Zur Sache: Glaubwürdigkeit

Das Verhältnis Öffentlichkeitsarbeit versus Journalismus hat Ronnie Grob dazu bewogen, in der Medienwoche zehn Fragen zu formulieren und diese auch gleich selbst zu beantworten. Die Fragen und die zum Teil provokativen Antworten haben dann auch gleich zu etlichen Tweets und einer gepfefferten Gegenmeinung eines der gescholtenen Öffentlichkeitsarbeiter geführt.

In der letzten Werbewoche hat sich unsere Redaktorin Isabel Imper mit einem ähnlichen Thema befasst. Bei ihr ging es um PR-Interviews. Wir liessen PR-Leute, Journalisten und Forscher zu Worte kommen. In einem Kommentar zu diesem Artikel schrieb ich: «Der wachsende Einfluss der Public Relations auf die Themensetzung und die Berichterstattung der Medien ist ein Problem für deren Glaubwürdigkeit. Der Schritt zur PR-Postille oder zum öden Verlautbarungsmedium ist oft kleiner, als man denkt.» Dass diese Aussage nicht einfach aus der Luft gegriffen ist, zeigt die im Artikel erwähnte Untersuchung, die die Publicom 2007 durchführte und in der festgestellt wurde, dass gut die Hälfte der von den Behörden zur Verfügung gestellten Texte von den Redaktionen unverändert übernommen wurde.

Das Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft (Fög) kam 2011 zu einem ähnlichen Schluss (Jahrbuch Qualität der Medien). Bei der Untersuchung des Einflusses von Public Relations in der Unternehmensberichterstattung stellte das Fög fest: «Nicht weniger als 56 Prozent der Unternehmensberichterstattung sind dadurch gekennzeichnet, dass sie die Deutungsperspektive von Unternehmens-PR unkritisch übernehmen.» Medien würden so zu einem Werbekanal für Unternehmenskommunikation.

Diese Ergebnisse geben zu denken, umso mehr, als sich die Situation in den letzten Jahren sicher nicht zum Besseren verändert hat. Die Gründe dafür sind bekannt. Der Druck auf die Redaktionen steigt: Immer weniger Leute müssen in immer kürzerer Zeit über immer mehr Themen Bescheid wissen, und die Dossierkenntnis ist – wenn überhaupt – nur noch in Teilen vorhanden. So steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Verlautbarungen von Behörden und Unternehmen unverändert übernommen werden. Es geht hier nicht darum, den Schwarzen Peter zu verteilen.

Es geht darum, dass beide Seiten – Journalisten und Kommunikationsverantwortliche – ein vitales Interesse haben müssten, die Glaubwürdigkeit der Presse zu bewahren. Denn ohne Glaubwürdigkeit des Presse-Titels nützt der schönste PR-Text nichts.

Pierre C. Meier, Chefredaktor [email protected]
 

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