Viel Noise dank neuer Interaktionen
Noise arbeitet in cross-funktionalen Teams, um das Maximum an Kreativität und Innovation zu erzeugen. Seit ein paar Monaten ist auch Patrik Giacobbo wieder dabei. Nach seinen Erfahrungen als Head of Creation bei Namics in Deutschland soll er ein zweites Mal bei Noise für mehr Lärm sorgen als neuer Managing Partner Digital.

In einer Zeit, wo die Grenzen zwischen klassischer Werbung und digitaler Kommunikation verwischen, droht Orientierungslosigkeit. Im Zeitalter von wachsenden Kommunikationskanälen und immer noch mehr neuen Geräten ist die Evaluation der strategisch richtigen Touchpoints und deren intelligente Vernetzung «von zentraler Bedeutung », ist auf der Website von Noise zu lesen. 13 Spezialisten wirken in dieser Agentur. Seit ein paar Monaten ist auch Patrik Giacobbo wieder mit an Bord. Der Pionier aus der Welt des Internets soll bei Noise die Kompetenzen im digitalen Bereich für die Zukunft weiter ausbauen. Als Sparring-Partner auf kreativer Seite kann er dabei auf die klassische Unterstützung von CD Andreas Mädler bauen.
Mit seinen drei Kernkompetenzen Beratung, Digital und Kreation verfügt Noise bereits heute über ein hohes technologisches Know-how. «Wir haben die Erfahrung, um spezielle Lösungen entwickeln zu können, die auf neue Herausforderungen und Anforderungen passend zugeschnitten sind», weiss Patrik Giacobbo. Innovative und kreative Mediennutzung zur Stärkung der Markenbeziehung ist bereits jetzt ein wichtiges Credo. «Das wird aber in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen», ist man bei Noise überzeugt. Konvergenz als Schlüssel zum Erfolg schafft dabei Messbarkeit, Effizienz, Effektivität, Mehrwert und Bindung. Um das zu erreichen, ist ein perfektes Zusammenspiel von Strategie, Kreativität und technologischem Wissen Voraussetzung. Eine Kombination, die sich in einer perfekten Spiegelung auch im beruflichen Werdegang des neuen Managing Partner Digital verfolgen lässt.

Die verrückte Zeit rund um den Hype
Angefangen hat Patrik Giacobbo als Fotograf. In den 80er-Jahren besuchte er die Fotoklasse an der Zürcher Kunstgewerbeschule, wie es damals noch hiess. Nach dem Diplom war er gut eingedeckt mit interessanten Jobs als Werbefotograf. Trotzdem wollte er beruflich etwas breiter fahren. In den 90er-Jahren fand er seinen Einstieg als Grafiker bei Wirz Interactive, einer der ersten Agenturen in der Schweiz, die es wagte, voll auf die Zukunft der digitalen Werbung zu setzen. «Das war eine spannende Zeit, weil im Bereich Internet noch alles völlig neu war. Wir lebten im grossen Hype noch vor der Blase. Wir haben nicht gewusst, was genau kommen wird. Aber wir waren sicher, dass das Online eine grosse Wichtigkeit bekommt», erinnert sich Giacobbo an diese Pionierjahre.
Das Netz und andere digitale Medien wie zum Beispiel die CD-ROM – ein Vorläufer der heutigen USB-Sticks – boten kreativen Raum für damals «verrückte» Premieren neuer Ideen. Die technischen Neuerungen waren aber auch eine Spielwiese für Autodidakten. «Es gab noch keine Ausbildung», blickt Giacobbo zurück. Auch von der heute gehypten «crossmedialen » Werbung hat damals noch niemand gesprochen. «Man hat noch nichts integriert angeschaut. Wir produzierten eine CD-ROM mit digital steuerbarem Content, daneben machten wir Below-the-Line-Aktionen und die Kollegen schalteten klassische Werbung. Das Integrieren der verschiedenen Kanäle ist viel später gekommen.» Auch heute noch, drei Jahre nach dem Aufkommen der QR-Codes, würden viele Agenturen und Auftraggeber die technischen Möglichkeiten noch lange nicht komplett ausschöpfen. «Es ist ja noch keine crossmediale Idee, wenn die klassischen Plakate auch in der Online-Werbung noch einmal gezeigt werden. Hier müssen neue Interaktionen zum Spielen kommen.»
