Ein Werbeblocker als Retter der Online-Werbung?
ONLINE-WERBUNG Nervig, aufdringlich, unpassend – Online-Werbung hat bei den Usern einen schweren Stand. An der Digital-Konferenz re:publica präsentierte ausgerechnet der Werbeblocker Adblock Plus eine Lösung, von der Publisher, Werber und User profitieren sollen.

Viele User stehen der Online-Werbung sehr kritisch gegenüber und benutzen Ad-Blocker.Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Internetnutzer sind längst nicht mehr dazu bereit, aufdringliche Werbung im Netz zu akzeptieren. Über 144 Millionen Menschen weltweit benutzen einen Adblocker.Die Gründe dafür sind vielfältig. Vielen ist Online-Werbung schlicht zu aufdringlich. Durch Tracking-Methoden fühlen sich die User aber auch in ihrer Privatsphäre verletzt. Schliesslich vermindert die Online-Werbeflut mit immer mehr Videos auch die Leistung beim Surfen im Internet. Folgendes Video illustriert das Problem auf witzige Art und Weise:
https://www.youtube.com/watch?v=ew7R00-vZDM
Whitelist für akzeptable Online-WerbungAusgerechnet die deutsche Firma Eyeo Gmbh, deren erfolgreicher Werbeblocker Adblock Plus seit 2006 bereits mehr als 350 Millionen mal heruntergeladen wurde, bietet mit der „Initiative für akzeptable Werbung“ eine Lösung für Publisher und Nutzer. Die Idee: Nutzer können ausgewählte Websiten und Werbenetzwerke auf eine Whitelist setzen, die „Acceptable Ads“ anbieten. Die Kriterien für diese akzeptable Online-Werbung hat Adblock Plus in monatelanger Arbeit gemeinsam mit seiner Open Source Community erarbeitet. Die genauen Bedingungen lassen sich hier nachlesen.„76 Prozent der Adblock Plus User sind bereit, nicht störende Online-Werbung zu akzeptieren“, sagte Chairman Tim Schumacher im Rahmen der Digital-Konfernez re:publica in Berlin. „Die User sind also nicht generell gegen Online-Werbung und sehen auch ein, dass die Publisher Geld verdienen müssen. Aber die Werbung ist inzwischen so penetrant, dass viele aus „Notwehr“ sich für einen Ad-Blocker entscheiden.“Über 400 Publisher bereits dabeiBisher sind laut Schumacher über 400 Publisher auf der Whitelist. Adblock Plus erhält ungefähr 50 Bewerbungen pro Monat. Die meisten Anträge werden gratis bearbeitet, die grösseren Anbieter müssen jedoch für die Aufnahme auf die Liste bezahlen. Neben reichweitenstarken Seiten wie Reddit.com unterstützen auch Werbeagenturen wie Jung von Matt und der Art Directors Club die Initiative.Schutzgelderpressung des Werbeblockers?Das Angebot von Adblock Plus stösst allerdings insbesondere bei den Publishern auf heftige Kritik. So reichten beispielsweise die Zeit Online und Handelsblatt.com eine Klage ein, um die Entwicklung und den Vertrieb des Werbeblockers zu unterbinden. Das „Acceptable Ads“-Programm wurde dabei mit einer „Schutzgelderpressung“ verglichen. Die Klage wurde jedoch vom Landesgericht Hamburg vor Kurzen abgewiesen (mehr dazu hier).Jens Ihlenfeld, Geschäftsführer von SysEleven, wies in seinem Vortrag an der re:publica auf weitere Probleme hin. Einerseits finden die „Acceptable Ads“ viel weniger Beachtung bei dem User. Andererseits seien durch den Adblocker diejenigen Seiten besonders betroffen, die intern schon strenge Richtlinien bei der Online-Werbung befolgen.Mehr zu der Initiative von Adblock Plus gibt es hier.Mehr zu der Digital-Konferenz re:publica, die vom 5. Bis 7. Mai in Berlin stattfindet, gibt es hier.Autor: Simon Wolanin
