Below the line Direct Marketing wird für viele Firmen immer wichtiger. Damit die Post beim Kunden auch ankommt, muss das Produkt überzeugen und das Mailing ansprechend gestaltet sein.
Ja, da haben die Kritiker Recht: Es gibt sie noch, die schrecklichen Mailings. Wir sitzen nach wie vor oft fassungslos vor Werbebriefen der übelsten Sorte und fragen uns, wer wohl nach diesem «Genuss» die Antwortkarte zurücksendet. Aber es gibt da auch einen anderen Trend. Ein Trend zu direkter Markenkommunikation, die nicht nur zu unmittelbaren Erfolgen führt, sondern auch bei jenen ein nachhaltig positives Markenbild hinterlässt, die nicht sofort reagieren. Das Archiv im Kopf
«We believe that good advertising costs no more, in general terms, than ordinary advertising, yet over time it becomes priceless.» Das ist ein Zitat von Sir Frank Lowe, dem Gründer und Chairman von Lowe & Partners Worldwide, einem der grössten Agenturnetzwerke der Welt. Eine Aussage, die nicht nur auf klassische TV-Spots, Inserate und Plakate zutrifft. Sondern eben ganz besonders auch alle Formen des Direct Marketings einschliesst.
Gerade im «Business to Business»-Bereich ist bekannt, dass viele Leute gut gemachte Mailings archivieren, falls das darin Angebotene für sie irgendwann einmal Relevanz haben könnte. Konsumenten speichern sie halt im Kopf. Schlechte Mailings schaffen den Weg selten dort hinein. Kreativität im Direct Marketing sollte sich daher nicht bloss auf unmittelbaren Response ausrichten, sondern auch dem wichtigen Imagefaktor Rechnung tragen. Denn es gibt Menschen, die möglicherweise erst zwei Jahre nach dem Versand auf Mailings reagieren. Indem sie irgendwo in einem Laden kaufen, was damals angeboten wurde oder vielleicht ein anderes Produkt dieser Marke. Weil ihnen die optischen und textlichen Aussagen von gut gemachten Direct-Marketing-Aktivitäten positiv in Erinnerung geblieben sind. Nur erscheinen solche Kaufentscheidungen natürlich in keiner Mailing-Auswertung.
Jetzt rubbeln?Nicht jeder Spass kommt bei allen Menschen gleich gut an. Aber jeder hat gern Spass. Mal genügt ein einzelner Satz auf einem Kärtchen zum laminierten Hochglanzprospekt, und schon rennen Kunden in die Boutiquen. Manchmal hingegen müssen Bonusmarken, Verlosungen, Kleber, Lose, Gratiszugaben und dergleichen mehr in Kombination für die Aufwertung von anscheinend sonst unbeachteten Gütern hinhalten. Gerade im Bereich Direct Marketing bietet sich die Chance, für einen begrenzten Kreis von potenziellen Kunden ein Werbemittel mit gezielten Reizen zu
gestalten. Um ein Gespür für die Wirkung zu entwickeln, muss man sich aber zuerst intensiv mit dem Angebot und den Empfängern auseinander setzen. Denn auch below the line ist das Gute der Feind des Grossartigen. Man darf sich nicht zu schnell zufrieden geben.
Dass Kreativität im Direct Marketing immer mehr an Bedeutung gewinnt, zeigt sich auch daran, dass das renommierte Werbefestival in Cannes sich neuerdings nicht mehr zu schade ist, seine begehrten Löwen auch an gelungene Arbeiten aus dem Bereich Direct Marketing zu vergeben. Direktwerber dürfen jetzt also zusammen mit den grossen klassischen Werbern antreten. Sozusagen ein kleiner Aufstieg aus unserem Below-the-line-Dasein. Mit viel Ironie trat auf jeden Fall letztes Jahr Howard Draft, Chairman und CEO der weltweit tätigen Agenturgruppe Draft, in Cannes ans Rednerpult mit den Worten: «Barbarians at the Gates: Direct comes to Cannes.» Und er prophezeite Werbern weltweit eine rosige Zukunft für die kommerzielle Kommunikation, die Kreativität mit Effizienz vereint.
