Radios fordern RTVG-Verbesserungen

Medienpolitik Der Verband Schweizer Privatradios (VSP) hat an den Hearings der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen des Nationalrates verschiedene Nachbesserungen im Entwurf

Medienpolitik Der Verband Schweizer Privatradios (VSP) hat an den Hearings der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen des Nationalrates verschiedene Nachbesserungen im Entwurffür ein neues Radio- und Fernsehgesetz (RTVG) verlangt. Unter anderem sollen entweder ein Werbe- und Sponsoringverbot für die Radioprogramme der SRG im Gesetz verankert oder die dritten Programme (DRS 3, Couleur 3, Rete 3) privatisiert werden. Der Anteil der Privatradios an UKW-Frequenzen muss laut VSP von heute 25 auf 40 Prozent erhöht werden. Eine Erhöhung fordert er auch beim Gebührensplitting, von heute 7,5 auf 16 Millionen Franken.

SG: Gegen Werbeverbot für Alkohol und Tabak

Werbung Die St.Galler Regierung lehnt ein kantonales Werbeverbot für Alkohol und Tabakwaren ab. Sie will auf drei entsprechende Motionen im Grossen Rat nicht eintreten.

Werbung Die St.Galler Regierung lehnt ein kantonales Werbeverbot für Alkohol und Tabakwaren ab. Sie will auf drei entsprechende Motionen im Grossen Rat nicht eintreten.Wirksam sei nur eine gesamtschweizerische Lösung. Die Regierung teilt die Sorge über den steigenden Alkohol- und Tabakkonsum von Jugendlichen und ist sich der gesundheitlichen Risiken bewusst, wie es in einer Stellungnahme vom Mittwoch heisst. Die Regierung verweist auf parlamentarische Vorstösse auf Bundesebene mit der gleichen Stossrichtung.

Nike wird wieder in Cannes gefeiert

Cannes Am 50. Internationalen Werbefestival in Cannes diesen Juni wird Philip H. Knight zum Advertiser of the Year ernannt.

Cannes Am 50. Internationalen Werbefestival in Cannes diesen Juni wird Philip H. Knight zum Advertiser of the Year ernannt.Knight ist Mitgründer, Chairman und CEO des Sportartikelherstellers Nike. Er erhält die Auszeichnung nach 1994 bereits zum zweiten Mal. Damit soll nicht nur die Qualität der Werbung von Nike geehrt werden, sondern auch ihr bedeutender Einfluss auf die Kreativität und den Lebensstil der vergangenen Dekade. Keine andere Firma hat in den letzten fünf Jahren mehr Cannes-Löwen gewonnen als Nike.

Das verschwiegene Trinken der Lämmer

Alkoholprävention Eine neue Plakatkampagne von cRDDB Basel nimmt die Auswirkungen von risikoreichem Trinkverhalten unter die Lupe.

