Gesundheit aus der Flimmerkiste
Kolumne Gesundheitssendungen haben Hochkonjunktur. Medien hoffen auf satte Werbeeinnahmen der Pharmaindustrie – und bedienen sich dafür zweifelhafter Methoden.
Kolumne Gesundheitssendungen haben Hochkonjunktur. Medien hoffen auf satte Werbeeinnahmen der Pharmaindustrie – und bedienen sich dafür zweifelhafter Methoden. Bei Privatkliniken und in der Pharmabranche muss doch was zu holen sein.» Das denken in letzter Zeit zahlreiche Führungskräfte aus der Medienszene und bauen auf Gesundheitsmagazine. Im Print versuchen es zahlreiche Kleinverlage, im Fernsehen bastelt jeder Regionalsender sein eigenes Medizin-Süppchen. Die Konsequenz: Zahlreiche Anfragen von neuen Redaktionen flattern jede Woche auf die Tische von Kommunikationsverantwortlichen der Pharmaindustrie. Sie alle preisen ihre Sendung an und hoffen auf unermessliche Werbeeinnahmen. Als Gegengeschäft offerieren sie «unabhängigen redaktionellen Inhalt», der – ganz zufällig – das Produkt des Sponsoren pusht. Aber: Rezeptpflichtige Medikamente dürfen nicht beworben werden. So will es das Heilmittelgesetz. Medienverantwortliche der Pharmabranche erhalten aber auch gerne Besuch von hoch motivierten Werbeverkäufern der TV-Stationen, die keine Ahnung haben, dass Medikamente nicht beworben werden dürfen. Kürzlich unterbreitete ein solcher Medienvertreter eine wunderbare Offerte, die für ein Lifestyle- oder Wohnmagazin problemlos durchgegangen wäre. Als er dann über die Problematik aufgeklärt wurde, war er sprachlos und sagte: «Ahaaa – was machen wir jetzt?» Gute Frage. Zurück auf Feld 1 und eventuell mal die Basics zum Thema Werbevorschriften und Heilmittelgesetz studieren.
Also wird nach Schlupflöchern gesucht. Oder treffender gesagt: Man sucht nach Schlupflidern, die ein Auge zudrücken. Diese werden zahlreich gefunden; in der Person von Produktionsleitern oder Verlagsleuten. Sie drücken gerne beide Augen zu, kassieren ab, und in der nächsten Sendung erscheint zufälligerweise ein Beitrag über die Impfung des Zervixkarzinoms oder die Wichtigkeit der Zufuhr von Vitamintabletten. Fakturiert wird das Ganze dann verdeckt, zum Beispiel als «Beratung». Ein Verlag oder eine TV-Station «berät» Pharmahäuser? Wer’s glauben mag…
Ein Blick über die Grenze: Deutschland verfügt über mehr als 30 Sendungen rund um Medizin, Fitness und Wellness. Das reicht von «Fit for Fun TV» auf Vox bis hin zu «Was Grossmutter noch wusste» auf SWR. Wir könnten uns täglich ab 11 Uhr durch die wildesten Gesundheitssendungen zappen und wären bestens unterhalten. Aber: Die deutsche Schweiz ist so winzig klein, dass diese regionalen Medizinsendungen schlicht verschwendeter Energie gleichkommen. Die meisten sind zwar «nett» gemacht, an Professionalität hapert es jedoch meist. Ein weiteres Thema ist die alles entscheidende Zielgruppe. Junge sehen sich solche Sendungen kaum an. Das Durchschnittsalter der Zuschauer liegt bei 55. Das Thema Verhütung wäre da also fehl am Platz.
Mein Tipp: Lohnenswert wäre ein Zusammenschluss der bisherigen regionalen Gesundheitssendungen zu einer einzigen Sendung im Stil von «Puls» auf SF1, die danach auf dem Telenews-Kombi ausgestrahlt wird. Gute Vorbilder sind dabei Magazine wie «Swiss Date» oder «Lifestyle». Wer heute als Konkurrenz zum SF wirklich ernst genommen werden will, kann nicht im Ernst glauben, eine Gesundheitssendung mit einer Redaktion, die wenig von Medizinthemen versteht, würde über längere Zeit von der Pharmabranche unterstützt. Denn die Themen sollten – aus der Sicht der Redaktion – möglichst einfach umzusetzen sein. Wer jedoch spannende Medizinthemen gut aufbereiten will, muss sich ins Thema einarbeiten.
Karin Müller ist Kommunikationsberaterin in Zürich.
Also wird nach Schlupflöchern gesucht. Oder treffender gesagt: Man sucht nach Schlupflidern, die ein Auge zudrücken. Diese werden zahlreich gefunden; in der Person von Produktionsleitern oder Verlagsleuten. Sie drücken gerne beide Augen zu, kassieren ab, und in der nächsten Sendung erscheint zufälligerweise ein Beitrag über die Impfung des Zervixkarzinoms oder die Wichtigkeit der Zufuhr von Vitamintabletten. Fakturiert wird das Ganze dann verdeckt, zum Beispiel als «Beratung». Ein Verlag oder eine TV-Station «berät» Pharmahäuser? Wer’s glauben mag…
Ein Blick über die Grenze: Deutschland verfügt über mehr als 30 Sendungen rund um Medizin, Fitness und Wellness. Das reicht von «Fit for Fun TV» auf Vox bis hin zu «Was Grossmutter noch wusste» auf SWR. Wir könnten uns täglich ab 11 Uhr durch die wildesten Gesundheitssendungen zappen und wären bestens unterhalten. Aber: Die deutsche Schweiz ist so winzig klein, dass diese regionalen Medizinsendungen schlicht verschwendeter Energie gleichkommen. Die meisten sind zwar «nett» gemacht, an Professionalität hapert es jedoch meist. Ein weiteres Thema ist die alles entscheidende Zielgruppe. Junge sehen sich solche Sendungen kaum an. Das Durchschnittsalter der Zuschauer liegt bei 55. Das Thema Verhütung wäre da also fehl am Platz.
Mein Tipp: Lohnenswert wäre ein Zusammenschluss der bisherigen regionalen Gesundheitssendungen zu einer einzigen Sendung im Stil von «Puls» auf SF1, die danach auf dem Telenews-Kombi ausgestrahlt wird. Gute Vorbilder sind dabei Magazine wie «Swiss Date» oder «Lifestyle». Wer heute als Konkurrenz zum SF wirklich ernst genommen werden will, kann nicht im Ernst glauben, eine Gesundheitssendung mit einer Redaktion, die wenig von Medizinthemen versteht, würde über längere Zeit von der Pharmabranche unterstützt. Denn die Themen sollten – aus der Sicht der Redaktion – möglichst einfach umzusetzen sein. Wer jedoch spannende Medizinthemen gut aufbereiten will, muss sich ins Thema einarbeiten.
Karin Müller ist Kommunikationsberaterin in Zürich.
