Der Netzwerker

Roger Baur hat sich mit NetProfit selbstständig gemacht und will seinen Kunden bessere Chancen im Web eröffnen.

Roger Baur hat sich mit NetProfit selbstständig gemacht und will seinen Kunden bessere Chancen im Web eröffnen.Rupert Murdoch hat kürzlich verlauten
lassen, er werde «eine Milliarde ins Internet und in Online- Geschichten
investie- ren». Als ein Teil dieser Investitionen hat er vor einem Jahr
www.myspace.com gekauft. Auf dieser Community-Website finden sich 50
Millionen registrierte Privatleute. Man kann hier seine Projekte,
Events, Lieblingsmusik oder auch Tante Olga und Katze Siam
präsentieren. Ähnliche Communities sind Tilllate oder
www.klassenfreunde.ch. Bei den Freunden wirkt Baur als Berater bei der
Kommerzialisierung mit. Bei Tilllate hat er als «graue Eminenz» seit
der Gründung viel zur buchstäblich grenzenlos gewordenen Entwicklung
beigetragen.

Roger Baur kennt das Netz. Er hat recherchiert und dabei gesehen, dass
viele Werbeauftraggeber und Agenturen ein grosses Nachholbedürfnis
haben, «weil der Markt überproportional wächst». Doch viele sitzen da,
sind online – aber schon längstens nicht mehr auf Draht, was mit dem
Internet wirklich möglich wäre.

NetProfit heisst nun die Firma, mit welcher Roger Baur in dieser
Marktlücke aktiv werden will. «Nichts ist stärker als eine Idee, deren
Zeit gekommen ist», zitiert Baur dazu Victor Hugo in seinem
Arbeitspapier. Darin steht zu lesen, dass NetProfit seinen Kunden
helfen will, ihre «Chancen in digitalen Netzen klarer zu sehen». Der
Netzberater will «Strategien justieren», «Gewinnmöglichkeiten umfassend
ausschöpfen» sowie spezialisiertes Personal suchen, Kooperationspartner
zusammenbringen und Projekte leiten. NetProfit kann beim Aufbau von
Websites oder als Generalunternehmer das Vermarkten organisieren.

Baur kann für seine neue Firma auf die Partnerschaft eines etablierten
Personalberaters zählen. Das Büro von NetProfit wird in Wollerau sein –
aber natürlich noch mehr präsent im Web. Roger Baur ist Ende letzten
Jahres bei Cinecom ausgestiegen, um «wieder einmal zu überlegen, was er
in seinem weiteren Berufsleben eigentlich machen will». Den Entschluss
dazu hat er auf der Hochzeitsreise mit seiner Raphaela gefasst. Seither
hat er mit verschiedenen Unternehmen Gespräche geführt und hätte sich
bereits «mehrmals wieder anstellen» lassen können.

Ihn interessiert
aber mehr die Form der Mandate. «Es gibt ein riesiges Potenzial beim
Vermarkten diverser Websites», ist er überzeugt. Und in der Branche
weiss man: Nur wenige haben im interaktiven Bereich mit digitalen
Medien so viel Erfahrung wie Roger Baur – vor allem im Aufbau und
Verkauf. Er hat neben anderen Firmen zwei Jahre lang Qualiclick mit
aufgebaut und «versteht sehr schnell, was es braucht, um eine Firma
erfolgreich zu machen».

Baur fühlte sich schon immer als «Early adapter», interessierte sich
für neue Gadgets und fand so seine ideale Lehrstelle als Verkäufer für
Unterhaltungselektronik. Dort hätte er schon als Stift «mehr Umsatz als
der Chefverkäufer» generiert. Nach der Lehre fand er nur bei der Migros
einen Job und wechselte deshalb als Plakatkleber zur APG. Hier bildete
er zusammen mit zwei Kollegen «das Team der hungrigen Jungen». Infolge
überdurchschnittlicher Leistungen wurde er bereits nach einem Jahr zum
Vorarbeiter befördert. «Das war aber nicht das Ende der Fahnenstange» –
und so hat er sich mit der Abendschule weitergebildet.

Nach zwei Jahren
war er bei der APG verantwortlich für die Flächenbeschaffung an den
Bauwänden der Stadt Zürich. Auch hier konnte er innert eines Jahres den
Umsatz verdoppeln. Trotzdem empfand man ihn damals bei der APG 1987 mit
25 Jahren noch zu jung für eine Führungsposition im Verkauf. So wurde
er halt von der Konkurrenz Plakanda als Verkaufsleiter abgeworben. «Das
galt bei der APG als Hochverrat. Aber ich habe bei einer kleinen Firma
mehr Möglichkeiten für meinen Kampfgeist gesehen.»

