Zu guter Letzt: Brockhaus’ physischer Tod und digitale Auferstehung
Der deutsche Brockhaus, seit 1805 Quelle gesicherten Wissens und Vorlage für unzählige weitere Enzyklopädien, stellt die Herausgabe seines Standardwerks in Buchform ein. Allerdings lebt der Brockhaus online weiter. Finanzieren wird sich die Online-Enzyklopädie durch Werbung.
Nach mehr als 200 Jahren und 21 Auflagen haben Internet und Wikipedia etwas geschafft, was weder napoleonische Verwüstungen, Einigungskriege, Weltwirtschaftskrise noch zwei Weltkriege geschafft haben: Der deutsche Brockhaus, Quelle gesicherten Wissens und Vorlage für unzählige weitere Enzyklopädien, stellt die Herausgabe seines Standardwerks in Buchform ein. Allerdings lebt der Brockhaus weiter: Am 15. April 2008 wird das Verlegerhaus Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG die Enzyklopädie als kostenloses Online-Lexikon weiterführen. Umgestellt wird dabei nicht nur die Herausgabe von primär physisch auf primär digital sondern auch das Geschäftsmodell von käuferfinanziert auf werbefinanziert. Mit der historisch bedeutsamen Veränderung reagiert der Traditionsverlag auf die Geschäftsentwicklung bei den gedruckten klassischen Lexika, wie es im Communiqué heisst. 2007 wurden die Umsatzziele insbesondere im Bereich der allgemeinen Lexika verfehlt, und dies nur zwei Jahre, nachdem der Verlag seine 30-bändige 21. Auflage veröffentlicht hat. Zudem hätten die Marktanalysen gezeigt, dass die Kunden künftig Sachinformationen in erster Linie online nachschlagen würden. Bereits 2007 wurde die Brockhaus-Redaktion in Leipzig deshalb in eine reine Online-Redaktion umgewandelt. Chefredaktorin von Brockhaus Online ist die Journalistin Sigrun Albert.
Dass die Zukunft für die teure Buch-Enzyklopädie nichts Gutes verhiess, war spätestens nach dem direkten Vergleich von Wikipedia und Brockhaus durch das Nachrichtenmagazin Stern im letzten Jahr offensichtlich geworden. Wikipedia schnitt qualitativ besser ab – wer zahlt da noch für den Brockhaus? Beim Schritt zum Onlineportal grenzt sich Brockhaus denn auch von den vom Publikum verfassten Lexika ab. «Der immer unübersichtlicher werdenden Flut von Informationen aus dem Internet stellen wir mit dem Brockhaus Online jetzt ein Wissensportal entgegen, das für Relevanz, Richtigkeit und Sicherheit steht», heisst es im Communiqué. Der Brockhaus wird also nicht nur als digitaler Geist seiner physischen Vorfahren weiterleben, weiterleben wird auch die Idee der präzisen Weltbeschreibung. Die Enzyklopädisten werden’s ihm danken.
