«Abgrenzung ist Selbstfürsorge»
Prof. Oliver Hoffmann plädiert für differenziertere Gefühlsökonomie: weniger Pathos, mehr Klarheit. Denn Freiheit beginne nicht dort, wo wir alles fühlen, sondern dort, wo wir wählen können, was wir fühlen wollen. Grosse Worte. Wir wollten mehr wissen.

m&k Sie beschreiben Empathie in Ihrem Buch «Die Kunst der psychologischen Selbstführung» als «moralischen Imperativ» unserer Zeit. Würden Sie sagen, dass unsere Gesellschaft Empathie überbewertet – und wenn ja, warum?
Oliver Hoffmann: Ja, ich würde sagen, dass Empathie in unserer Gegenwart nicht nur überbewertet, sondern übercodiert ist. Empathie ist von einer psychologischen Kompetenz zu einem moralischen Ausweis geworden: Wer mitfühlt, gilt als gut; wer differenziert, gilt als kalt. Damit verschiebt sich etwas Gefährliches. Empathie wird nicht mehr situativ eingesetzt, sondern pauschal eingefordert. Das führt zu einer Art Resonanzpflicht, die in vielen sozialen, beruflichen und medialen Kontexten gar nicht mehr fragt, ob Mitfühlen in der konkreten Lage überhaupt angemessen, hilfreich oder psychisch tragfähig ist.
Besonders irritierend ist, dass Empathie häufig mit Bindung verwechselt wird. Man glaubt, je mehr man mitschwingt, desto authentischer sei die Beziehung. In Wirklichkeit kann übermässige Empathie Menschen über ihre Belastungsgrenze bringen, sie in sekundäre Traumatisierungen treiben und sie manipulierbar machen. Die Überhöhung von Empathie ist daher auch eine stille Ökonomie der Ausbeutung: Wenn alle immer verstehen sollen, müssen einige immer liefern. Und das sind meist die Sensiblen, die Fürsorglichen, die gut sozialisierten Frauen, die Mitarbeitenden in Care-Berufen. Meine Kritik richtet sich deshalb nicht gegen Empathie als solche, sondern gegen ihre Moralisierung. Wo Empathie zur Dauerforderung wird, verliert der Mensch sein Recht auf innere Distanz – und damit auf psychologische Souveränität.
Wie kamen Sie auf den Begriff «Ekpathie» – und in welchem Verhältnis steht er zu klassischen Konzepten wie emotionaler Intelligenz oder Resilienz?
Der Begriff Ekpathie stammt ursprünglich vom spanischen Psychiater Luis de Rivera, der ihn Anfang der 2000er Jahre in die psychologische Diskussion einführte. De Rivera wollte damit ein Gegengewicht zur inflationären Verwendung des Empathiebegriffs schaffen – nicht, um Empathie zu entwerten, sondern um sie zu vervollständigen.
In seinen klinischen Studien, insbesondere im Bereich der Psychotraumatologie und Burnout-Forschung, beobachtete er, dass übermässige Empathie bei Therapeuten, Ärzten und Pflegekräften zu Erschöpfung, Identitätsdiffusion und sekundären Traumatisierungen führt. Er definierte Ekpathie deshalb als «bewusste Fähigkeit, die Emotionen anderer Menschen nicht zu übernehmen», als einen aktiven Schutzmechanismus der psychischen Autonomie. Während Empathie das Einströmen fremder Affekte ermöglicht, beschreibt Ekpathie den notwendigen Gegenprozess des Ausleitens – eine Form emotionaler Hygiene, die Nähe und Distanz in Balance hält. Mich hat dieser Begriff sofort fasziniert, weil er ein Defizit im gegenwärtigen psychologischen Denken sichtbar macht: Wir sprechen unentwegt von Öffnung, Resonanz, Einfühlung, aber kaum von Abgrenzung, Filterung, Selbstschutz. Dabei sind Empathie und Ekpathie keine Gegensätze, sondern zwei Bewegungen desselben seelischen Systems – Einatmen und Ausatmen.