Als Plakanda verkauft worden ist, verspürte Baur Lust nach einer
Abwechslung. Er hat gemeinsam mit Freunden das Fitness-Center Vitatop
in Zürich übernommen und drei Jahre geführt. In dieser Phase hat er
auch den Verband der Fitness-Center mitgegründet und dort die
Zusammenarbeit mit den Krankenkassen in die Wege geleitet. Der fitte
Jungunternehmer baute im Team mit den gleichen Freunden eine Kette für
Selbstbedienungs-Solarien auf und gründete 1994 mit einem Kollegen
zusammen eine Beratungsfirma für Aussenwerbung. Damit war Baur wieder
zurück im Medienbereich.

Er suchte eine neue Herausforderung als Anzeigenverkäufer bei der
Zeitung Sport, «verdiente dort nur noch die Hälfte», aber hatte grossen
Spass an dieser neuen Welt. 1997 regte er einen Special über
Snowboarden an und konnte die Idee auch verkaufen. Nach diesem «ersten
Snowboard-Special in der Schweiz» adaptierte er das gleiche Konzept
auch für ein Formel-1-Special.

Dann kam die Zeit des Internet beim Jean Frey Verlag. «Alle wollten
Banner – ohne zu wissen, was das ist.» Baur wechselte verlagsintern zur
Weltwoche, wo auch ein Internetportal immer mehr zum Thema wurde. 1999
hat er für den ganzen Verlag die Banner verkauft, parallel dazu auch
noch den Marketing-Planer gemacht. In dieser Zeit suchte Qualiclick
einen Mann für die Key-Accounts. Baur hat vor allem die Kontakte zu den
Mediaagenturen betreut. Er bildete die Leute aus und machte die
Agenturen fit für den Online-Markt. Diese Idee hat Baur auch bei der
Überführung von Qualiclick zu Adlink weiterentwickelt. 

Bei Cinecom hat Baur das «rundum glückliche Paket» geschaffen, wo alle
möglichen Medien miteinander verknüpft werden. Er wollte es aber nicht
Crossmedia nennen, «das tönte zu banal für unsere Multimedia-Projekte»,
bei denen ein Konsument von verschiedensten Medien einen ganzen Tag
hindurch begleitet wird.

Bei Cinecom hat Netzwerker Baur zusammen mit IP-Multimedia die IG
Adscreen gegründet und versuchte dort alle, die in der Schweiz etwas
mit Adscreen zu tun haben, in diesen Verband mit inzwischen 30
Mitgliedern zu bringen. Mit dem Verkauf von Cinecom an die PubliGroupe
war wieder einmal Zeit für etwas Neues, «weil er sich in grossen
Unternehmen einfach nicht so frei entfalten kann». – Und was gibt es da
Besseres als die Gründung einer eigenen Firma.

Andreas Panzeri

Der Netzwerker

Martin Hofer will seine breiten Erfahrungen als früherer Chefredaktor von «10 vor 10» und SonntagsBlick jetzt bei Burson-Marsteller einsetzen.

Martin Hofer will seine breiten Erfahrungen als früherer Chefredaktor von «10 vor 10» und SonntagsBlick jetzt bei Burson-Marsteller einsetzen.Die Mails seines neuen Arbeitgebers sind
bis vor kurzem wie die PR-Meldungen anderer Agenturen auf seinem Laptop
als «Spam» eingegangen. Jetzt hat Martin Hofer seine Mailbox neu
programmiert. Er hat damit aber als Mann der Medien seine
Schnittstellen nicht völlig neu definieren müssen.

An der Schnittstelle zwischen Politik und Wirtschaft ist Hofer schon
lange tätig. Bei «10 vor 10» und SonntagsBlick war er es, der
bestimmte, welche Geschichten mit welcher Kraft gefahren wurden. Aus
dieser Erfahrung und dem zuvor angeeigneten Know-how als
Politjournalist bringt er Kompetenz und Netzwerk für den neuen Job bei
Burson-Marsteller mit. Den berühmten «Frontenwechsel» will er aber
etwas vielschichtiger kommentieren.
Der Journalismus berichte zunehmend nur noch, «wenn es funkt und
zischt», konstatiert er, «warum es zum Funken und Zischen gekommen ist,
wird gar nicht erst gefragt». Jetzt sieht er sich mehr «auf der Seite
der Entwicklung». Hier kann er als Kommunikationsberater beeinflussen,
gestalten, ein Thema auch längerfristig reifen lassen.

Der neue Berater bei Burson-Marsteller ist «nicht ganz keusch» in
Sachen PR. Bereits vor seinem Einstieg bei «10 vor 10» hat er als
freier Mitarbeiter für die frühere PR-Agentur Dr. Dieter Jäggi in Bern
gearbeitet.
Martin Hofer studierte Jus im Hauptfach, daneben belegte er
Medienwissenschaften und Geschichte. Mehr als eine Zukunft als
Fürsprecher lockte ihn aber der Journalismus. Schon in der Schule in
Gstaad hatte sich sein beruflicher Werdegang abgezeichnet: «Beim
Aufsatzschreiben und im Turnen setzte es meistens eine 6 ab.» Während
seiner Zeit an der Uni durfte er dann für die Fachzeitung Sport sehr
schnell über Spitzenfussball berichten. «Heute Madrid, morgen
Amsterdam, den nationalen Elitefussball kommentieren: Das war für einen
jungen Journalisten eine lockende Welt.»  
Vom Zürcher Tages-Anzeiger abgeworben, konnte der Sportjournalist beide
Leidenschaften, Sport und Politik, dann optimal verbinden. Fridolin
Luchsinger war der erste  Chefredaktor der TA-Neulancierung
SonntagsZeitung. Da dieser beim Blick selber früher als Sportchef
wirkte, gab er dem «Sportmenschen» die entscheidende Chance: Hofer
wurde 1989 einer von zwei Bundeshaus-Korrespondenten für die
SonntagsZeitung.