Patrik Giacobbo erlebte diese Spezialisierung rund um den Beginn des neuen Millenniums. Mit der neuen Zeitrechnung ist auch aus Wirz Interactive die neue Firma Assai Dialog + Digital geworden und Giacobbo durfte Verantwortung als Art Director übernehmen. Zu den grössten Kunden zählten neben Saab auch Opel. Für den Auftraggeber aus Deutschland durfte Assai mit den Mitteln des Storytellings eine umfassende Online- Plattform für die Autobauer kreieren. Das Schielen nach Deutschland hat anschliessend bei Namics seine Fortsetzung gefunden. Der 1995 gegründete Spin-off aus dem Umfeld der Hochschule St. Gallen war eine reine Online-Agentur und konnte sich bald als führender Webdienstleister etablieren. Eine Zeitlang gehörte die Agentur zur PubliGroupe. Nach einem Management-Buyout 2012 ist Namics heute eines der grössten Netzwerke im Besitz beteiligter Partner mit inzwischen «über 400 digitalen Talenten». Schon von Beginn weg war die Idee, dass Namics genau wie das Internet seine Dienste grenzüberschreitend anbieten wollte. Neben dem Stammhaus in St. Gallen sowie Zürich kamen schon bald Filialen in Frankfurt, Hamburg und München dazu. Für diese suchte Nathalie Strobl, die damalige Head of Creation bei Namics Schweiz, einen Kollegen für die gleiche Position in Deutschland. Ein Angebot, das Patrik Giacobbo nicht abschlagen konnte, obwohl er seine noch junge Familie mit drei schulpflichtigen Söhnen nicht sofort in den Norden mitnehmen konnte. Gleichzeitig in Frankfurt, Hamburg und München hatte Giacobbo in der Folge ab 2005 einen Bürotisch stehen. An den Weekends ist er «nach Möglichkeit» zu seiner Familie nach Zürich gefahren, um dann den Montag am sinnvollsten wieder mit einem Flug nach Hamburg zu starten. Als Head of Creation hat Patrik Giacobbo in Deutschland insgesamt 60 Leute in seinem Team beschäftigt und alle drei Niederlassungen «nachhaltig stärken und aufbauen können». Zu den namhaften Kunden zählten BASF, die Deutsche Börse oder Hapag Lloyd. «In Deutschland ist alles zehnmal grösser. Das war für mich als Schweizer eine sehr wertvolle Erfahrung. Man muss sich in einem viel grösseren Wettbewerb behaupten können. Ich musste auch lernen, härter zu verhandeln», meint Giacobbo über seine Erfahrungen im grossen Kanton.
Als aber seine drei Söhne immer mehr zu Teenagern heranwuchsen, wollte der Vater seine Jungs nicht mehr nur an den Weekends vom Ausgang heimkommen sehen. So wechselte er 2009 wieder zurück in die Schweiz. Zuerst für ein paar Monate bei Namics Zürich. Dort war die Spezialisierung für den Kreativen inzwischen aber «ein bisschen zu technisch» geworden. Mehr Chancen für seine Entfaltung entdeckte Patrik Giacobbo schliesslich bei Noise.
«Hier konnte ich die integrierte Werbung erstmals richtig leben. Viele haben davon geredet. Bei Noise hat tatsächlich ein echter Dialog zwischen dem Gestalter und dem Techniker stattgefunden. Die Technik kann dem Kreativen neue Wege eröffnen, zum Beispiel im Bereich Gamification, wo wir Spiele für Werbung einsetzen. Ihre Bedienung eröffnet neue Dimensionen. Das wiederum ist Technik. Deshalb muss der Gestalter wissen, was machbar ist. Sonst kann er gar nicht auf Ideen kommen. Deshalb braucht es den engen Kontakt und das wird bei Noise sehr intensiv gepflegt. Alle sitzen von Beginn weg an einem Tisch.»
Trotzdem hat es für Patrik Giacobbo noch einmal eine kurze «Auszeit» bei Noise gegeben. Im Jahre 2012 hat er mit zwei Kollegen zusammen das Unternehmen «8°» gegründet. Die Vision war eine reine Digitalagentur im Bereich Kommunikation. Seine Partner haben sich aber immer stärker der Entwicklung von neuen Apps zugewandt. Giacobbo wollte mehr Projektarbeit machen. So hat man sich wieder «im Guten» getrennt und der Werber kehrte zu Noise zurück, wo er «wieder mit offenen Armen empfangen wurde». Und die Zukunft? «Wir wollen wachsen, aber gesund. Ich will Top-Leute um mich. Und je mehr Auftragsvolumen ich generieren kann, umso mehr kann ich auch gute Leute einstellen», ist Giacobbos Strategie. Dabei ist dem Teamplayer auch wichtig: «Mit meinen Leuten will ich einen Kontakt auf Augenhöhe. »
Andreas Panzeri