In meiner theoretischen Weiterentwicklung habe ich Ekpathie aus dem rein therapeutischen Kontext gelöst und zu einem universellen Prinzip innerer Ökonomie ausgearbeitet: der Fähigkeit, emotional selektiv zu bleiben, ohne kalt zu werden. Etymologisch verweist Ekpa-thie – vom altgriechischen ek («hinaus aus») und pathos («Leid, Affekt, Erfahrung») – auf ein Herausführen aus dem Pathos, also auf die bewusste Entscheidung, affektiv nicht vereinnahmt zu werden. Sie ist keine Flucht, sondern eine Form des bewussten Nicht-Übernehmens, ein kontrolliertes Schliessen nach innen. Wenn emotionale Durchlässigkeit als moralische Tugend gilt, ist das fast subversiv. Im Verhältnis zu klassischen Konzepten lässt sich Ekpathie als die fehlende dritte Instanz beschreiben. Emotionale Intelligenz hilft uns, Gefühle zu erkennen und zu verstehen. Resilienz hilft uns, mit Belastungen umzugehen und sie zu überstehen. Ekpathie entscheidet, welche Emotionen wir überhaupt in unser psychisches System hineinlassen. Sie ist die präventive Dimension psychischer Selbstführung – die Fähigkeit, affektive Grenzen bewusst zu gestalten. Ohne sie wird emotionale Intelligenz schnell zur Selbstausbeutung, Resilienz zur Kompensationsleistung und Empathie zur moralischen Erpressbarkeit. Insofern verstehe ich Ekpathie als das Fundament emotionaler Souveränität: als bewusste, verantwortete Form des inneren Nein-Sagens, die Beziehung erst möglich macht, weil sie Überwältigung verhindert. Sie ist kein Gegensatz zu Mitgefühl, sondern seine Bedingung.
Sie sprechen von «emotionaler Souveränität» als Future Skill. Welche Kompetenzen müssten Bildung und Wirtschaft fördern, um diese Fähigkeit gezielt zu entwickeln?
Wenn wir emotionale Souveränität wirklich als Zukunftskompetenz ernst nehmen, dann reicht es nicht, Achtsamkeitskurse und Resilienztrainings anzubieten. Wir müssen früher und tiefer ansetzen. Erstens braucht es Differenzierungskompetenz: die Fähigkeit, eigene von fremden Gefühlen zu unterscheiden, sekundäre von primären Emotionen zu trennen und vor allem die Quelle eines Affekts zu erkennen.
Viele Menschen sind nicht unsouverän, weil sie «zu viel fühlen», sondern weil sie nicht wissen, wessen Gefühl sie gerade fühlen. Zweitens braucht es Sprachkompetenz. Wer Affekte nicht versprachlichen kann, kann sie auch nicht regulieren. Wir haben in Organisationen eine gigantische Spracharmut rund um Emotionen; deshalb wird so viel moralisiert. Drittens braucht es Distanzierungskompetenz: die Fähigkeit, im Affekt in eine Beobachterposition zu wechseln, ohne aus der Beziehung zu gehen. Das kann man lehren – über Rollenspiele, über Supervision, über reflektierte Feedback-Formate. Viertens – und das wird oft unterschätzt – braucht es institutionell geschützte Zonen der Nicht-Erreichbarkeit.
Kein Mensch kann dauerhaft souverän sein, wenn er permanent emotional adressiert wird. Souveränität braucht Pausen, sonst wird sie zur Fassade. Bildung und Wirtschaft müssten also nicht nur Skills vermitteln, sondern Strukturen schaffen, in denen Nicht-Durchlässigkeit erlaubt ist.
«Ekpathie ist die ‚bewusste Fähigkeit, die Emotionen anderer Menschen nicht zu übernehmen‘.»
Inwiefern ist Ihr Konzept der positiven Indifferenz mit modernen Führungsidealen wie Servant Leadership oder Empathic Leadership vereinbar – oder steht es diesen entgegen?
Ich sehe hier keinen Widerspruch, sondern eine notwendige Ergänzung. Servant Leadership ohne positive Indifferenz führt dazu, dass Führung sich auflöst und in Gefälligkeit mündet. Empathic Leadership ohne ekpathische Korrektur lädt alle Emotionen der Organisation beim Leader ab und wundert sich dann über Burnout an der Spitze.
