ADC-Jury nicht nur voll des Lobes

Würfelrennen Der Art Directors Club Schweiz war dieses Jahr zurückhaltend beim Verteilen der begehrten Würfel: 5 Gold, 8 Silber, 40 Bronze.

Würfelrennen Der Art Directors Club Schweiz war dieses Jahr zurückhaltend beim Verteilen der begehrten Würfel: 5 Gold, 8 Silber, 40 Bronze.«Italianità» lautete das Motto für den kreativen Würfelabend des ADC in der ABB-Eventhalle in Zürich. Das Thema sei aber nicht gewählt worden, weil bei der Jurierung «italienische Zustände» herrschten, meinte Mike Müller. Da hätte man besser den deutschen Fussball als Motto nehmen sollen. Der Komiker als Moderator führte mit ironisierend ernster Miene durch die Feier. «Bitte die Sieger und Ruf Lanz auf die Bühne», scherzte Müller zum Beispiel, als zum wiederholten Mal die Abräumer des Abends zur Würfelübergabe gebeten wurden. Oder er versuche, die Preisverleihung «in kürzerer Zeit zu machen, als die Website des ADC zu ihrem Aufstarten braucht». Wer Geduld hat: Auf www.adc.ch kann die vollständige Liste aller Prämierten eingesehen werden.Insgesamt zeichnete der Schweizer Art Directors Club aus den 871 eingereichten Arbeiten aus dem letzten Jahr 5 mit Gold, 8 mit Silber und 40 mit Bronze aus. 122 Arbeiten mussten sich mit einem Shortlistplatz begnügen. Dominiert wurde der Wettbewerb von den drei Agenturen, die auch das Kreativranking der Werbewoche anführen: Ruf Lanz (1 Gold, 1 Silber, 11 Bronze, 27 Shortlist), Jung von Matt/Limmat (1/1/7/8) und Publicis (1/1/4/19). Gold gab es auch für Contexta. Ansonsten konnte die grosse Berner Agentur aber nur einen Shortlistplatz erringen.
Juriert wurde nach dem im letzten Jahr neu eingeführten härteren Modus. Als Messlatte diente das 10-Punkte-System von ADC-Ehrenmitglied Michael Conrad. Von 123 stimmberechtigten Mitgliedern haben sich 87 an der Jurierung beteiligt. «Bei allen Entscheiden für Gold und Silber waren wir uns einig, und die Bronzewürfelgewinner wurden fast einstimmig bestimmt», erklärte Andreas Prokesch, ADC-Vorstandsvorsitzender.
Die Würfel im SpiegelDie 5 Goldwürfelträger von 2005 sind: «Lebensstationen» von Jung von Matt für SBB in der Kategorie Anzeigen, «Schnelle medizinische Hilfe» für Médecins sans Frontières von Publicis in der Aussenwerbung, «Beck & Bondi» von Contexta für Swisscom Fixnet beim Film, die Radiospots «Bekloppte Songtexte» für das NZZ Folio von Ruf Lanz und in der Kategorie Design die Ausgabe 26 des Soda-Magazins mit dem Titel «Surface». Auffallend war, dass heuer kein Goldwürfel für die Kategorie Gesamtkampagnen vergeben wurde.
Einen silbernen ADC-Würfel erhielten: Die Anzeige «Etui» für McKinsey von Ruf Lanz. Die Anzeigen und die Plakatserie «Flache Schweiz» für den VW 4Motion von Lowe. Die drei nebeneinander hängenden Plakate für Candida Dental Tape der Migros von Advico Young & Rubicam. Die Filmserie «Kundenideen» für die Migros von Publicis. Die Radiospotserie «Taxi Turk» für die Swiss von Jung von Matt/ Limmat. In der Kategorie Verkaufsförderung die Schneeautos für die frühe Saisoneröffnung der Alpenarena von Spillmann Felser Leo Burnett und das T-Shirt und
die Unterschriftenaktion «Weniger Dräck» mit Chris von Rohr für Greenpeace von Advico Young & Rubicam.
Zum ersten Mal vergab der ADC dieses Jahr einen Pressepreis in der Kategorie Anzeigen. Eine Chefredaktorin und vier Chefredaktoren wollten diesen Würfel vergeben an Jung von Matt/Limmat für die Anzeige «Ping Pong» der SBB. In der ADC-Pressepreis-Jury sassen neben Andreas Durisch (SonntagsZeitung), Werner De Schepper (Blick), Peter Rothenbühler (Le Temps) und Lisa Feldmann (Annabelle) auch Stefan Barmettler von Facts. Dieses Magazin hat die diesjährige ADC-Festzeitschrift Fakes produziert. «Boombranche Werbung. Das goldene Zeitalter ist zurück», lautet die verheissungsvolle Titelgeschichte des Sonderhefts.
Alle prämierten Arbeiten werden Ende Mai im ADC-Jahrbuch publiziert. «Ein Schmuddelwerk, für das man sich schämen musste, von dem aber trotzdem alle Exemplare verkauft worden sind», konterte Andreas Prokesch rückwirkend ein paar Kritiken zum letztjährigen Buch, das ebenfalls mit einem Bronzewürfel geehrt worden ist. Das neue Jahrbuch soll nun wiederum im Werd Verlag mit einer rund um ein Drittel erhöhten Auflage gedruckt werden. Zudem soll es quasi im Austausch mit dem dortigen ADC-Buch auch in Deutschland unter die Leute gebracht werden.
«Besser geht es immer. Aber wir können zufrieden sein. Besonders freut mich, dass wir den höchsten Preis sowie den Pressepreis für Kunden bekommen haben, die im Markt tatsächlich wahrgenommen werden. Das zeigt mir, wie wichtig neben der Kreation auch die Beratung und ein integriertes Denken sind.»Alexander Jaggy, CD Jung von Matt/Limmat