Am Samstagnachmittag die politischen Artikel, dann abends ab zur
Berichterstattung über ein Fussballspiel: Das hat Hofer ausgefüllt bis
1992. Dann war wieder einmal ein Wechsel fällig. Die neue Welt
eröffnete sich bei «10 vor 10». «Die Offerte von Jürg Wildberger, das
TV-Handwerk zu lernen, musste ich einfach packen.» Er startete mit
Filmbeiträgen aus dem Bundeshaus, war bald Produzent und 1997
stellvertretender Redaktionsleiter. Schliesslich, als Chef von «10 vor
10», hat er 1999 bis 2002 massgeblich zu einem glaubwürdigen Image des
Nachrichtenmagazins beigetragen.
«Ein Leben lang pubertieren ist langweilig», war sein Credo. Er führte
das Flaggschiff des späteren Abends deshalb weg vom reinen Infotainment
zum seriösen Nachrichtenmagazin. Thematisch fügte er mehr Politik,
Ausland, Wirtschaft und Wissenschaft zu: «Die Leichtigkeit ist trotzdem
nicht verloren gegangen. Und die Quoten stiegen.» Sein schönster Tag
war, «als der Publikumsforscher mir sagte, wir hätten die gleiche
Glaubwürdigkeit wie die ‹Tagesschau›. Da wusste ich: Du hast einen
guten Job gemacht.» Dass nach seinem Abgang wieder ein Boulevardkurs
eingeschlagen wurde, «darüber konnte ich nur immer wieder den Kopf
schütteln».
Eine gleiche Kurskorrektur sollte er 2003 auch als Chefredaktor beim
SonntagsBlick einleiten. Nach der Borer-Affäre war das Blatt «im Elend»
und verlangte nach neuen Wertmassstäben. «Der Start war toll. Doch bald
bestand keine Einigkeit mehr über die journalistische Ausrichtung und
wer was zu bestimmen hat», fasst Hofer seine wenigen Monate als
Chefredaktor an der Dufourstrasse zusammen.

Nach seinem schnellen Abgang beim SonntagsBlick ist Hofer mit zwei
Freunden – «Fussballgepickten wie ich» – noch in der gleichen Woche
nach Brasilien abgereist. 15 Fussballspiele der besten Clubs hat er
sich dort angeschaut. Viele Clubverantwortliche kannte er noch aus der
Zeit, als er im alten Berner Wankdorf mit einem Kollegen zusammen den
Publikumsmagnet Philips Cup mit einigen brasilianischen Mannschaften
mitorganisiert hat. Ein anderes Flashback schenkte er sich an der
Zürcher Uni, wo Hofer «als Bohemien» zwei Vorlesungszyklen über
Philosophie voll durchgezogen hat.

Die neue Freiheit hat auch Ideen für eine Selbstständigkeit im Bereich
Journalismus und PR reifen lassen. Hofer merkte trotz spannender
Mandate und toller Zusammenarbeit mit der Witikoner Agentur O2 aber
bald, dass er zum Arbeiten Leute um sich haben will – ein Team, das ihn
befruchtet und das er mit Input beliefern kann. Das hat er bei
Burson-Marsteller nun gefunden. Bei der renommierten Agentur trifft er
«auf hochprofessionelle Kolleginnen und Kollegen».
Stratege, Ideenlieferant, Schreiber: Das will Hofer jetzt bei
Burson-Marsteller als Senior Consultant im Segment Public Affairs
verwirklichen. Er hofft darauf, mit der Gruppe um Marie-Louise Baumann
nächstens das Mandat für eine Abstimmungskampagne zu erkämpfen. Seine
Erfahrungen nutzen will er auch beim Medientraining –  und zwar
nicht nur für Politiker und den CEO, die in die Arena gehen müssen.
Auch Forscher, Ärzte oder gar Feuerwehrleute seien von den Medien immer
mehr gefordert.

In seiner Freizeit gehört Sport nach wie vor zu Hofers Leidenschaften.
Er spielt einen offensiven Part beim FC Seefeld, aber nicht bei den
Werbern, sondern beim richtigen proletarischen Quartierclub. Zuletzt
gingen zwei Spiele verloren. Hofer spült solcherlei Frust am liebsten
ganz unproletarisch weg: mit einem Glas edlen italienischen Rotwein.

Andreas Panzeri

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