Alkoholprävention Eine neue Plakatkampagne von cRDDB Basel nimmt die Auswirkungen von risikoreichem Trinkverhalten unter die Lupe.«Risikoreiches Trinkverhalten» heisst die fachliche Definition für die paar «Cüplis» unter Freundinnen in der Disco oder das lautstarke Zuprosten unter echten Männern am Stammtisch. «Schau zu dir und nicht zu tief ins Glas» hat cRDDB Basel zur neuen Plakatkampagne des Bundesamtes für Gesundheit getextet. Die neue Kampagne läuft unter dem Motto «Alles im Griff» und will aufzeigen, wie der Mensch bei geselligem Beisammensein in Versuchung kommen kann, einen zu viel hinter die Binde zu kippen. Das mittlerweile bekannte und von cRDDB entwickelte Kampagnenglas soll der Kampagne die visuelle Kontinuität garantieren. Die Werbeagentur cRDDB betreut die 1999 gestartete Alkoholprävention des Bundesamtes für Gesundheit nun bereits zum fünften Mal.Die neuen Plakate fallen auf durch eine nüchterne Beschränkung auf einen Lupeneffekt. Die mit allgemeinem Trinkverhalten assoziierten Wörter wie «Ausgang», «lustvoll» oder «weekend» sind so hinter ein Glas mit Alkohol gesetzt, dass negativ besetzte Silben wie «end», «voll» oder «ko» dank der vergrössernden Wirkung des Glases als Blickfang erscheinen.
Diese Botschaften sollen gemäss Auftrag der Präventionskampagne gegen die Lust am Rausch wirken. Es wird «unter die Lupe genommen», wie anfänglich normale Situationen ins Negative kippen können, wenn die Alkoholkonsumierenden zu sich selber keine Sorge tragen. Die auch von der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme mitgetragene Kampagne will deshalb nicht grundsätzlich gegen Alkohol auftreten, sondern die Botschaft «Trinken mit Mass» propagieren, wie Hans Tanner, CD bei cRDDB erklärt.
Die Plakate richten sich entsprechend auch an eine weit gefasste Zielgruppe. «Wir wollen junge Alcopoppers in der Disco ebenso ansprechen wie ältere Biertrinker am Stammtisch», meint Tanner. Im Glaubenskrieg um Schockbilder in der Präventionswerbung hat der Konzepter für diese Kampagne bewusst nicht mit abschreckenden Sujets gearbeitet. «Suchtverhalten hat etwas mit mentaler Einwilligung zu tun», ist Tanner überzeugt. Seine Ideen sollen deshalb anregen, sich rund um das Thema Alkohol eine eigene Meinung zu bilden.
Die Plakate werden gesamtschweizerisch eingesetzt. Damit die Wortspiele funktionieren, hat die Agentur extra auch Texter italienischer und französischer Muttersprache an den Sujets arbeiten lassen. Neben allgemein argumentierenden Plakaten sind zusätzlich verschiedene Spezialplakate gestaltet worden, die gezielt an exponierten Stellen zum Einsatz kommen. Ein Plakat mit dem vergrösserten «weg» beim Wort «wegtreten» wird auf Kasernenplätzen aufgehängt. Ein Plakat mit dem dicken «aus» beim Wort «Führerausweis» findet sich in Parkhäusern. «No» beim «Snowboarden» soll in den Skigebieten zum gemässigten Trinken anhalten.
Gegen lammfrommes BechernAnders als die öffentlichen Plakate ist der neue Kinospot der Kampagne 2003 «mediengerecht», wie Tanner meint, besonders auf das junge Publikum im Kino zugeschnitten. Der Film «Herdentrieb», der ab dem 13. Februar in über 450 Kinos in der ganzen Schweiz zu sehen sein wird, vergleicht mit drei simplen Symbolszenen in der Gruppe trinkende junge Frauen in einer Lounge sowie Männer in einer Gartenbeiz mit Schafen in einer Herde. So wie die Schafe in der Herde keinen eigenen Willen haben und damit kein individuelles Verhalten zeigen, wird auch in der menschlichen Runde oftmals fremdbestimmt wie in einem Rudel getrunken. Der Spot will mit diesem tierischen Vergleich auf humorvolle Weise anregen, selbstständig zu entscheiden statt gedankenlos einem «Leithammel» zu folgen und dem Gruppendruck nachzugeben.
Unterstützt wird die Kampagne durch die Website www.alles-im-griff.ch. Der Infoteil stellt Fachleuten, Betroffenen und Hilfesuchenden ausführliche Informationen und weiterführende Links zur Verfügung. In «The Club» findet ein jugendliches Publikum spielerisch weitere interaktive Angebote, Links und Präventionsbotschaften. Das im März 2002 lancierte elektronische Spiel «Spacebar» hat bereits «die magische Zahl» von 140000 Downloads erreicht.
Lammfrommes Mitzechen soll bei Jugendlichen verpönt werden.
Andreas Panzeri

Werbe-Voodoo für die grösste Galerie der Schweiz

Film Euro RSCG schafft mit der Werbung für Alberto Venzagos Film «Mounted by the Gods» die grösste Fotogalerie der Schweiz und lässt die ungewöhnliche «Teaser»-Kampagne im Magazin Facts auflösen.

