Diese promigeile Jugend

Der Plakatwettbewerb Keystone Cannes Open etabliert sich

Der Plakatwettbewerb Keystone Cannes Open etabliert sichVon Andreas Panzeri Nach 20 Einsendungen bei der Premiere im vergangenen Jahr sind heuer bereits 46 Arbeiten für den Plakatwettbewerb Keystone Cannes Open eingereicht worden. Die Reise nach Cannes ans grosse Festival geht an das Team Moritz Staehelin und Gian Andrea Maurizio.
Mit dem Contest für den kreativen Nachwuchs will die Bildagentur Keystone bei den Werbern bekannt machen, dass in ihrem Archiv mehr als 10 Millionen Bilder schlummern. Dieser Schatz durfte von den Wettbewerbsteilnehmern für die Gestaltung ihrer Plakate gehoben werden. Ausgewählt wurden allerdings vorwiegend Newsbilder und Schnappschüsse von Promis.
Sachaufnahmen, die Keystone ebenfalls promoten möchte, suchen die Werber offensichtlich noch nicht vorrangig in einem Archiv. Der Zufall wollte es, dass auf den 46 Arbeiten gleich
vier US-Präsidenten als Werbemodels hinhalten mussten. John F. Kennedy zum Beispiel empfiehlt Berliner Pfannkuchen vom Schweizer Bäcker. Elvis wirbt für Kleider aus dem Brockenhaus und Karl Lagerfeld für Kindermode. Prinz Charles outet sich als Skateboarder und der Papst predigt mit seinem verzierten Bauch von den Qualitäten eines schrägen Tattoo-Shops. «Die Verlockung, mit Promis zu arbeiten, ist natürlich gross. Im beruflichen Alltag ist das so leicht nicht möglich», meinte Jurymitglied Markus Ruf.
Bedingungen wie in der echten Wildbahn herrschten für die Wettbewerbsteilnehmer hingegen in Sachen Kunden. Alle eingereichten Plakate mussten für real existierende Firmen gestaltet und von diesen auch abgesegnet werden. Kondome, Skateboards, Coiffeursalons und trendige Modelabels waren somit die beliebtesten Produkte oder «Auftraggeber» bei den teilnehmenden Grafikerinnen und Textern, die bei diesem Wettbewerb nicht älter als 30 Jahre sein durften.
Das Siegerplakat von Moritz Staehelin (Text) und Gian Andrea Maurizio (AD) aus Zürich wirbt hingegen für Karottensaft von Biotta, was bei den realitätsnahen Agenturprofis der Jury auch entsprechend positiv ins Gewicht gefallen ist. Trotzdem wurde der Juryentscheid sehr knapp. Auch eine frivole Idee mit Bill Clinton und Bundesrat Moritz Leuenberger als Benützer von Kondomen sowie Vater und Sohn Bush, die für Pater Test werben, eine Möglichkeit zum anonymen Vaterschaftstest, haben bei der Jury bis zuletzt für längere Diskussionen gesorgt.
Die Bildsprache steht deutlich im Vordergrund
Die Jury war gleich wie 2001 besetzt mit Simone Fennel, Matthias Freuler, Dani Comte und Markus Ruf. Nach ihren Eindrücken befragt, meinte Fennel, dass bei der Bearbeitung der Bilder noch nicht alle Möglichkeiten der Computergrafik ausgeschöpft worden sind. Freuler fiel auf, dass vor allem Frechheit und Witz in den meisten Plakaten steckt. Comte stellte fest, dass im Hinblick auf den internationalen Wettbewerb in Cannes vor allem mit der Bildsprache und weniger mit Worten kommuniziert worden ist.
Wie schon bei der Lancierung lief auch die Organisation des Wettbewerbs erneut über die Agentur Jung von Matt/Limmat mit Daniel Meier, Simone Künzler und Salomé Zuest. Das Siegerteam fliegt im Juni nach Cannes und darf dort am Wettbewerb der internationalen Stars mitmachen. Keystone sponsert neben dem Flug auch das Hotel sowie den Festivalpass. Plakanda machts möglich, dass die jungen Talente an der Weinbergstrasse in Zürich prominent für sich und ihre kooperativen Kunden werben dürfen.

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