Gut geliftet an den Untersee
Mit seinem Thurgauer Split will das St.Galler Tagblatt auch Steckborn erobern
Bisher hatte das St.Galler Tagblatt (SGT) neun Regionalausgaben, die unter acht verschiedenen Titeln in den vier Kantonen (St.Gallen, Thurgau, beide Appenzell) erschienen. Neu wird es mit acht Splits in die Briefkästen geliefert, von denen zwei den Namen ändern: Im Thurgau werden das Mittelthurgauer Tagblatt (MTT) mit derzeit 1500 Abonnenten und das Bodensee Tagblatt (BT) mit 13500 Abonnenten zu einer Ausgabe verschmelzen und schlicht «Tagblatt» mit dem Zusatz «Ausgabe für den Thurgau» heissen. Und die Wiler Zeitung/Volksfreund wird neu in Wiler Zeitung umbenannt, der Volksfreund erscheint nur noch im Untertitel.
Neu ist auch der Bundablauf. Auf den ersten Faszikel mit Ausland, Inland und zwei Seiten Hintergrund folgt der Bund Ostschweiz, der bisher erst an vierter Stelle eingelegt wurde. Der Bund ist unterteilt in die Kantonalseiten St.Gallen, Thurgau und Appenzell, deren Reihenfolge dank des eben erst in Betrieb genommenen neuen Druckzentrums nach dem Wohnkanton der Abonnenten ausgerichtet werden kann. «Wir verstehen uns klar als Regionalzeitung», sagt Verlagsleiter Daniel Ehrat dazu.
Wirtschaft und Kultur folgen im dritten, Sport und Service im vierten Bund. Im fünften und bisweilen im sechsten Faszikel kommt die Lokalberichterstattung zum Zug. Mit einer Ausnahme: Die Thurgauer Ausgabe wird als einziger Split sieben Faszikel haben: Der fünfte umfasst den Oberthurgau (Arbon, Amriswil), dann folgt jener für das Thurtal (Bischofszell, Weinfelden, Frauenfeld) und schliesslich der Bund See (Kreuzlingen, Untersee). Neu soll mit diesem letzten Bund speziell auch der Bezirk Steckborn erschlossen werden, weil dieser gemäss Ehrat stark nach Kreuzlingen orientiert ist.
Für das SGT wirbt erneut Matter & Partner
In diesem Bezirk mit seinen rund 7000 Haushalten ist die Thurgauer Zeitung mit einer Reichweite von 50% Marktleader, gefolgt vom Boten vom Untersee (42%). Man werde den Markt aber «nicht sehr aggressiv» bearbeiten, sondern starte im Thurgau mit der bisherigen Auflage von 15000 Exemplaren und werde diese lediglich nach den Herbstferien während einer Woche auf rund 22000 Exemplare erhöhen – um die Haushalte von Steckborn kurz gratis zu bedienen, erläutert Ehrat. «Ich erwarte nicht, dass wir den Markt dort enorm aufmischen. Wenn wir in Steckborn mittelfristig 300 bis 500 Abos gewinnen, wäre dies sehr gut.» Damit liesse sich immerhin die derzeit leicht rückläufige Auflage im bisherigen BT-Gebiet mehr als auffangen.
«Massiven Zuwachs» erhofft sich Ehrat dagegen im Mittelthurgau – vorab wegen der drei Bünde Lokalberichterstattung. Das ist denn auch der USP, mit dem im Thurgau parallel zum Relaunch auf Plakaten und mit Mailings geworben wird. Im übrigen Tagblatt-Verteilgebiet wird es eine sonst einheitliche Kampagne geben, die von der Zürcher Agentur Matter & Partner gestaltet wird.
Künftig werden mehr Farbanzeigen möglich sein
Mit der Werbeagentur Matter & Partner hat das St.Galler Tagblatt schon bisher zusammengearbeitet, doch wurde die Agentur über einen Pitch erneut zum Kommunikationspartner gewählt. «Wir haben Matter & Partner und zwei weitere zu einer Präsentation eingeladen und uns dann wieder für die bisherige entschieden», sagt Ehrat.
