Zu guter Letzt: Dicke A-Post

Aufgefallen: Die Post kann gute Gründe nennen, wieso man Briefe per A-Post versenden sollte. Dabei geht es nicht um Lieferfristen oder Geld, sondern um Wertschätzung.

Der Post liegt das Wohl des Kunden bekanntlich sehr am Herzen. Zum Beispiel werden die (nicht wegrationalisierten) Poststellen stetig zu kleinen Supermärkten und Papeterien ausgebaut. Eine Freude, denn bis man alle Schokoriegel, Romane und Handys begutachtet hat, ist die Wartezeit meist bereits um.

Dass es der Post ernst ist mit der uneigennützigen Nächstenliebe, zeigt sich auch auf den Briefkästen. Dort gibt das Unternehmen tiefgründige Ratschläge: «Tipp: Verschicken Sie Ihre Sendungen als A-Post! Sie zeigen so, dass Ihnen der Empfänger wichtig ist, und sichern sich grössere Aufmerksamkeit». Das sind wirklich gute A-Post-Argumente: Eindrücklich demonstrierte Wertschätzung für nur 15 Rappen Aufpreis – ein fairer Deal für alle Beteiligten.

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Früher versuchte man den Kunden die lukrative A-Post aufzuzwingen, indem man an den Schaltern betonte, wie unkalkulierbar die Zustellungsdauer der lahmen B-Post sei. Kommt sie morgen nicht an, kommt sie vielleicht übermorgen – sofern nicht gerade Samstag ist. Ohne Hast und Gewähr. Und bloss danach nicht beschweren kommen, falls es Probleme gibt. Message: B-Post landet in einer Kiste mit der Aufschrift «Keine Eile – geiziger Kunde – bei Gelegenheit drum kümmern». Die Nachfolgerin der früheren Einheitsbriefmarke ist die A-Post. 15 Rappen reichen für einen echten Klassenunterschied schlichtweg nicht mehr aus und lässt die B-Post zur Alibiübung verkommen.

Zum Glück sind solche Zeiten vorbei. Neuerdings steht der Mensch im Zentrum. Schokoriegel, Elektronik und Ratschläge fürs Leben. Die neue Nächstenliebe kann aber noch süssere Früchte tragen. Beispielsweise bietet die Post den verblüffenden und innovativen Service «Swiss Post Box» an. Der digitale Briefkasten erlaubt, via Mobile Device die Briefpost anzuschauen. Bei Bedarf öffnet die Post wichtige Briefe und scannt sie ein. Oder leitet sie an eine bestimmte Adresse weiter. Unnötiger Balast kann vor Ort dem Papierkorb übergeben werden (zum Beispiel Umschläge, die mit 85 Rappen frankiert sind und somit die pure Verachtung signalisieren).

Thomas Häusermann

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Screenshot Post.ch

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