Der Motz vom Butz: Kann man gute Werbung für einen Nonsense machen? Oder umgekehrt?

Immer öfter werden Non-Nonsense-Produkte mit ganz banaler oder schlechter und dadurch unwirksamer Werbung ausgestattet. Von Theophil Butz, Grafiker, Werbeagentur-Inhaber, Inspirator und seit über anderthalb Jahren auch noch Motzer für die Werbewoche- Leser. Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected]

Wenn Ihr das lest, weile ich schon auf unserem Rebberg in der Toskana. Apropos Italien: Die sind viel kreativer als die Züri- Fäscht-Veranstalter. Reist man per Auto ohne aufgeklebtes CH-Schild ein, wird man neuerdings mit Bussen bis zu 300 Euro bestraft. Auch dies ist Kreativität à l’Italianità. Ich wünsche allen, die Werbeaufträge zu vergeben haben, dass sie mutig und übers Ziel des Normalen hinausschiessen lassen. Und in der nächsten und letzten Kolumne vor den Ferien werden wir gemeinsam meine Theorien nochmals durchgehen, verinnerlichen und hoffentlich umsetzen, gell, liebe Stadt Zürich? Der Aufsteller der Woche ist, dass ab jetzt auch unser Rotwein «Theophil» in Dieter Meiers argentinischen Bistrots getrunken werden kann.

Ein Beispiel für banale Werbung für einen attraktiven Anlass ist die Kommunikation für das Züri Fäscht. Natürlich ist das Feuerwerk die Hauptattraktion. Aber diese ist nur im Moment, wenn’s knallt und bei klaren Wetter der Fall. Auf einem zweidimensionalen Plakat stellt das ein Zitat eines Feuerwerkes dar und ist kein Plakat mit Feuerwerk. Leider muss der Steuerzahler nicht nur das Feuerwerk, sondern auch noch diese Ankündigungsplakate und Inserate berappen.

Ich hätte da spontan viel bessere Ideen zur Bewerbung dieses Anlasses auf Lager. Sicher nicht so platt, wie es hier zum Aushang gekommen ist. Zu so einem grossen Anlass mit Essen, Trinken, Tanzen, Chillen, Grillen, Lachen und andere Sachen fallen jedem Kreativen sicherlich bessere Ideen ein.

Meine Theorie: Im Gegensatz zum Circus Knie hat das Züri Fäscht keine Idee und kein CI. Knie überrascht immer wieder mit einer Idee. Sei es aus der Vergangenheit oder wie heuer mit den Bubbels. Und vor allem hat der Knie ein CI. Zurück zu meiner Theorie: Unwichtige oder unnötige Produkte geben sich enorme kreative Mühe, beim Publikum aufzufallen. Bier A oder B bis Burger C oder D veranstalten kreative Werbekampagnen-Ideen. Wenn aber die Stadt Zürich ein Grand Spectacle bewilligt und finanzielle Unterstützung leistet, dann wird die Möglichkeit eines Grand Spectacle zur Vorankündigung städtisch bürokratisch abgehandelt.

Dominik Geissbühler hat über Jahre bewiesen, dass Opernaufführungen jedes Jahr wieder neu und kreativ beworben worden sind. Die Stadt bestätigt uns wieder einmal ihre unlockere, bürokratische und unkünstlerische Haltung. Ein guter Einfall kostet übrigens gleich viel wie kein Einfall. Das Steuerformular ist ebenfalls so gestaltet, dass man es erst recht nicht gerne mag. Es gibt noch viel zu tun für die so begehrte und ausgezeichnete Stadt Zürich.

Der Aufsteller der Woche ist, dass ab jetzt auch unser Rotwein «Theophil» in Dieter Meiers argentinischen Bistrots getrunken werden kann.

zuerifaescht
 

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