«Wenn wir auf etwas stolz sind, dann darauf, dass wir die meisten unserer Preise für relevante Kunden wie Suva, VBZ, NZZ Folio oder McKinsey & Company gewonnen haben. Und nicht für das Hanflädeli um die Ecke. Generell kann man beobachten, dass der Anteil an ‹Fun-Arbeiten› bei Gold, Silber und Bronze zurückgegangen ist. Dafür gabs plötzlich prägnante Kampagnen für Marken wie Dar-Vida, Maggi Quicklunch oder die gute alte WC-Ente. Davon wünscht man sich als Werber und Konsument, der man ja immer auch ist, mehr.» Markus Ruf, CD Ruf Lanz
«Ich bin sehr zufrieden. Es ist extrem streng beurteilt worden. Was früher Bronze bekam, findet sich heute höchstens noch auf der Shortlist. Der Qualitätslevel hat sich verschoben. International verglichen macht das aber Sinn und ist gerechtfertigt, weil es einen objektiveren Querschnitt ergibt. Echte Arbeiten sind ausgezeichnet worden und nicht nur Award-Shows. Das ist eine gute Entwicklung.»Daniel Comte,
CD Advico Young & Rubicam
«Vielleicht ist das Resultat ein bisschen ernüchternd ausgefallen. In der grossen Menge der Arbeiten hat die Jury nur wenig für einen Würfel würdig gehalten. Auf der anderen Seite hat das vielleicht seine Gründe, wieso in den letzten zwölf Monaten nicht so viel Umwerfendes auf dem Tisch war. Wenig Geld lässt auch den Mut schwinden.» Jean Etienne Aebi,
Brand Creative Director, Publicis
«Die Beurteilung war ‹gut› im Sinne von ‹strenger› als in früheren Jahren. Vom Resultat her kann man zufrieden sein. Wir hatten sicher keinen berauschenden Jahrgang zu bewerten. Aber das wusste man. Trotzdem hat es ein paar wirklich schöne und geglückte Arbeiten gegeben.» Martin Spillmann, CD Spillmann Felser Leo Burnett
Die KriterienAuch dieses Jahr wurde nach der Kriterienskala von Michael Conrad, dem ehemaligen weltweiten Kreativdirektor von Leo Burnett und Cannes-Präsidenten, juriert. Diese Kriterien werden von immer mehr Agenturen und auch Kunden weltweit zur Beurteilung von Werbung benutzt.
Stufe 1 bis 4 scheiden aus, was man vermeiden möchte: Klischees, keine konkurrenzfähige Aussage, destruktive Werbung.
Die Stufen 5 bis 7 beurteilen den Weg zum Ziel: eine innovative Strategie, eine frische Idee oder gar eine exzellente Ausführung.
Stufe 8 bis 10 wären das Ziel, nämlich einen neuen Standard zu setzen, damit sich die Marke von der Konkurrenz abheben kann.
Design: Ausgabe 26 mit dem Titel «Surface» des Magazins Soda.
Anzeige: «Lebensstationen» von Jung von Matt/Limmat für die SBB.
Aussenwerbung: «Schnelle medizinische Hilfe» von Publicis für Médecins sans Frontières.
Film: «Beck & Bondi» für Swisscom Fixnet von Contexta.
Verkaufsförderung: T-Shirt und Unterschriftenaktion mit Chris von Rohr für Greenpeace von Advico Young & Rubicam.
Anzeigen: «Ping Pong» der SBB von Jung von Matt/Limmat erhielt den Pressepreis, der zum ersten Mal dieses Jahr vergeben wurde.
Filmserie: «Kundenideen» für die Migros von Publicis.
Anzeige: «Etui» für McKinsey von der viel gekrönten Agentur Ruf Lanz.
Plakate: Candida Dental Tape der Migros von Advico Young & Rubicam.
Anzeige und Plakatserie: «Flache Schweiz» von Lowe für VW 4Motion.
Verkaufsförderung: Schneeautos für die Saisoneröffnung der Alpenarena von Spillmann Felser Leo Burnett.
Andreas Panzeri

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