Film Euro RSCG schafft mit der Werbung für Alberto Venzagos Film «Mounted by the Gods» die grösste Fotogalerie der Schweiz und lässt die ungewöhnliche «Teaser»-Kampagne im Magazin Facts auflösen.An dieser Geschichte ist alles aussergewöhnlich – die Idee zur Kampagne, deren Umsetzung und die Kooperation mit dem Nachrichtenmagazin Facts. Und noch viel ungewöhnlicher ist die Entstehungsgeschichte des Produkts selbst, das beworben wird. Mit 50 mystischen Fotografien, die ohne Text und Logo an ganz ge-nau bestimmten Plakatstellen der Allgemeinen Plakatgesellschaft (APG) hängen, will Euro RSCG Neugier für Alberto Venzagos Erstlingsfilm «Mounted by the Gods» wecken. Die Kampagne ist konzipiert als Fotoausstellung – auf den APG-Werbeflächen. Keine Adresse, keine Absicht und schon gar kein erklärender Text ist auf den Bildern zu finden. Und es wird an den Stellen auch keine Auflösung nachgeschoben, wie dies bei einer normalen Teaser-Kampagne üblich ist – des Rätsels Lösung wird es nur im Magazin Facts geben.
«Ich bin total happy über das Ganze», verrät Venzago. Für die Idee habe er sich von der Kampagne mit Angie Becker inspirieren lassen. Über verschiedene Leute ist dann Christian Kauter von der APG kontaktiert worden, gleichzeitig hat sich Frank Bodin der Sache angenommen. Dieser hat den Vorschlag dem Nachrichtenmagazin Facts unterbreitet, und Chefredaktor Hannes Britschgi hat die Idee gefallen. Nun macht Facts einen «Kunstführer» zur Ausstellung. Die «Ausstellung» selber findet gleichzeitig in Bern, Basel und Zürich statt und gilt damit flächenmässig als die «grösste Ausstellung der Schweiz».
Mahounons ErzählungenIm Jahr 1988 reiste der Fotojournalist und inzwischen bekannte Werbefilmer Alberto Venzago auf einer Vespa quer durch das westafrikanische Land Benin. Als sein Gefährt in der Stadt Quidah vor einem Voodoo-Kloster stehen bleibt, bietet ihm ein Mann namens Mahounon Hilfe an. Der Schwarze ist einer der mächtigsten Voodoo-Priester Afrikas. Er offenbart Venzago ein Orakel und erzählt ihm Dinge aus seiner Vergangenheit, die der Priester absolut nicht wissen kann. Venzago ist fasziniert. Mahounon wird sein Freund.
Fast zehn Jahre lang führt dieser den Fotografen an die geheimnisvollsten Orte der afrikanischen Voodoo-Riten. Venzago darf geheime Voodoo-Zeremonien und Opferrituale filmen. Der Schweizer bekommt Zugang zu heiligen Orten. Dabei wird der Fotograf auch Zeuge einer aussergewöhnlichen Geschichte: Mahounons Suche nach seinem Nachfolger, dessen Ausbildung und Weihe zum Voodoo-Priester.
Aus diesen Bildern ist nach mehr als zwölf Jahren Arbeit Venzagos erster abendfüllender Film «Mounted by the Gods» entstanden. Präsentiert wird die bereits international auf grosses Interesse gestossene Produktion von der Traumwerk Filmproduktion in München. Wim Wenders zeichnet verantwortlich als Exe-
cutive Producer. Die erzählerische Struktur hat Venzago zusammen mit der Drehbuchautorin Kit Hopkins entwickelt, die für ihren Filmerfolg «Irren ist männlich» mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet worden ist.
In allen Phasen der Entstehung hat Venzago das Bildmaterial mit Mahounon in Afrika visioniert und besprochen. «Filmen heisst ja nicht exotische Bilder stehlen, sondern uns gegenseitig Bilder schenken.»
Von farbig zu schwarzweissDie weit über 100 Stunden Material hat Jean-Claude Piroué in fast einjähriger Arbeit zu einem jetzt 89 Minuten langen Kinofilm montiert. Das Videomaterial wurde im Laborunternehmen Das Werk digital bearbeitet und dann hochauflösend auf 35mm-Film ausbelichtet. «Mounted by the Gods» wurde in einer interessanten Mischform zum grossen Teil von farbig auf schwarz-weiss «entsättigt». Bei dieser «oft mutigen Montage hat mir die Erfahrung aus der Werbung sehr viel geholfen», meint der frisch gebackene Filmemacher. Sein Cutter Piroué kommt von der Kinoseite her und hat auch schon für Michael Verhoeven, Percy Adlon und Rosa von Praunheim gearbeitet.
