Nominiert zum «Werber des Jahres» 2025: Lorenz Clormann
Lorenz Clormann liebt grosse Ideen und versteht es, sie überzeugend zu verkaufen – was er auch gerne mal bei einer opulenten Parfum-Kampagne machen würde. Mit seinem Gespür für 360-Grad-Konzepte, seinem Engagement für die Zukunft der Branche und einem unerschütterlichen Sinn für Kalauer bringt er frischen Wind in die Werbewelt.

Seit 2020 ist Lorenz Clormann Executive Creative Director und Partner bei der Wirz Group Zürich. Sein Weg führte ihn von Weber, Hodel, Schmid Zürich über Scholz&Friends Berlin, Ruf Lanz Zürich, Jung von Matt Schweiz, Publicis Zürich, zurück zu Jung von Matt Schweiz zu seiner heutigen Wirkungsstätte.
m&k: Lorenz Clormann, wann haben Sie zum ersten Mal gespürt: «Werbung – respektive Kommunikation – ist das, wofür ich brenne!»?
Lorenz Clormann: Schon als Kind hat mich die legendäre Toni-Kampagne fasziniert. Nach meinem Abschluss war mir dann klar: Ich muss in eine Kreativ-Agentur – und so landete ich kurz darauf bei Weber, Hodel, Schmid.
Was läuft in unserer Branche im Moment richtig gut? Und was total schief?
Die Branche hat definitiv an Glanz verloren. Wir müssen uns verändern, und der Wert von Kreativität sollte auch den Auftraggebern wieder mehr wert sein. Aus diesem Grund treiben wir die Veränderung bei der Wirz voran.
Wer oder was kann Sie inspirieren?
Meine Inspiration ziehe ich aus dem Alltag, aus dem Leben. Dafür braucht es vor allem ein breites Interesse und Offenheit gegenüber allem Neuen. Dann kommt die Inspiration fast ganz von allein.
Wir müssen eingefahrene Mechanismen überdenken, um die Branche wieder attraktiver für die Jüngeren zu machen.
Was sind Ihre Stärken? Und wo überlassen Sie lieber anderen das Feld?
Ich kann Ideen gut verkaufen. Das hilft enorm in unserer Branche. Und ich liebe es, eine richtig grosse 360-Grad-Kampagne von A bis Z durchzudenken und über alle Touchpoints zu spielen. Ganz grundsätzlich texten wahrscheinlich andere besser als ich, aber bei Kalauern kann mir immer noch niemand das Wasser reichen.
Auf welche Arbeit aus dem vergangenen Jahr sind Sie besonders stolz?
Die Januarloch-Plakate von M-Budget waren ein guter Start ins Jahr 2024 und mit dem DVAG-TV-Spot waren wir Pioniere in der KI-Anwendung. Danach waren wir stark mit dem 100-Jahr-Jubiläum der Migros beschäftigt. Seit Januar 2025 ist die Kampagne on-air und zieht sich über das gesamte laufende Jahr. Darauf und auf das gesamte Team bin ich sehr stolz.
Was halten Sie für Ihre beste Idee, die niemals realisiert wurde?
Glücklicherweise konnte ich die meisten meiner guten Ideen verkaufen. Was jedoch auf der Strecke geblieben ist, sind meine Ideen für kreative Projekte abseits der Werbung – wie Gemälde, Skulpturen oder Installationen. Ob diese letztlich tatsächlich gute Ideen waren, musste ich zum Glück noch niemandem beweisen.
Der bisher schwierigste Entscheid Ihrer Karriere? Und der beste?
Tatsächlich wusste ich bisher immer, welcher der richtige nächste Schritt ist, und musste daher keine schwierigen Entscheidungen treffen. So war letztlich jede Entscheidung die beste. Ich hoffe, dass es auch weiterhin so bleibt.
Für wen würden Sie – unabhängig von Budgets oder Geographie – mal so richtig gerne werben?
Auch unabhängig von inhaltlicher Tiefe? Dann würde ich gerne einmal eine Parfum-Werbung drehen. Viel Budget, opulente Bilder und Ausstattung, viel Dramatik und ein mitreissender Soundtrack. Wunderbar. Aber im Ernst, ich liebe es, für grosse Schweizer Lovebrands zu arbeiten und würde mich natürlich freuen, wenn auch hier weiterhin grosse Budgets für gute Kreation gesprochen werden.
Welches Bild hat Ihrer Meinung nach die Öffentlichkeit von der Branche?
Die breite Öffentlichkeit hat eine positive Meinung von guter Werbung, während sie von schlechter Werbung natürlich eher negativ denkt. Letztlich sind wir gefragt, die Menschen mit guten Ideen zu begeistern und emotional zu berühren. Zudem müssen wir eingefahrene Mechanismen überdenken, um die Branche wieder attraktiver für die Jüngeren zu machen.
Glauben Sie an Vorbilder oder Mentor:innen?
Grundsätzlich mache ich mein eigenes Ding und orientiere mich nicht an anderen. Ein Vorbild gibt ein gewisses Muster vor, ein Vorbild lässt sich abzeichnen. Ich mag das weisse Blatt Papier.
Ich will jungen Menschen vermitteln, dass KI immer noch nur ein Werkzeug ist und die Idee die wahre Magie ausmacht.
Was bedeutet es für Sie, für den Titel «Werber des Jahres» nominiert zu sein?
Ich bin mit Leidenschaft Werber, und es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass es mir egal ist. Ich freue mich wirklich sehr, und es ist mir eine grosse Ehre – vor allem, weil man ja auch von Kollegen vorgeschlagen wird.
Die wichtigste Frage zum Schluss: Vervollständigen Sie bitte den folgenden Satz: «Als Werber des Jahres würde ich …
…mit einem Glas Champagner auf die Wahl anstossen. Ich würde meine Bemühungen vorantreiben, den jungen Menschen zu zeigen,was der Job als Kreativer alles bewirken kann und wie toll unsere Branche eigentlich ist. Ich möchte ihnen vermitteln, dass KI immer noch nur ein Werkzeug ist und die Idee, die wahre Magie ausmacht. Und schlussendlich würde ich Kalauer in der Werbung wieder salonfähig machen.
Kampagnen Lorenz Clormann

Migros Bier-Abstimmungskampagne
KI-Klopp für die Deutsche Vermögensberatung DVAG
Neben Lorenz Clormann sind auch Gordon Nemitz von Thjnk und Philipp Skrabal von Farner für den Titel «Werber des Jahres» 2025 nominiert. Mehr Informationen zum Preis sowie zur Wahl gibt es hier.