Am Konzept und dem von Katja Hösli (Gais AR) überarbeiteten Layout ändert sich sonst wenig, sagt Ehrat. Neu komme das Tagblatt mit einem sechsspaltigen Umbruch ohne Breitspalte daher. Künftig werden mehr farbige Bilder und vor allem mehr Farbanzeigen möglich sein.
Inhaltlich soll es mehr Kommentare und eine auch grafisch veränderte Meinungsseite geben. Allerdings bleibt personell praktisch alles beim Alten. Sogar die bisherigen Redaktionsstandorte im Thurgau (Arbon, Amriswil, Frauenfeld, Kreuzlingen und Weinfelden) sind weiterhin besetzt, lediglich eine Halbtagesstelle in Bischofszell wird gestrichen. Nicht ausgeschlossen sind aber personelle Verlagerungen von einem Standort zum anderen.
Geschickt an der Tradition angeknüpft
Indem das SGT im Thurgau seinen Split neu «Tagblatt» nennt, verhindert es, dass künftig im Thurgau andere Zeitungen dieses Wort im Namen tragen können. Das ist im Thurgau nicht unbedeutend, gab es dort doch bis vor kurzem die Traditionszeitung Thurgauer Tagblatt, die bis zum Eindringen des SGT in den Thurgau «sTagblatt» genannt wurde. Dieses ging aber vor eineinhalb Jahren zusammen mit andern Blättern in der Thurgauer Zeitung – die Neue (Huber & Co.) auf. Nun lässt SGT mit seinem schlichten Tagblatt die Vergangenheit mindestens im Namen aufleben – und legt sich erst noch das Image des Alteingesessenen zu.
Ähnliches hatte das SGT schon vor eineinhalb Jahren versucht, allerdings ohne Erfolg. Damals wollte es das heutige Mittelthurgauer Tagblatt unter dem Namen Neues Thurgauer Tagblatt starten lassen. Das provozierte und wurde prompt gerichtlich untersagt.
Insgesamt ist der Radiokonsum konstant
28/02: Media – Ein schwerer Fall von Tinnitus
Nachstehend möchte ich erläutern, warum die Radiohörerzahlen eben nicht gesunken sind, wie Herr Knöpfli das interpretiert hat.
Tatsache ist, dass am Nachmittag des 11. September 2001 die Nutzung der Radios gerade auf Grund der aktuellen Berichterstattung überdurchschnittlich hoch wurde. Dies hat sich letztlich auch in der durchschnittlichen Tagesreichweite niedergeschlagen.
Des Weiteren gilt es zu beachten, dass die Marktanteile der privaten Radios grundsätzlich gestiegen sind. Dies ist primär auf die Hördauer und nicht, wie Herr Knöpfli erkennt, auf die Hörerzahl zurückzuführen. Natürlich ist auch die Zahl der Hörer ein Element, das sich auf den Marktanteil auswirkt. Dies aber negativ, da die Zahl gesunken ist. Trotz allem ist aber der Marktanteil gestiegen.
Wenn nun die Hördauer bei den Radiosendern steigt und die Hörer länger bei ihrem Programm bleiben, sinkt die Umschaltquote. Der Radiozapper werden weniger, und somit verschwinden Doppelhörer. Wenn es weniger Doppelhörer gibt, werden die Hörer anstatt wie bisher bei zwei oder mehr Radios nur noch bei einem Radio erfasst. Damit sinkt halt in der Folge die absolute Zahl der Hörer bei einem einzelnen Radio (übrigens bestätigt dies die Summe aller Hörer aller Radios im selben Sendegebiet, denn sie liegt über der Anzahl der Einwohner).
Der Radiokonsum ist eigentlich konstant, und das Radio bleibt auch das meistgenutzte Medium. Einzig auf die Werbung hat es einen Einfluss: Es kann bei einer Werbekampagne nun nicht mehr mit so viel zappenden Hörern gerechnet werden.
Christian Stärkle
Ex-CEO Belcom AG