Für die Musik wurden Chöre, Percussionisten und weitere insgesamt 40 Musiker in Benin aufgenommen. Diese Tonaufnahmen wurden als Samples neuen Kompositionen zu Grunde gelegt. Jochen Schmidt-Hambrock, der für seinen Soundtrack im Film «Jenseits der Stille» für einen Oscar nominiert wurde, hat seine Musik schliesslich mit dem Filmorchester Babelsberg in Berlin eingespielt. Auch Kruder und Dorfmeister haben an den Tönen mitgemixt. Peter Scherer in New York und Boris Blank von Yello steuerten weitere Musikbeiträge für den Soundtrack hinzu. Die Filmmusik ist in diesen Tagen auch als CD bei Universal erschienen. Neben dem Film wird auch ein grosses und «schweres» Fotobuch im Münchner Prestel Verlag auf den Markt kommen.
Keine öffentlichen GelderDer Film ist ohne Filmförderung entstanden. «Jeder Trip wurde aus meiner Tasche bezahlt, mit Geld, das ich mit Werbefilmen verdient hatte», erklärt Venzago. Die Produktionsfirma Traumwerk von Wim Wenders und Jürgen Biefang ist erst ab der Schnittphase eingestiegen – ebenfalls ohne Förderung oder Vorverkäufe. «Eine aussergewöhnliche Situation in Europa, einen solchen Film selbst zu finanzieren», meint Venzago. «Aber alle glaubten an dieses Projekt.»
«Wenn einer über zwölf Jahre an einer Sache arbeitet, dann strahlt in unserer kurzlebigen Zeit allein schon dieser Wille eine besondere Kraft aus», begründet auch Frank Bodin sein Engagement für diesen Film. Der Chief Executive Officer von Euro RSCG hat die Idee schliesslich durchgezogen, die Fotografien «aus dem heissen Afrika in den derzeit kalten Schweizer Städten Zürich, Bern und Basel auszustellen». Nicht in einem geheizten Raum, sondern unter freiem Himmel in aller Öffentlichkeit. Auch nicht klein, sondern in grossen Formaten auf Plakatstellen.
«Es ist eigentlich ein kleiner Film, aber wir machen eine Kampagne, wie für einen grossen Film», freut sich Venzago.
Das regulär gerechnete Budget für diese Werbung wäre «höher als das Gesamtbudget des Films», verrät Venzago. Möglich wurde die Aktion nur dank viel Goodwill von APG. Die zur Verfügung gestellten präzisen Standorte sowie die perfekte Organisation ermöglichten die Umsetzung der Idee, die grossformatigen Fotografien zu zeigen. Die Fosag, Beschriftungen, Siebdrucke und Aufziehservice, war in Fronarbeit verantwortlich für den aufwändigen Einzeldruck der 50 Plakatsujets.
Facts-Guide zu APG-Stellen
Das Nachrichtenmagazin Facts will schliesslich die Aktion mit einem «Voodoo-Ausstellungsführer» begleiten. Dem Heft vom 13. Februar ist das kleine Büchlein als Spezialdruck beigelegt, so wie bei Facts bis jetzt auch schon ein Katalog für die besten Restaurants, ein Bar-Guide oder ein Krimi-Führer erschienen ist. «Wir sind uns bewusst, dass eine solche Aktion nicht für das grosse Publikum bestimmt ist. Trotzdem hat uns die Möglichkeit interessiert, weil die Fotos in den drei Städten sicher zu vielen Fragen führen werden», meint Ralph Pöhner, Kulturchef in der Facts-Redaktion. Der Facts-Guide wird mit Plänen den Weg zu den genauen Standorten der Voodoo-Plakate weisen und erzählt auch Hintergründe zu Venzagos Arbeit.
«Normalerweise werden solche Dokumentarfilme für schmale Zielgruppen gedreht. Aber dieser Film erscheint mir speziell. Venzagos Voodoo-Film ist sehr spannend und verdient die Aufmerksamkeit einer grösseren Öffentlichkeit», ist auch Frank Bodin überzeugt.
Der Werber hat früher als Texter bei Aebi den ersten Spot mit
dem damaligen Werbefilm-Neuling Alberto Venzago gemacht. Seither sind die beiden freundschaftlich verbunden, und Bodin hat «das Schaffen und Leiden an diesem Film» immer wieder aus nächster Nähe mitbekommen.
Die Agentur Euro RSCG will ihren gesponserten Beitrag für die-ses Werbekonzept aber auch als «Kulturprozent» verstanden wissen. Frank Bodin meint zudem, dass die Kreation einer solchen Kampagne für den internen Geist in einer Agentur sehr beflügelnd sein kann. «Das bringt uns auf neue Ideen.»
Standbilder aus Alberto Venzagos Erstlingsfilm «Mounted by the Gods»: Euro RSCG lässt sie durch die Allgemeine Plakatgesellschaft an ausgewählten Stellen hängen.