Dieses Jahr gab es für die Schweiz in Cannes nur einen einzigen der begehrten Lions. Und dieser wurde ausgerechnet im Bereich Direct erobert. Gewonnen hat ihn Euro RSCG, Zürich, mit dem «Messband – Abspecken lohnt sich» für das Zürcher Fitnessstudio Arena 225.
Die Gutscheine für ein Probetraining in diesem hochpreisigen Club wurden hier in Form eines Messbandes produziert. Raffinierterweise zeigt dieses ein paar Zentimeter zu viel an. Verteilt wurde dieses Werbemittel in einem zur Zielgruppe passenden Parkhaus und Restaurant. Eine kleine, feine Idee, die Grosses bewirkte. Und ein Beweis dafür, dass kreative Below-the-line-Massnahmen nebst allen anderen Vorteilen gar für eine bessere Linie sorgen können.
Man darf gespannt sein, was Direct Marketing in Zukunft noch alles aus dem Ärmel zaubern wird. Von der Vernetzung der Medien über interaktives Fernsehen zu Mobile Communications und sprechenden Plakaten warten noch einige Überraschungen auf uns.
Eine kleine Idee, die Grosses bewirkte: Von Euro RSCG gestaltete Mailingaktion fürs Fitnessstudio Arena 225 holte Gold in Cannes.
Erfolgreiches Direct MarketingAm Schluss jeder erfolgreichen Kommunikation steht das Resultat. Ein gutes Ergebnis entsteht, wenn folgende drei Punkte beachtet werden: Angebot, Consumer Insight und die grosse Idee.
• Angebot: Wenn Direct Marketing ein schlechtes Produkt verkaufen soll, endet das oft in traurigen Mailings, die der Branche grossen Schaden zufügen. Ein gutes Angebot hingegen kann enorme Kreativität bei allen Beteiligten freisetzen.
• Consumer Insight: Im Dialog mit dem Auftraggeber wird der Consumer Insight zu Tage gefördert. Dieser beruht auf dem Verständnis des jeweiligen Marktes und der entsprechenden Zielgruppe. Marktforschung und Data Profiling sind hilfreich. Wer es schafft, eine präzise Vorgabe für die Kreativteams zu formulieren, hat schon halb gewonnen.
• Grosse Idee: Glasklare Consumer Insights bilden den Nährboden für die Entwicklung der grossen Idee, die ganz besonders Direct Marketing so überaus spannend machen kann. Nur wer sich eine bahnbrechende kreative Umsetzung einfallen lässt, wird mit seiner Arbeit reüssieren.
Barometer dreht auf HochRund 60 Prozent der Schweizer Direktmarketingfirmen rechnen mit steigenden Umsätzen im zweiten Halbjahr, nur 7,8 Prozent mit
Einbussen. Das ergab das Dialogmarketingbarometer, das die
Branchenverbände Deutschlands, Österreichs und der Schweiz erstmals gemeinsam durchgeführt haben. 63 Mitglieder des Schweizer DM-
Verbands haben teilgenommen.
Im ersten Halbjahr haben nur 33 Prozent einen Zuwachs verzeichnet, womit sich der Markt schwächer entwickelte als in Deutschland (+37,8%) und Österreich (+48,4%). 22,2 Prozent der Firmen setzten weniger um. Die Zahl der Angestellten blieb bei 60,3 Prozent der Schweizer Firmen konstant, bei 19 stieg und bei 15,9 Prozent sank sie. Trotz der erfreulichen Aussichten wollen nur 15,9 Prozent der Firmen im zweiten Halbjahr mehr Personal anstellen. Die Auswertung des
Dialogmarketingbarometers kann von der Website des Deutschen
Direktmarketingverbands (www.ddv.de) geladen werden. (sm)
Christian Hansen ist Geschäftsführer von Lowe Direct, Zürich. Er ist Jurymitglied beim Schweizer Dialogmarketing-Preis und jurierte am
diesjährigen «Lions Direct» in Cannes.