Zu guter Letzt: «Bilder sagen mehr als tausend Worte»
Das Schweizer Fernsehen hat ein Team des Nachrichtenmagazins 10vor10 nach Nordkorea geschickt, um die Situation vor Ort transparent zu schildern. Doch den Kontrollen des repressiven Regimes sind die Schweizer Journalisten ebenso wenig gewachsen, wie deren Filmteam.
Die 10vor10-Moderatorin Patrizia Laeri legt gar vor einer riesigen Statue von Kim Jong Il Blumen nieder. Ein schlechter Handel: Die Reporterin muss sich vor der Staue des Diktators verbeugen, und als Gegenleistung dafür dürfen ein paar nichtssagende Bilder mit nach Hause genommen werden, die allesamt von den Aufpassern eines stalinistischen Regimes geprüft wurden. Dem Fernsehteam folgten bis zu 14 Aufpasser, wie die Reportage erläutert. Erhellend sind die Bilder dann auch sonst nicht, eher verharmlosend. Denn in den fünf Berichten wird zwar immer wieder darauf hingewiesen, dass das Volk hungert, dass ein unerbittliches stalinistisches Regime an der Macht ist. Doch die kritischen Worte sind unterlegt mit Bildern von breiten Autobahnen, Bilder einer Grossstadt mit modernen Hochhäusern, einem Luxushotel, Arbeiterinnen in farbenfrohen Trachten, tanzenden Menschen.
Die Frage, ob das Schweizer Fernsehen in der Lage war, die Situation angemessen zu schildern, muss leider mit Nein beantwortet werden. Oder wie die NZZ am Dienstag den Bericht kommentiert: «10 vor 10 hat sich übertölpeln lassen.» Was auch stimmt. Es gibt beinahe kein beschämenderes Bild, als das eines Fernsehteams, das freiwillig einem Diktator huldigt, für ein paar bizarre Bilder, die in keinster Weise mit den Kommentaren übereinstimmen und dann auch noch behauptet, eine erhellende Reportage veröffentlicht zu haben. Dies zumindest die Meinung von Moderator Stephan Klapproth. Für die Reportage habe man monatelang mit der Regierung verhandeln müssen, erfährt das Publikum. Es sei nicht leicht, die Realität in Nordkorea zu beleuchten, da die Aufpasser dauernd präsent seien.
Man kann mit der NZZ nur übereinstimmen: Das Schweizer Fernsehen hat sich übertölpeln lassen und dabei nicht nur mal kurz die Statue eines Diktators besucht und mit Blumen geschmückt, sondern auch Bilder publiziert, die nicht der Transparenz dienen, sondern einem repressiven Regime gerade noch so in den Kram passen. Was einen derartigen Artikel über die Bemühungen eines Fernsehteams nach Transparenz rechtfertigt? Weil Bilder mehr sagen, als tausend Worte.