Mystische Bilder: Motive aus Venzagos Voodoo-Film.
>> Die grösste Fotogalerie der SchweizMystische Bilder: Motive aus Venzagos Voodoo-Film.
Andreas Panzeri

Seltsame Verwandte

Hintergrund Glaubt man Kurt W. Zimmermann, so ist der «Clash of Cultures» zwischen Public Relations und Journalismus Schnee von gestern. Eine postideologische Analyse zweier Berufs- und Selbstbilder.

Hintergrund Glaubt man Kurt W. Zimmermann, so ist der «Clash of Cultures» zwischen Public Relations und Journalismus Schnee von gestern. Eine postideologische Analyse zweier Berufs- und Selbstbilder.Der Witz über den Unterschied zwischen Journalisten und PR-Leuten ist zwar in die Jahre gekommen, ich bringe ihn trotzdem nochmals. Der PR-Chef der Grossbank und der Journalist treffen vor dem Bankgebäude den CEO, mit dem ein Interviewtermin verabredet worden ist. In diesem Moment fällt auf der anderen Strassenseite ein wild gewordener Rottweiler über ein Kind her. Ohne zu zögern, stürzt sich der CEO auf den riesigen Hund, und nach ein paar blutigen Minuten liegt der Rottweiler tot am Boden. Das Kind überlebt.Der PR-Chef der Bank rennt in sein Büro und formuliert sein Communiqué: «Bankier riskiert sein Leben, um ein Kind zu retten». Der Journalist rennt desgleichen in sein Büro und formuliert seine Schlagzeile: «Bankenboss erwürgt Haustier!»
Es ist der unterschiedliche Blickpunkt, der die beiden Branchen im Klischee trennt: PR-Leute sind nur ihrem Auftraggeber verpflichtet, den sie in der Öffentlichkeit in ein möglichst gutes Licht zu rücken suchen. Journalisten indes sind keinem Auftraggeber, sondern nur der Öffentlichkeit verpflichtet, der sie die ungeschönte Wahrheit vermitteln.
Romantisierte ObjektivitätDas Lehrbuch würde es so formulieren: PR ist wirkungsorientiert, sie will durch Information eine bestimmte Meinung machen. Medienprodukte sind inhaltsorientiert, ihre Informationsleistung soll verschiedene Meinungen ermöglichen.
Mein heutiger Eindruck stellt diese Lehrmeinung in Frage. Meine These ist eine Art Konvergenztheorie. Ich glaube, die beiden Bereiche haben sich im Berufsalltag und im Berufsbild angenähert. Die PR-Branche ist im Anspruch journalistischer geworden, also mehr als zuvor an Objektivität und weniger an Interessenvertretung interessiert. Der Journalismus hat PR-Modelle integriert, er ist weniger als zuvor an Objektivität und mehr an Interessenvertretung interessiert.
Ich bin in Solothurn aufgewachsen. Dort gab es vor 40 Jahren drei Zeitungen, «Das Volk» (sozialdemokratisch), die «Solothurner Zeitung» (freisinnig) und die katholisch-konservativen «Solothurner Nachrichten». Alle drei betrachteten die Welt aus rein parteipolitischer Optik, alle drei waren hemmungslos tendenziös, alle drei Redaktionen betrieben lustvolle Desinformation.
In der Rückblicksromantik nennen wir das Meinungsvielfalt. Ich glaube eher, vor 40 Jahren machte es einfach keinen grossen Unterschied, ob man nun als PR-Mann oder als politischer Journalist arbeitete. Man war so oder so Interessenvertreter. Journalisten in Solothurn und anderswo waren eine Art PR-Leute der Parteien, rechts, links oder liberal.
Erst als sie anfingen, flächendeckende Monopole zu bilden, musste die politische Linie aus den Zeitungen verschwinden. Das Forumsmodell entstand. An die Stelle der Verantwortlichkeit gegenüber einer politischen Partei rückte ein neuer, etwas diffuser Auftrag: die Verantwortlichkeit gegenüber der Öffentlichkeit. Zielbegriffe waren nun Objektivität und Sachgerechtigkeit, folgerichtig verbreitete sich ab den Siebzigerjahren der so genannte Recherchierjournalismus.
Der Grossteil der PR-Branche aber arbeitete in dieser Phase noch im Stil der vormals üblichen direkten Interessenvertretung weiter. Sie folgte der Mentalität, mit der Rudolf Farner für eine Million Franken auch einen Kartoffelsack zum Bundesrat gemacht hätte. Nun klafften die zwei Branchen in der veröffentlichten Wahrnehmung plötzlich weit auseinander: hier die edle Wahrheitssuche und Unbestechlichkeit, dort die schnöde Manipulation und Käuflichkeit.
Rückfälle allenthalbenAls dritte Phase hat nun die Konvergenz der beiden Kommunikationsfelder eingesetzt. Die Informationsüberflutung beendet vor allem in der Presse das vormalige Modell des offenen Infoforums. Orientierung ist wieder gefragt; gefragt sind damit Haltung und Meinung und somit unvermeidlich auch Voreingenommenheit und Vorurteil. Der Anspruch, dem Bürger das Material zur eigenen Meinungsbildung zu liefern, scheint mir zunehmend passé. Meinung wird heute wieder von den Medien selber in ihren Markt gedrückt, und dies beileibe nicht nur in den Kommentarspalten. Eine zumindest PR-verwandte Strategie.
