Zu guter Letzt: Man schreibt Deutsch

Der europäische Osten ist, das weiss nun wirklich jeder, billig. Grund genug für die Süddeutsche Zeitung mit dem Gedanken zu spielen, die gesamte Online-Redaktion nach Prag zu verlagern.


Der europäische Osten ist, das weiss nun wirklich jeder, billig. Das trifft auf die Importware ebenso zu wie auf Arbeitskraft, auf Ferienreisen und – wie böse Zungen behaupten – auch auf die dortigen Frauen oder zumindest deren Blondierung. Nun hat auch das Verlagswesen diese Generalisierung entdeckt und im Zuge der Globalisierung auch gleich eine muntere Strategie für die Süddeutsche Zeitung ausgeheckt. Diejenige nämlich, gleich die gesamte Online-Redaktion nach Prag zu verlagern. Denn dort ist scheinbar auch die deutsche Sprache billiger.
 
Billiger, aber vielleicht doch nicht vertrauenswürdig. Denn im Osten setzt man bekanntlich auf Fakes. Und so wurde das Projekt im September abgeblasen, nachdem bereits zehn Journalisten rekrutiert und in München während einer Woche auf Herz und Nieren geprüft worden waren. Nun darf mit der SonntagsZeitung über die Gründe des Scheiterns der Auslagerungspläne gerätselt werden. Waren es Imagegründe? Genügte die Qualität der Bewerber nicht? Die Kosten können kaum das Killerargument gewesen sein, denn das Lohnniveau der Journalistenzunft in Prag ist nicht einmal halb so hoch wie das im drei Autostunden entfernten Deutschland. Machte man gar vor einem Tabubruch den Fallrückzieher? Vielleicht aber wollte das «führende Internetportal unter den überregionalen Zeitungen» einfach die Verantwortung dafür nicht übernehmen, dass bei der nächsten Duden-Revision der Deutschen Sprache das Wort «überregional» neu hätte überdacht werden müssen.

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