Positive Indifferenz heisst nicht, dass mir Menschen egal sind, sondern dass ich meine innere Beweglichkeit nicht völlig von ihren emotionalen Schwankungen abhängig mache. In der Führung übersetzt sich das in eine sehr einfache, aber selten geübte Haltung: «Ich sehe dich, ich nehme dich ernst, aber ich werde nicht dein Gefühl leben.» So entsteht Führung, die berührt, ohne sich vereinnahmen zu lassen. Servant Leadership braucht genau das, weil dienende Führung sonst zur selbstlosen Selbstaufgabe wird. Empathic Leadership genauso, weil Empathie ohne Grenze am Ende die Organisation zentriert um die lautesten Gefühle, nicht um die sachlich richtigen Entscheidungen.
Positive Indifferenz ist damit die unsichtbare Wirbelsäule moderner Führung: Sie hält, aber sie ist nicht laut dabei.
Sie betonen, dass Ekpathie keine Kälte, sondern Selbstachtung bedeutet. Wo verläuft für Sie die Grenze zwischen gesunder Abgrenzung und emotionaler Vermeidung?
Die Grenze verläuft dort, wo die Beziehung zum Anderen noch möglich ist. Gesunde Abgrenzung sagt: «Ich bin da, aber ich lasse mich nicht verschlingen.» Emotionale Vermeidung sagt: «Ich bin nicht da, damit ich nicht berührt werde.» In der Ekpathie bleibe ich erreichbar, ich bleibe ansprechbar, ich nehme das Gegenüber wahr – aber ich entscheide, welche Anteile seines affektiven Materials ich in mein System integriere. Vermeidung dagegen bricht den Kontakt ab oder verschleiert ihn: Man flüchtet in Ironie, in Überintellektualisierung, in Zynismus oder in permanente Beschäftigung.
Ein sehr praktisches Unterscheidungskriterium: Nach gesunder Abgrenzung fühle ich mich klar und präsent. Nach Vermeidung fühle ich mich zwar unberührt, aber auch leer oder getrennt. Ekpathie stärkt die Selbstachtung, weil sie sagt: «Meine psychische Kapazität ist wertvoll.» Vermeidung schwächt sie, weil sie sagt: «Ich halte das Leben nicht aus.» Das ist ein fundamentaler Unterschied.
Ihr Buch verbindet Philosophie, Psychologie und Spiritualität. Welche Disziplin bietet Ihrer Meinung nach den fruchtbarsten Zugang zur emotionalen Souveränität?
Jede Disziplin liefert ein anderes Organ. Die Philosophie liefert das begriffliche Organ: Sie erlaubt uns, Phänomene der Innerlichkeit präzise zu unterscheiden, statt sie in Alltagspsychologie verschwimmen zu lassen. Die Psychologie liefert das diagnostische Organ: Sie zeigt, welche Muster, Bindungserfahrungen, Traumata oder Übertragungen dazu führen, dass Menschen sich zu sehr einlassen oder gar nicht mehr einlassen. Die Spiritualität – ich meine hier nicht Esoterik, sondern geübte, kontemplative Traditionen – liefert das Erfahrungsorgan: Sie macht jenen Zustand erfahrbar, den ich «stille Klarheit» nenne, also Gegenwärtigkeit ohne Verstrickung. Wenn ich wählen müsste, würde ich sagen: Der schnellste fruchtbare Zugang ist die Kombination aus psychologischer Selbstklärung und spiritueller Praxis. Philosophie macht das Ganze erst haltbar, weil sie Sprache und Konzept liefert. Reine Psychologie ohne spirituelle Erfahrung bleibt oft reparativ. Reine Spiritualität ohne psychologische Selbstauf- klärung wird schnell zum Umgehen. Erst das Triangulieren bringt Souveränität.
«Empathie als moralischer Ausweis: Wer mitfühlt, gilt als gut; wer differenziert, gilt als kalt.»