Eine Folge dieses Trends ist jene enorme Moralisierung der Medienlandschaft, die im CEO-Bashing von letztem Sommer ihren bisherigen Höhepunkt fand. Der Zürcher Soziologieprofessor Kurt Imhof hat diese Tendenz in seinem Text «Die Rache der Moral» brillant analysiert. Zitat: «Ein neues Gespenst geht um, es handelt sich um die ausserordentliche Durchwirkung der öffentlichen Kommunikation mit moralischen Urteilen.» Der frühere Recherchierjournalismus setzte dort ein, wo ein Vorurteil oder eine Meinung an der Faktenlage gemessen wurde. Der von Imhof beschriebene Journalismus endet dort, wo die Faktenlage das Vorurteil oder die Meinung gefährden könnte.
Zwei, drei Beispiele: Was Christoph Blocher auch tut oder sagt, der Blick greift ihn an. Gleich ergeht es nahezu der gesamten Wirtschaftselite. Sie haben immer Unrecht, über Jahre hinweg – was objektiv kaum möglich ist. Die sachorientierte Analyse wurde im Mottenschrank der Achtziger- und Neunzigerjahre verstaut und durch Voreingenommenheit oder – weniger despektierlich – Haltung ersetzt. Wobei anzuerkennen ist, dass es sich dabei immerhin um offen deklarierte Voreingenommenheit handelt. Polit- und Wirtschaftsjournalisten beim Blick sind in diesem Sinne mit PR-Journalisten verschwägert.
Man könnte auch den Tages-Anzeiger nennen, der sich in den letzten Jahren wieder zur sozialdemokratischen Plattform entwickelt hat. Wenn Stadtpräsident Elmar Ledergerber ein objektiv reichlich dünnes Papier zur Asylfrage vorstellt oder Bundesrat Moritz Leuenberger ein objektiv ziemlich miserables Verhandlungsresultat zur Flughafenfrage vorlegt, ist ihnen Applaus dennoch sicher. Kritische Journalisten würden solche Geisteshaltung bei anderer Gelegenheit als PR-Syndrom geisseln.
Damit man mir nicht politische Einäugigkeit vorwirft: Auch die Weltwoche hat, an der Resonanz zu messen, in den Anfängen ihres Relaunchs ihre deregulatorische Antithese allzu gezielt forciert. Der Eindruck, sie sei zeitweise zu einer PR-Plattform für die Exponenten des helvetischen Neoliberalismus geworden, war sicher nicht ganz falsch.
Beispiel HartmeierKurzum: Der Journalismus bewegt sich derzeit in Richtung Subjektivismus; die PR-Branche hingegen tendiert zugleich in Richtung Objektivismus. Gute PR vermittelte schon immer faktendichte Information und mied plump Propagandistisches. Dieser Ansatz scheint nun immer branchentypischer zu werden. Im Berufskodex des PR-Verbandes steht mittlerweile prominent der Satz, dass «keine falschen oder irreführenden Informationen» verbreitet werden dürfen. Diese Formulierung könnte auch vom Presserat stammen.
Nach allem, was ich höre, hat sich ein grosser Teil der PR-Branche in jene Richtung bewegt. Wenn ich mit dem Management grösserer Unternehmen rede, sagt man mir etwa, dass die eigenen PR-Berater heute häufig die kritischeren und kompetenteren Fragen stellen als die Medien, die sich aus Mangel an Zeit, Personal oder Fachkenntnis mit komplexen Problemen sehr oft schwer tun.
Damit sich die Öffentlichkeitsarbeiter nun nicht vorschnell auf die Schulter klopfen, folgt gleich die Einschränkung. Die PR-Branche konnte gar nicht anders, als sich einen offeneren, kundenkritischeren Stil zuzulegen. All die Kommunikationsgaus – von Adtranz über Expo.02 und Holocaust-Gelder zu Swissair und Zürich – kratzten am Renommee dieser Berufsgattung und bescherten auch ihr ein Glaubwürdigkeitsproblem.
Die beschriebene Annäherung der beiden Branchen schlägt sich natürlich auch im Personalkarussell nieder. Journalisten, egal, wo sie politisch stehen, wechseln neuerdings gern in PR-Jobs. Bei einer Vielzahl grosser Unternehmen stehen oder standen in jüngster Vergangenheit ehemalige Journalisten in PR-Führungsfunktionen: Migros, Swiss, Novartis, SRG, Vontobel, Sulzer, Centerpulse, Hotelplan, ETH, nicht zu reden von den PR-Vorhöfen der Bundesverwaltung, in denen es von Ex-Kollegen nur so wimmelt.
Aber auch der umgekehrte Weg scheint mittlerweile akzeptiert. Vergessen wir nicht: Bevor der Ex-Journalist Peter Hartmeier Chefredaktor des Tages-Anzeiger wurde, war er als Kommunikationschef von Tamedia auch für deren Public Relations zuständig. Ein PR-Mann.
Kein Problem mehr in unserer Zeit. Noch vor zehn Jahren, da bin ich sicher, hätte die Tagi-Redaktion im vergleichbaren Fall umgehend zur Protestversammlung geladen.
> Kurt W. Zimmermann war unter anderem Chefredaktor der SonntagsZeitung und von Facts, danach bis Ende 2001 Mitglied der Geschäftsleitung bei Tamedia. Er ist heute Inhaber der Unternehmensberatung Consist Consulting AG. Bei diesem Text handelt es …

