Fortlaufender Leinwanderfolg

Kino Den laufenden Bildern laufen die Jungen davon. Multiplexe schaffen nur eine vorübergehende Wende.

Kino Den laufenden Bildern laufen die Jungen davon. Multiplexe schaffen nur eine vorübergehende Wende.
Obwohl letztes Jahr für das Medium Kino
kein Vorjahresvergleich möglich war (siehe Kasten), wagte die
Werbewoche dennoch die vorsichtige Trendaussage, dass die Zahl der
Kinogänger tendenziell abnehme, weil es weniger junge Leute gebe. Diese
schienen aber häufiger ins Kino zu gehen.

Der zweite Teil dieser Vermutung stellt sich nun auf Grund der neuen
Kinoreichweiten als falsch heraus – zumindest für die Erhebungsperiode
April 2004 bis März 2005: Die (noch) vorhandenen Jugendlichen kehren
dem Medium Kino tendenziell den Rücken. Schweizweit weisen die Kinos in
der Zielgruppe der 14- bis 34-jährigen eine um 26000 Personen geringere
Wochenreichweite aus (–9,4%). Das macht pro Jahr 1,3 Millionen weniger
junge Besucher in den Hollywood-Tempeln. Die deutlichste
Reichweiteneinbusse müssen die Kinos in der Romandie hinnehmen, ihr
Rückgang beträgt 17,6 Prozent. Das Tessin ist in dieser Zielgruppe
stabil, die Deutschschweiz verliert 6,8 Prozent. Keine grossen
Veränderungen gab es in Zürich und Basel, Bern konnte sich dagegen um
25 und Lugano sogar um 60 Prozent verbessern, in den übrigen
Grossagglomerationen kam es zu Verlusten zwischen 20 und 30 Prozent.
Das Resultat ist umso erstaunlicher, als in den meisten dieser Regionen
in den letzten Jahren Multiplexkinos eröffnet wurden – in St.Gallen
etwa, in Luzern oder in Genf und Lausanne. Ob das letztjährige
Filmangebot oder zu hohe Eintrittspreise zum Rückgang führten – derzeit
Gegenstand einer Untersuchung durch den Preisüberwacher –, wird wohl
erst die nächste Mach Basic zeigen.

Auffallend ist allerdings, dass das Medium Kino über alle Altersgruppen
hinweg nur wenig Reichweiteneinbussen hinnehmen muss. Die gesamte
Wochenreichweite ist zwar mit 452000 Besuchern um 12000 Personen
tiefer, die Veränderung bleibt aber im Vertrauensbereich. Einzig die
französische Schweiz verliert auch hier am deutlichsten (–9,8%).

Erstaunlicherweise vermögen die Basler Kinos trotz des neuen
Multiplexkinos an der schweizerisch-deutschen Grenze in Weil am Rhein
mehr Besucher anzulocken als im Vorjahr (+22,6 Prozent). Eine
gestiegene Nachfrage nach Kinoplätzen ist auch in Lugano (+44,4
Prozent) festzustellen.

Markus Knöpfli

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