Zu guter Letzt: Zeit abstottern

Die deutsche Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e.V. (BVSS) mahnt zu Geduld. Die Agentur hinter der starken Viralkampagne: Leo Burnett Schweiz.

Die BVSS vereint unter anderem 90 Selbsthilfegruppen von stotternden Menschen. Sie berät, vermittelt Therapeuten, betreibt Lobby-Arbeit. Und nicht minder wichtig: Sie informiert und klärt auf. «Diskriminierung und Fehleinschätzungen basieren häufig auf Unwissen», heisst es auf der Website. Im Flyer «Hinweise für das Gespräch mit Stotternden» steht zum Beispiel, dass man Ratschläge à la «Atme tief durch!» vermeiden, dafür natürlichen Blickkontakt aufnehmen soll. Und keine Sätze für den Gesprächspartner vollendenden, da dies demütigend wahrgenommen werde. Ein weiterer, zentraler Punkt: Geduld haben, dem Gegenüber Zeit lassen, auszusprechen und selbst die eigene Sprechgeschwindigkeit nach unten korrigieren.

Hier knüpft die Kampagne von Leo Burnett Schweiz an: Es gibt genug Situationen, in der wir getrost ungeduldig sein dürfen. Zum Beispiel, wenn Youtube-Videos gerade im ungünstigsten Moment ins Stocken geraten. Aber bitte keine Ungeduld, wenn unser Gesprächspartner eine Sprachbehinderung hat und für die Antwort folglich etwas länger benötigt. Die fünf vom geheimnisvollen User «LBS Lab» in Umlauf gebrachten Clips sind als normale Youtube-Videos getarnt und tragen verheissungsvolle Locktitel wie «Obama tells RACIST JOKE! OMG!!!» oder «TOPMODEL FAIL Compilation 2015 – Hilarious!!!». Jetzt muss die Viralkampagne nur noch viral gehen, aber das wird sie bestimmt. (hae)
 

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