Faktor plus dreht Apotheken-Spot

Die Berner Kommunikationsagentur Faktor plus hat das Werbebudget von TopPharm gewonnen.

Die Berner Kommunikationsagentur Faktor plus hat das Werbebudget von TopPharm gewonnen.Der Verbund von unabhängigen Apotheken will seine Mitglieder beim definierten Zielpublikum als erste Anlaufstelle für Gesundheit verankern. Faktor plus habe sich mit einem innovativen TV-Spot-Konzept gegenüber drei namhaften Mitkonkurrenten durchgesetzt, heisst es in einer Mitteilung der Kleinagentur.

Zahl der Woche

300’000’000 US-Dollar

300’000’000 US-DollarCoca-Cola Keine Frage, dieser Etatgewinn wurde mit Champagner begossen: Die Agentur Berlin Cameron/Red Cell in New York hat den Zuschlag für Coca-Cola-Classic gewonnen. Das Budget beträgt knapp 300 Millionen US-Dollar. Nur noch mit stillem Wasser dürfte hingegen der bisherige Etathalter McCann-Erickson den Wechsel gespült haben. Zum Vergleich: In der Schweiz hat Coop als grösster Werbeauftraggeber im letzten Jahr 206 Millionen Franken oder immerhin rund die Hälfte von Coca-Cola-Classic für Werbung ausgegeben.

SRG legt Mängel des RTVG-Entwurfs dar

Medienpolitik Die SRG hat am Montag in einem Hearing vor der parlamentarischen Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen des Nationalrates unter anderem eine zu hohe Regelungsdichte im Gesetzesentwurf

Medienpolitik Die SRG hat am Montag in einem Hearing vor der parlamentarischen Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen des Nationalrates unter anderem eine zu hohe Regelungsdichte im Gesetzesentwurffür ein neues Radio- und Fernsehgesetz (RTVG) bemängelt. Weiter sprach sich die SRG gegen die quantitative Festlegung von Produktions- und Ausstrahlungsquoten im Gesetz aus. Auf unternehmerischer Ebene sehe der Entwurf eine Reihe von neuen Einschränkungen für die SRG vor, die ihre Entwicklungsfähigkeit gefährdeten.

