Studie: So wirkt sich der Aufstieg von KI auf die Medienlandschaft aus
Die aktuelle Studie des Think Tanks W.I.R.E. analysiert die Auswirkungen der nächsten Phase der Digitalisierung mit dem Aufstieg generativer künstlicher Intelligenz und dem ChatGPT-Hype als «6 Gewalt», dem Versprechen immersiver Geschäftsmodelle und der Sensibilisierung auf Daten.

Nach der ersten Disruption der Medienbranche seit der Jahrtausendwende zeichnen sich neue, weitreichende Konsequenzen ab: Der Strukturwandel beschleunigt sich. Der traditionelle Journalismus gerät stärker unter Druck. Was das heisst, hat eine aktuelle Studie des Think Tanks W.I.R.E nun untersucht.
Die Ergebnisse der Analyse zeigen: Das Internet wird in der nahen Zukunft mit künstlich generierten Texten und Bildern geflutet, die Dominanz von Technologie-Plattformen soll weiter zunehmen. Die automatische Erstellung von Inhalten bringe mehr Effizienz, führe aber auch zu einer Polarisierung der Medienlandschaft, in der qualitätsgeprüfte Inhalte kostenpflichtig werden.
Vertrauensverlust in digitale Kanäle
Darüber soll sich laut Studie ein grundlegender Vertrauensverlust in digitale Kanäle abzeichnen, auch weil die Kanäle der Informationsvermittlung in der Folge durch internationale Konzerne gesteuert werden.
Medienunternehmen und Werbetreibende stünden vor der Herausforderungen, die Schnittstelle zu Kunden und ihre Unabhängigkeit zu bewahren. Zentral dabei sei das Klären der rechtlichen Grundlagen der Verwertung von Inhalten durch künstliche Intelligenz, gekoppelt an eine faire Vergütung, vor allem aber die Abgrenzung gegenüber den zunehmend homogenen Inhalten der digital generierten Angebote.
Die Studie präsentiert fünf Handlungsfelder für private und öffentliche Akteure der Medienwelt:
1. Differentiate or die – Um Vertrauen und Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen, müssen Medien in journalistische Arbeit und gründliche Recherche investieren, um einzigartige Inhalte zu schaffen, die sich von KI-generiertem Content unterscheiden. Statt auf Schlagzeilen zur Optimierung von Klick-Zahlen zu setzen, wird das Vermitteln von Zusammenhängen wichtiger.
2. Truly social media – Aufgrund ihrer Dominanz als Gatekeeper wächst die Anforderung an Big-Tech-Unternehmen, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden.
3. Make advertising great again – Zukünftig müssen Werbetreibende glaubwürdige Dialoge mit Kunden führen und Mut zur Differenzierung haben, anstatt lediglich Produkte aggressiv zu vermarkten.
4. Strengthen digital sovereignity – Die Governance künstlicher Intelligenz in privaten und öffentlich-rechtlichen Medien sollte eigenständig entwickelt werden und nicht auf einen langwierigen regulatorischen EU-Rahmen warten.
5. Skill em up – Im Umfeld von immer mehr künstlich generierten Inhalten gilt es für Unternehmen, Service Public und Marken, die Medienkompetenz aller Bevölkerungsgruppen zu stärken, Recherchekompetenz und kritisches Denken zu fördern.
Die Studie basiert auf einer Desk-Recherche, den Ergebnissen von 40 Gesprächen mit Führungskräften und Experten aus der Medienbranche in der DACH-Region und einer kritischen Einordung durch die Autoren. Zusätzlich flossen Erkenntnisse einer Online-Umfrage mit knapp 100 Teilnehmern zu aktuellen Trends wie beispielsweise das Metaversum und KI ein.
