«Turn Grey into Gold»

Enrico Bachmann will als neuer CD den Netzwerkableger Grey Zürich in die oberste kreative Spielklasse zurückführen.

Enrico Bachmann will als neuer CD den Netzwerkableger Grey Zürich in die oberste kreative Spielklasse zurückführen.
Am Anfang lernt man und hört zu. Dann macht man sich seine eigene Meinung, wird aber noch nicht immer gehört. Und irgend einmal kommt der Punkt, an dem man selber entscheiden will. An diesem Punkt hat Enrico Bachmann jetzt als neuer CD in der Geschäftsleitung von Grey Worldwide in Zürich angeheuert. Nach fünf Jahren als Freelancer kehrt er ins Angestelltendasein zurück. Früher hat ihm das Kommen und Gehen gefallen, «mit dem Anspruch, etwas gut zu erledigen, aber ohne sich um den Agenturkram kümmern zu müssen». Irgend einmal habe er aber gemerkt, dass seine Arbeit auch eine Perspektive haben sollte. «Ich wollte nicht mehr nur abliefern. Aber verändern kann man nur, wenn man etwas länger an einem Ort weilt.»
Da sich Enrico Bachmann als «ungeduldiger Mensch» bezeichnet, ist ihm das früher nicht immer leicht gefallen. Entsprechend abwechslungsreich liest sich sein Lebenslauf. Nach der Matur wollte sein Vater, dass der Sohn Medizin studiert. Enrico hats versucht. Nach zwei Jahren merkte er aber, dass es jenseits von Pipette und Pinzette vielleicht noch ein anderes Leben geben könnte. An der Basler Herbstmesse sah er mehr durch Zufall die Clio-Rolle. «Das ist cool», sagte er sich. Und weil er als AD oder Berater schon wieder eine Schulbank hätte drü- cken müssen, schlug er einen anderen Weg ein und wurde Texter. Mit Erfolg.
Nach nur neun Monaten als Praktikant bei Roger Mayer soll dieser zu ihm gesagt haben: «Du hast alles gelernt, was wir dir hier geben können.» So zog der Junior-Texter nach Norden und wechselte an die Kommunikations-Akademie in Haburg. «Dort lernt man zwar nicht, wie es geht. Aber man merkt, ob man die richtige Wahl getroffen hat. Bei sich selber und bei den andern.»
Zurück in der Schweiz geriet er in eine «sehr wichtige Schule», auf die legendäre Etage der Kreativen bei GGK Basel. «Geile Siechen» seien das gewesen, charakterisiert der neue Grey-CD seine ehemaligen Kollegen. Und das Schöne an der Geschichte: Enrico Bachmann war jetzt auch mit dabei. «Ende der Achtzigerjahre war GGK Basel top in der Schweiz.» Eine Folge davon: «Man hatte einen Status inne, so dass einem die Kunden nicht immer dreinreden wollten – es war viel Vertrauen da.»
Als die Basler GGK-Epoche zu Ende ging, zog es Bachmann wieder an die Waterkant. Diesmal zu Scholz & Friends. Der inzwischen preisgekrönte Texter sollte an einem grossen BMW-Budget mitwirken. Zeitgleich realisierte Springer & Jacoby kreative Werbung für Mercedes. Bachmann freute sich also auf einen Wettstreit unter den Besten. Weit gefehlt, wie er heute resümiert: «Die Agentur wollte nichts riskieren. Also hat man nichts verändert.» Sein weiterer Weg führte über GGK Zürich, Lintas Hamburg zu Weber Hodel Schmid, wo man damals mit dem Claim «Ich bin doch nicht blöd.» den deutschen Media-Markt-Etat gewann.
An seinem Engagement bei Grey lockt ihn, dass dieses Agenturnetzwerk sich weltweit im Umbruch befindet. Grey London hat zum Beispiel von bekannten Kreativagenturen wie Bartle Bogle Hegarty einen namhaften Chefstrategen sowie hoch dekorierte Texter und CDs abgeworben.
«Turn Grey into Gold», hat darum Bachmann zu seinem inneren Leitmotiv erhoben. Die Geschäfte liefen gut, aber man wolle sich verbessern. Und da könne der richtige Weg nur über die Kreativität führen. «Es gibt keine Kunden, die etwas gegen gute Ideen haben», hofft Bachmann wieder – wie damals in seinen jungen Jahren.
Eine gute Idee findet der passionierte Leser und Motorradfahrer Bachmann erst mal, dass Grey von Rüschlikon wieder nach Zürich an die Tödistrasse zieht: «Eine Werbeagentur gehört in die Stadt, dorthin, wo es passiert», ist er überzeugt.
Andreas Panzeri

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