Die Ersten schwächeln

Fernsehen Die ersten Programme der SRG verloren 2004 leicht Marktanteile – zu Gunsten der zweiten, teilweise aber auch der ausländischen Sender.

Fernsehen Die ersten Programme der SRG verloren 2004 leicht Marktanteile – zu Gunsten der zweiten, teilweise aber auch der ausländischen Sender.Die Zeit, die die Schweizer Bevölkerung vor dem Fernseher verbringt, hat im 2004 deutlich zugenommen – obwohl die Zahl der zur Verfügung stehenden Sender stagniert. Am längsten vor dem Fernseher sitzen weiterhin die Menschen im Tessin, die mit 178,1 Minuten täglich fast drei Stunden vor dem Bildschirm verbringen. Die Romands sehen immerhin 173,1 Minuten fern, und die Deutschschweizer bringen es noch auf 147,6 Minuten. Die Deutschschweizer Bevölkerung hat aber punkto TV-Nutzung im letzten Jahr am meisten zugelegt, sie sitzt über 6 Minuten länger als noch im 2003 vor dem Kasten, während die Tessiner nur 3,5 Minuten und die Romands 5 Minuten länger fernsehen. Damit ist der TV-Konsum seit 1997 kontinuierlich gewachsen – in der Deutschschweiz um ziemlich genau 20 Minuten, im Tessin sind es 22 und in der Westschweiz 30 Minuten mehr.Von der Zunahme im letzten Jahr haben allerdings die ersten Programme der SRG nicht profitieren können. Durchs Band haben sie sowohl bei der gesamten TV-Gemeinde als auch bei der Hauptzielgruppe 15- bis 49-Jährige an Akzeptanz eingebüsst. Diese wäre ohne Fussballeuropameisterschaft und Olympiade wohl noch tiefer ausgefallen. Mit einem Rückgang des Marktanteils von bloss 0,3 Prozent verlor TSI 1 zwar am wenigsten, doch bei den 15- bis 49-Jährigen betrug der Schwund ganze 2,3 Prozent. Umgekehrt verhielt sich der Rückgang bei SF 1: Bei der Zielgruppe 3+ verlor dieses Programm 1,2 Prozent und bloss
0,4 Prozent beim Segment 15/49. TSR1 schliesslich buchstabierte um 0,8 und 0,7 Prozent zurück.
Verluste auch bei RTL und Pro 7Allen Landesteilen gemeinsam ist ferner, dass der jeweilige zweite SRG-Kanal die Verluste des ersten teilweise oder ganz kompensieren konnte. So legte TSI 2 um 1,4 und 1,8 Prozent zu, der Marktanteil von SF 2 wuchs um 0,9 und 1,0 Prozent und jener von TSR 2 um jeweils 0,5 Prozent.
In der Deutschschweiz haben auch die stärksten SF-Konkurrenten RTL und Pro 7 in beiden Zielgruppen Marktanteile verloren, was dazu führt, dass SF 2 und RTL sich einen heftigen Kampf um Platz 2 liefern. Bei der Zielgruppe 3+ liegt SF 2 leicht vorne, bei der Zielgruppe 15/49 hingegen hat noch immer RTL mit 9,7 Prozent leicht die Nase vorn. Auf dem fünften Platz ist Schawinskis Sat 1, das in der Schweiz in beiden Zielgruppen einen halben Prozentpunkt zulegen konnte. Sonst gab es keine starken Bewegungen, auch die Schweizer Privatsender verharrten auf 3 Prozent (Vorjahr 2,9 Prozent).
In der Westschweiz wie auch im Tessin, wo der Markt weniger segmentiert ist, ist es weiterhin so, dass ausländische Sender in beiden Zielgruppen die SRG-Zweitsender deutlich auf die hinteren Ränge verweisen. In der Romandie ist TF 1 auf dem zweiten Platz, hat zwar leicht Marktanteile eingebüsst, kommt aber bei 3+ noch immer auf 16,5 Prozent und damit auf dreimal mehr Marktanteil als TSR 2. M6, F2 und F3 folgen, TSR 2 erscheint erst auf dem sechsten Rang.
Im Tessin heisst die Nummer 2 Canale 5, das bei den 15- bis 49-Jährigen noch 1,9 Prozent zulegen konnte und mittlerweile mit 15,7 Prozent einen mehr als doppelt so grossen Marktanteil hat wie TSI 2. Vor TSI 2 liegen auch RAI 1 und Italia 1. Das Schlusslicht bilden in beiden Landesteilen die Privat-TVs, die im Tessin aber bei 3+ immerhin einen Marktanteil von 1,2 Prozent erreichen, in der Westschweiz hingegen bei 0,3 Prozent dümpeln.
Privat-TV: Schwer messbare MarktanteileEin Grund für den tiefen Marktanteil der Schweizer Privat-TV ist deren Programmstruktur mit meist stündlichen Wiederholungen: Während die Quoten pro Sendeschlaufe kumuliert werden können, ist dies bei den Marktanteilen nicht möglich.
In der Westschweiz kommt dazu, dass zwar für die Gesamtheit der Privatsender ein Wert gemessen werden kann, für die meisten Einzelsender jedoch sind die Telecontrol-Fallzahlen wegen kleinräumiger Sendegebiete zu tief. So kommt TVRL bei der Zielgruppe 3+ auf 0,1 Prozent, Léman Bleu auf 0,0 Prozent, für den Rest haben die Werte wegen zu geringer Fallzahlen statistisch keine Aussagekraft. Aus diesem Grund lassen viele Westschweizer Sender ihre Marktdaten mittels Umfragen erheben.
In der Deutschschweiz können zwar die meisten Einzelsender von Telecontrol erhoben werden, die Marktanteile sind aber naturgemäss ebenfalls klein: TeleZüri erreicht 1,7, TeleBärn 0,4, TeleBasel 0,2, M1/TeleTell 0,5 und TeleTop sowie TeleOstschweiz je 0,1 Prozent. TeleTicino im Tessin kommt auf 0,2 Prozent. (mk)
Ringen um die Publikumsgunst: Der TV-Konsum nahm 2004 zu, wovon nicht alle Sender profitieren konnten.
Markus Knöpfli

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