Sie beziehen sich auf den Stoizismus und den buddhistischen Gleichmut (Upekkhā). Welche dieser beiden Traditionen hat Ihre eigene Denkweise stärker geprägt?
Ich habe vom Stoizismus die Strenge übernommen und vom Buddhismus die Weichheit. Der Stoizismus hat mich gelehrt, dass der Mensch nur über das Innere wirklich verfügen kann, dass also das Setzen einer Grenze zunächst ein Akt der Vernunft ist: «Das liegt in meiner Macht, das nicht.» Das ist für die moderne Abgrenzungsidee essenziell. Der buddhistische Gleichmut hat mich gelehrt, dass selbst die vernünftige Kontrolle zu viel sein kann, dass es Zustände gibt, in denen ich nicht aktiv abgrenze, sondern in denen Phänomene schlicht kommen und gehen dürfen, ohne dass ich sie an meinen Selbstwert binde. In der «Kunst der Abgrenzung» treffen sich diese beiden Linien: die stoische Unterscheidung zwischen dem, was ich beeinflussen kann, und dem, was mir geschehen wird, und der buddhistische Verzicht auf Anhaften. Wenn Sie so wollen: Der Stoizismus hat meinen Begriff geschärft, der Buddhismus meinen Ton abgemildert.
Wenn Empathie, Ekpathie und positive Indifferenz das «Regulierungsdreieck» bilden – kann eine dieser drei Haltungen übermässig betont werden, und welche Risiken entstehen dann?
Ja, das Dreieck ist dynamisch gemeint, nicht statisch. Überbetonte Empathie saugt einen aus; sie führt zu Compassion Fatigue, zu parentifizierter Führung, zu übertherapierten Teams. Überbetonte Ekpathie macht beziehungsschwach; sie kann in intellektualisierte Distanz oder in unnahbare Professionalität kippen, die zwar klar ist, aber nicht mehr wärmt. Überbetonte positive Indifferenz wiederum kann in arrogante Unberührbarkeit kippen; sie wird dann zur spirituell bemäntelten Gleichgültigkeit. Das Risiko besteht immer dann, wenn eine Haltung nicht mehr als Haltung, sondern als Identität verstanden wird. Das Regulierungsdreieck will gerade das verhindern: Es sagt nicht «sei empathisch» oder «sei ekpathisch», sondern «könne beides – und wähle situativ». Psychische Reife zeigt sich nicht daran, dass jemand immer mitfühlt, sondern daran, dass er steuern kann, wann und wie stark er mitfühlt.
Wie kann emotionale Souveränität in einer digitalen, hypermedialisierten Welt praktisch kultiviert werden – insbesondere angesichts algorithmischer Manipulation emotionaler Inhalte?
Der erste Schritt ist Entzauberung. Wir müssen begreifen, dass unsere Emotionen inzwischen Teil eines Aufmerksamkeitsmarktes sind. Plattformen verdienen daran, dass wir empört, gerührt, getriggert sind – nicht daran, dass wir ruhig und klar sind. Wer das verstanden hat, kann anfangen, digitale Ekpathie zu üben: nicht jede Geschichte lesen, nicht jedes Leid hereinlassen, nicht jedes Bild kommentieren, nicht auf jede Empörung anspringen. Das ist kein Zynismus, sondern Selbstschutz. Praktisch heisst das: feste Zeitfenster für Medienkonsum, bewusst kuratierte Quellen, bewusste «Stille-Formate» im Alltag (Schreiben, Gehen, Nichtstun) und vor allem: die Fähigkeit, emotionale Ansteckung zu bemerken, bevor sie identitär wird. Ein einfacher Satz hilft hier sehr: «Das ist nicht meins.» Wenn ich wieder lernen kann zu sagen «Das ist nicht mein Gefühl, auch wenn ich es gerade fühle», dann kann ich souverän in einer lauten, affektiven Welt bleiben. Ohne diese Praxis werden wir von Algorithmen emotional regiert.
«Wir haben in Organisationen eine gigantische Spracharmut rund um Emotionen.»
Sie sprechen von einer «Ethik des Fühlens». Welche moralischen Leitlinien ergeben sich daraus für zwischenmenschliche Beziehungen oder Führungskontexte?
