«Härtere Werte»

Wemf Zeitschriften-Chef Alexander Theobald über die neue Beglaubigungspolitik von Tamedia.

Wemf Zeitschriften-Chef Alexander Theobald über die neue Beglaubigungspolitik von Tamedia.WW Wer und was hat bei Tamedia zu dieser Umstellung der Beglaubigungspolitik gedrängt?Alexander Theobald Das war ein Geschäftsleitungsentscheid. Wir sind nach wie vor der Meinung, dass die Auflage ein wichtiger Indikator für die Werbewirtschaft ist, noch wichtiger ist aber die Leserschaft.
Weshalb ausgerechnet jetzt?
Wir haben auch unsere Vertriebskanäle nach dem Kosten-Nutzen-Verhältnis analysiert. Dabei haben einige Kanäle ungünstig abgeschnitten. Das heisst, wir verzichten auf die Beglaubigung gewisser Kanäle, die gemäss Wemf zugelassen wären.
Das zeigt aber auch, dass in den Vorjahren viel zu viel Promo- und Schnupperexemplare in die Auflagen hineingepumpt wurden.
Gerade bei Zeitschriften ist der Anteil an Promo- oder Aktions-
Abos hoch. Hier kann man sparen.
Einbrüche von mehr als einem Viertel der Auflage bei Annabelle und über 22 Prozent bei Facts sind dem Image dieser Titel sicher nicht zuträglich.
Ich würde nicht von Einbrüchen reden. Wir weisen härtere Werte aus – dies kann die Werbewirtschaft nur begrüssen.
Tamedia bekundet damit auch Misstrauen gegenüber der Wemf-Praxis.
Nicht im Geringsten. Es gibt auch andere Verlage, die in die gleiche Richtung gehen. Ziel ist es, gleich attraktive Leserschaften zu generieren – aber mit geringeren Auflagen.
Werden im Herbst die Leserzahlen analog zur Auflage schrumpfen?
Aktuell sind unsere Leserschaften sogar leicht steigend – bei allen unseren Zeitschriften. Das wissen wir auf Grund von Zwischenauswertungen, die wir von der Wemf erhalten.
Dürfen wir bei dieser Umstellung auf eine «nachhaltige Auflage» nun für die nächsten Jahre mit stabileren Auflagen der Tamedia-Zeitschriften rechnen?
Wir wollen in Zukunft nur noch Zu- oder Abgänge ausweisen, die den Entwicklungen bei Fest-Abo und Kioskverkauf entsprechen.
Interview: Daniel Schifferle

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