Tele Südostschweiz goes Northwest

Lokal-TV Der Regionalsender Tele Südostschweiz ist ab 14. Mai auch im Kanton Glarus und im Linthgebiet zu sehen.

Lokal-TV Der Regionalsender Tele Südostschweiz ist ab 14. Mai auch im Kanton Glarus und im Linthgebiet zu sehen.Er wird vom Kabelnetzbetreiber LinthSignal verbreitet, der rund 12000 Haushalte versorgt. Aus den neuen Sendegebieten soll täglich berichtet werden.

Wieder mit Adlink vereint

Vermarktung Moneycab kehrt zu seiner ersten (Vermarktungs-)Liebe Adlink zurück.

Vermarktung Moneycab kehrt zu seiner ersten (Vermarktungs-)Liebe Adlink zurück.Moneycab und Swisscontent, die sich Ende Dezember via Management Buyout von Goldbach Media gelöst hatten, haben neue Verwaltungsräte (VR). Bei Moneycab (Finanzfachmarkt AG) amtet Georg Hess als VR-Präsident, Helmuth Fuchs ist VR-Mitglied. Beide halten je 50 Prozent der Aktien. Vielleicht werde der VR noch verstärkt, sagte Fuchs auf Anfrage. Als möglichen VR-Anwärter nannte Fuchs Markus Gisler, den Ex-Moneycab-Geschäftsführer und neuen Chefredaktor der Aargauer Zeitung. Das Aktienkapital von 9,9 Millionen Franken werde zudem per Kapitalschnitt auf die «vernünftige Grösse» von 500000 Franken reduziert.Eine Änderung ergibt sich auch bei der Vermarktung der Börsenplattform: Moneycab kehrt nach einem Jahr bei der Goldbach-Tochter Active Agent (AA) in die Arme von Adlink zurück, allerdings in modifizierter Form. Adlink werde zwar für die technische Abwick-lung die Leadagentur sein, für die Werbeakquisition wünscht Moneycab aber keine Exklusivität mehr, sondern suche auch die Zusammenarbeit mit AA, Publimedia Webadvertising und Internet Medien AG, sagt Bernt Maulaz, Marketingleiter bei Moneycab. Der Vertrag mit Adlink stehe bereits, mit andern Vermarktern verhandle man noch.
Adlink war Moneycabs Partnerin der ersten Stunde, ihr wurde aber der Laufpass gegeben, als das Finanzportal Ende 2001 unter das Goldbach-Dach kam. Die neue Moneycab-Crew erinnerte sich nun daran, dass Adlink seinerzeit für das Portal «sehr viel Aufwand betrieben hat», begründet Maulaz das Revival der alten Beziehung.
Revivals auch bei Swisscontent (SC): Hans Ueli Keller, bisher schon VR-Präsident des Inhalteanbieters und gleichzeitig VR-Delegierter bei Goldbach Media, behält die Doppelfunktion. Auch Andreas Z’Graggen, Chefredaktor der Berner Zeitung, bleibt im SC-VR. Neuer VR-Delegierter wird SC-Alleininhaber Fredy Hämmerli. Und Bendicht Luginbühl, erster SC-Geschäftsführer und seit kurzem Programmleiter von DRS 3 und Virus, sitzt ebenfalls im neuen VR.
(mk)

Media Research Group studiert Crossmedia

Die Media Research Group (MRG) hat erstmals den Schweizer Crossmedia-Markt untersucht.

Die Media Research Group (MRG) hat erstmals den Schweizer Crossmedia-Markt untersucht.Die Werbemarktstudie habe einen klaren Trend zur geschickten Verknüpfung von Medien gezeigt, heisst es in der Mitteilung. Daher hat MRG in einer neuen Studie über 100 Unternehmen und Institutionen aus den Top 500 der Schweizer Wirtschaft über ihre Crossmedia-Publishing-Strategien befragt. Die Auswertung richtet sich an Auftraggeber von Crossmedia-Leistungen, Medienproduktionsfirmen, Direktwerber, CP-Lösungsanbieter und Beratungsfirmen. Sie ist in digitaler sowie gedruckter Form erhältlich.
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