Eine Ethik des Fühlens bedeutet zunächst, dass Gefühle weder absolut gesetzt noch relativiert werden. Sie sind wahr – aber nur für den, der sie fühlt. Für Beziehungen bedeutet das: Ich nehme dein Gefühl ernst, aber ich mache es nicht zu meinem Auftrag. Für Führung bedeutet es: Ich anerkenne Emotionen im System, aber ich steuere nicht nach Stimmungen, sondern nach Sinn. Moralisch heisst das: Ich instrumentalisiere Gefühle nicht (weder zur Manipulation noch zur Erpressung), ich übernehme Verantwortung für meine Affekte, und ich dränge anderen nicht meine emotionale Lesart der Welt auf. Eine solche Ethik schützt vor emotionalem Moralismus – also vor der Haltung: «Weil ich betroffen bin, musst du dich verhalten.» Sie führt zu reiferen Beziehungen, weil sie Gefühl und Urteil wieder verbindet.
Ihr Buch legt nahe, dass emotionale Freiheit keine Kontrolle, sondern «stille Klarheit» bedeutet. Wie lässt sich dieser Zustand trainieren oder lehren?
Man kann ihn nicht verordnen, aber man kann ihn ermöglichen. «Stille Klarheit» entsteht, wenn Wahrnehmung geschärft, Reaktivität gesenkt und Sprache verfeinert wird. Das gelingt erstaunlich gut über regelmässig geübte Selbstbeobachtung: Tagebuchformen, in denen nicht nur Ereignisse, sondern auch Fremdgefühle notiert werden; kurze Kontemplationen, in denen man lernt, Affekte kommen und gehen zu sehen; Dialogformate, in denen man Gefühle benennt, ohne sie zum Massstab zu machen. Lehrbar ist nicht der Zustand, lehrbar ist die Disziplin, sich immer wieder in diesen Zustand zu versetzen. In Organisationen braucht es dazu Vorbilder: Führungskräfte, die emotionale Ansprachen aufnehmen, aber nicht aufspringen. In therapeutischen oder coachingnahen Kontexten braucht es Räume, in denen Nicht-Reagieren nicht als Kälte ausgelegt wird. Stille Klarheit ist am Ende ein Übungsweg – wie Musizieren. Man wird nicht fertig, aber man wird besser.
«Ekpathie stärkt die Selbstachtung, weil sie sagt: «Meine psychischeKapazität ist wertvoll.»
Zum Schluss: Was erhoffen Sie sich als gesellschaftliche Wirkung Ihres Buches – eher eine persönliche Bewusstseinsveränderung oder einen kulturellen Paradigmenwechsel im Umgang mit Emotionen?
Ich erwarte nicht, dass ein Buch eine Kultur sofort verändert. Aber ich halte es für notwendig, dass wir als Gesellschaft einen blinden Fleck schliessen: Wir haben das Öffnen gelernt, aber nicht das Schliessen. Wir haben Empathie gelernt, aber nicht Ekpathie. Wir haben Emotionen befreit, aber nicht integriert. Wenn das Buch dazu beiträgt, dass Menschen ihre Abgrenzung nicht länger für Egoismus halten, sondern für erwachsene Selbstsorge, wäre schon viel gewonnen. Wenn es darüber hinaus in Unternehmen, Bildungseinrichtungen und Führungsetagen die Einsicht verankert, dass nicht jede emotionale Zumutung eine moralische Verpflichtung erzeugt, dann wäre das tatsächlich ein kleiner Paradigmenwechsel. Letztlich geht es mir um eine reifere, differenziertere Gefühlsökonomie: weniger Pathos, mehr Klarheit. Denn Freiheit beginnt nicht dort, wo wir alles fühlen, sondern dort, wo wir wählen können, was wir fühlen wollen.
Prof. Dr. Dr. Oliver Hoffmann
Er ist Wirtschaftspsychologe, Autor, Board Member. Sein Claim: «Wenn Sie nicht mehr weiter wissen, kommen Sie zu mir.»
Buchcover: zVg

