnahmeneinbussen akzentuierten sich noch, als der Powerpool (24 und Zürisee) anfangs Jahr auf den Markt kam.
Verschiedentlich ist denn auch zu hören, Radiotele habe den Anstoss zum Powerpool gegeben – um Hitradio Z zu schwächen. Das weist Kilchsperger zwar zurück, gesteht aber: «Der Powerpool, der von den Zahlen her eine Alternative zum Pool-2000-Modul Zürich darstellt, macht es uns leichter, unseren Streit mit der IP in den Hintergrund zu rücken.»
Andererseits schweisste Radiotele mit seinem Vorgehen Hitradio Z, Argovia und Sunshine zusammen und trieb Letztere wohl auch der IP in die Arme. Die drei Sender gehören jedenfalls zur treibenden Kraft beim Millionen-Pool, der eigentlich in der Idee wurzelt, das bisherige Pool-2000-Modul Zürich gegenüber dem Powerpool mit Top zu verstärken. Selbstverständlich gehören umgekehrt die drei einzigen Radiotele-Pachten BE1, BeO und Canal 3 dem neuen Pool nicht an (siehe auch Seite 5).
Die Gründung des Powerpools führte aber noch zu einem weiteren Konflikt, ging doch Zürisee, bis dahin Mitglied beim Leader-Pool, fremd und stiess seine bisherigen Partner Top und Grischa vor den Kopf. Kein Wunder, dass sich diese nun ebenfalls dem Millionen-Pool zuwandten.
Zwei weitere Konflikte in der Ostschweiz waren ebenfalls Väter des neuen Pools: Die alte Rivalität zwischen Aktuell, das Anschluss an einen grösseren Pool sucht, und Top. Die Folge: Aktuell steht weiterhin abseits, obwohl es im Millionen-Pool Sinn machen würde. Zementiert wird dies durch einen jüngeren Konflikt zwischen Aktuell und Ri, die (noch) im Pool Aktuell plus zusammengeschlossen sind. Ri ist jedoch mit dem Verteilschlüssel der Pool-Einnahmen nicht mehr einverstanden, weshalb es kürzlich die programmliche Bindung an Aktuell lockerte. Übrigens: Das kleine Ri darf wohl nur deshalb beim Millionen-Pool mitmachen, weil IP bei Ri zu 35 Prozent beteiligt ist.
Keine Eile zeigen Privatradios in Bern, Basel und Zürich
Wie aber reagieren die übrigen Radios? Radio 24 steht nicht unter Zugzwang, hat es doch bisher schon gut allein existiert. Und zusammen mit Zürisee im Powerpool, für den allerdings das Okay der Wettbewerbskommission noch aussteht, bildet es eine Alternative zum weitläufigen Zürcher Modul des Millionen-Pools. Denkbar wäre aber auch eine Verbindung von Powerpool, City-Pool und Radio Aktuell, was dem eher ländlichen Millionen-Pool etwas Urbanes gegenüberstellen würde.
Möglich wäre ferner ein Zusammenspannen zwischen dem Powerpool und den Pool-2000-Modulen Basel und Bern. Wie auch immer, Belcom-Chef Stärkle lässt sich derzeit nicht in die Karten blicken. Verständlich, denn sein eigenes Millionen-Pool-Projekt aus 24, Zürisee, Top, Aktuell/Ri, 32, Piz/Grischa und BE1 ist an den erwähnten Konflikten und wohl auch an der persönlichen Rivalität zwischen ihm und Top-Chef Heuberger gescheitert.
Bricht auch der City-Pool auseinander?
Auch die Module Bern und Basel des Pool 2000 haben Zeit. Wer das goldene Dreieck Zürich-Bern-Basel abdecken will, kann sie quasi als Joker beliebig hinzubuchen, sei es weiter zum Modul Zürich des Pool 2000, sei es zum Powerpool oder eben auch zum Millionen-Pool. Sie können somit abwarten, wie die Werbewirtschaft auf den neuen Millionen-Pool reagiert. Zumindest aber BeO-Sendeleiter Martin Muerner fühlt sich nicht zum Millionen-Pool hingezogen (siehe Seite 5).
Selbst den City-Pool gilt es im Auge zu behalten. Das Triumvirat ist jedenfalls nicht mehr so geschlossen und auf Alleingang bedacht wie noch Anfang Jahr. In den letzten Wochen gab es deutliche Signale zur Öffnung, auch von Seiten des geschwächten ExtraBern.
Radiopool-Szene Deutschschweiz
City-Pool Leader-Pool
Basilisk Top
ExtraBern Zürisee
Pilatus Grischa
Powerpool
24
Zürisee
Pool 2000 Millionen-PoolModul ZH Modul ZH
Hitradio Z Hitradio Z
Argovia Argovia
Sunshine Sunshine
Top
Modul Basel Modul MittellandRegenbogen Argovia
Edelweiss 32
Modul Bern Modul Ostschweiz
BeO Top
BE1 Grischa
Canal 3 Piz
Ri
Central
