Metro schlägt zurück
Oliver Classen über den Vorbildcharakter von Schwedens Tabloidisierung.
Oliver Classen über den Vorbildcharakter von Schwedens Tabloidisierung.Schweden und die Schweiz haben mehr Ähnlichkeiten als ihre – zumal für angelsächsische Touristen – leicht verwechselbaren Namen. Beides sind traditionelle Zeitungsnationen, und hier wie dort feiert die metrosexuelle Pendlerpresse besonders nachhaltige Erfolge. Ohne Stockholmer Metro gäbe es keine Zürcher 20 Minuten. Was zeigt, dass in diesem Bereich nicht die kleine Alpenrepublik, sondern das grösste Land Skandinaviens als Testmarkt fungiert.Das könnte auch für die konzertierte Tabloidisierung führender Qualitätszeitungen gelten. Bislang waren Dagens Nyheter (Stockholm), Sydsvenska Dagbladet (Malmö) und
Göteborgs Posten «nur» durch ein Anzeigenkombi verbunden. Seit zehn Tagen erscheinen die Metro-Konkurrenten nun auch im gleichen Trendformat und vermarkten sich mit demselben modularen Buchungssystem.
Potenzielle «Early Adopter» des schwedischen Schulterschlusses sollten indes drei Dinge bedenken:
– Der formalen Nivellierung folgt die inhaltliche gemeinhin auf dem Fuss.
– Laut McKinsey schrumpft mit dem Format einer Zeitung auch deren Werbeerlös, in Europa durchschnittlich um 20 Prozent.
– Vife Wettbewerber wie Metro oder 20 Minuten schlafen nicht.
Im vorliegenden Fall will die Mutter aller Gratistageszeitungen die neue Allianz der Arrivierten durch erbarmungslose Expansion kontern. Mit der Beschränkung auf die drei Metropolen wird es ab 20. Oktober demnach ebenso vorbei sein wie mit jener auf die Nahverkehrsmittel. Das dann auflagenstärkste Blatt Schwedens soll künftig in 15 Städten verteilt werden – und zwar auch vor Schulen, Fabriken sowie in Fussgängerzonen.
Diese strategische Omnipräsenz dürfte die Horrorvorstellung jedes Kaufzeitungsmanagers sein. Auch in Zürichbaselbern. Weshalb vor einer Nachahmung des skandinavischen Beispiels gewarnt wird. Denn wer zu spät kommt, den bestraft erst der Leser- und dann der Anzeigenmarkt. Wie viel zu spät – Metro wurde bekanntlich 1995 gelauncht, 20 Minuten 1999 – spielt dabei wohl kaum eine Rolle.
> Oliver Classen, Redaktor
Göteborgs Posten «nur» durch ein Anzeigenkombi verbunden. Seit zehn Tagen erscheinen die Metro-Konkurrenten nun auch im gleichen Trendformat und vermarkten sich mit demselben modularen Buchungssystem.
Potenzielle «Early Adopter» des schwedischen Schulterschlusses sollten indes drei Dinge bedenken:
– Der formalen Nivellierung folgt die inhaltliche gemeinhin auf dem Fuss.
– Laut McKinsey schrumpft mit dem Format einer Zeitung auch deren Werbeerlös, in Europa durchschnittlich um 20 Prozent.
– Vife Wettbewerber wie Metro oder 20 Minuten schlafen nicht.
Im vorliegenden Fall will die Mutter aller Gratistageszeitungen die neue Allianz der Arrivierten durch erbarmungslose Expansion kontern. Mit der Beschränkung auf die drei Metropolen wird es ab 20. Oktober demnach ebenso vorbei sein wie mit jener auf die Nahverkehrsmittel. Das dann auflagenstärkste Blatt Schwedens soll künftig in 15 Städten verteilt werden – und zwar auch vor Schulen, Fabriken sowie in Fussgängerzonen.
Diese strategische Omnipräsenz dürfte die Horrorvorstellung jedes Kaufzeitungsmanagers sein. Auch in Zürichbaselbern. Weshalb vor einer Nachahmung des skandinavischen Beispiels gewarnt wird. Denn wer zu spät kommt, den bestraft erst der Leser- und dann der Anzeigenmarkt. Wie viel zu spät – Metro wurde bekanntlich 1995 gelauncht, 20 Minuten 1999 – spielt dabei wohl kaum eine Rolle.
> Oliver Classen, Redaktor
