Studie: KI und Handelskonflikte verändern das digitale Konsumverhalten

Eine neue Studie von EY zeigt, wie geopolitische Unsicherheiten und KI 2025 das digitale Konsumverhalten in der Schweiz prägen. 86 Prozent der Befragten befürchten steigende Preise für elektronische Geräte durch Handelskonflikte. Fast die Hälfte nutzt bereits generative KI im Alltag, äussert jedoch zugleich Datenschutzbedenken.

Adrian Ott, Chief AI Officer EY Schweiz
Adrian Ott, Chief AI Officer EY Schweiz (Quelle: zvg)

Geopolitische Unsicherheiten, der zunehmende Einfluss künstlicher Intelligenz und eine hohe Preissensibilität prägen 2025 das digitale Konsumverhalten in der Schweiz und global. Dies zeigt die neue Studie «Decoding the Digital Home 2025» des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens EY. Vertrauen, Datenschutz und Loyalität werden dabei zu entscheidenden Faktoren – von Streaming bis Konnektivität.

Für die Studie wurden 20’500 Konsumenten in 14 Ländern zu ihrem Verhalten und ihren Einstellungen gegenüber Technologie, Medien und Telekommunikation befragt. Neben der Schweiz nahmen Australien, Deutschland, Frankreich, Italien, Kanada, die Niederlande, Norwegen, Österreich, Schweden, Spanien, Südkorea, das Vereinigte Königreich und die USA teil. Aus der Schweiz nahmen 1000 Konsumenten an der Studie teil.

Handelskonflikte verstärken Preissensibilität

In der Schweiz äussert die grosse Mehrheit starke Bedenken: 86% der Befragten befürchten, dass Handelskonflikte die Preise für elektronische Geräte wie Smartphones, Konnektivität oder Streaming-Abos weiter erhöhen könnten. Nur rund 15% zeigen sich überhaupt nicht besorgt über die möglichen Auswirkungen von Handelskonflikten auf ihre monatlichen Ausgaben.

Die Kostensensibilität bleibt hoch: 62% der Haushalte wollen möglichst wenig für Kommunikationsdienste ausgeben. 43% der Befragten wären bereit, auf ein günstigeres Paket umzusteigen – selbst wenn dies eine geringere Servicequalität oder einen eingeschränkten Kundensupport bedeutet. 69% wünschen sich, dass Breitband- und Internetanbieter mehr tun, um feste Preisgarantien für Haushalte anzubieten.

Roman Haltinner, Cybersecurity Competency Leader bei EY Schweiz
Roman Haltinner, Cybersecurity Competency Leader bei EY Schweiz (Quelle: zvg)

In der Schweiz empfinden 63% der Befragten jährliche Preiserhöhungen ihres Internetanbieters als unfair, 53% bezeichnen sie als schwer nachvollziehbar. Auch bei der Anbieterwahl spielen geopolitische Überlegungen eine Rolle. Viele Befragte bevorzugen lokale Anbieter – etwa Breitband- und Mobilfunkunternehmen mit Kundendienst im eigenen Land (27%), inländische Technologiehersteller (23%) oder Inhalte von Schweizer Produzenten (21%).

Streaming im Wandel: Kündigungsbereitschaft steigt

In der Schweiz nutzt über die Hälfte der Haushalte (66%) mindestens einen kostenpflichtigen Video-Streamingdienst. Fast die Hälfte der Befragten (47%) gibt dafür monatlich zwischen 10 und 29 Schweizer Franken aus. Bei der Anbieterwahl sind Preis und Inhalte entscheidend: 55% achten auf attraktive Preise, 36% auf Lieblingsinhalte und 32% auf eine umfangreiche Mediathek.

Streaming bleibt beliebt, doch die Kündigungsbereitschaft steigt. Innerhalb eines Jahres ist der Anteil der befragten Personen in der Schweiz, die ihr Streaming-Abo gekündigt haben oder dies planen, von 26% auf 38% gestiegen. Hauptgrund für Kündigungen sind Kosteneinsparungen (28%), während sich 85% zugleich leicht bis extrem besorgt zeigen, dass Handelskonflikte die Streamingpreise weiter erhöhen könnten.

Dennoch bleibt die Nutzerbasis stabil: 36% denken in der Schweiz selten über eine Kündigung nach. Zugleich gewinnen hochwertige und exklusive Inhalte als Neuanreiz an Bedeutung. 36% der Schweizer interessieren sich vor allem für bestimmte Filme oder Serien, 32% für grosse Inhaltsbibliotheken.

Generative KI etabliert sich – Vertrauen bleibt fragil

Generative KI verändert weltweit schrittweise das Konsumverhalten. In der Schweiz ist die Technologie bereits im privaten und beruflichen Alltag etabliert: 45% der Befragten setzen sie aktiv ein. Die Akzeptanz im Alltag wächst: 52% der Schweizer finden KI-Funktionen auf dem Smartphone – etwa für Sprachassistenz, Texterstellung oder Fotobearbeitung – hilfreich. 45% finden KI-gestützten Kundensupport wie Chatbots nützlich. Zudem empfinden 42% KI-generierte Suchergebnisse als hilfreicher als traditionelle.

«Trotz wachsender Akzeptanz von KI-Systemen zeigt die Umfrage, dass weiterhin grosse Fragezeichen über die Nutzung persönlicher Daten und die Nachvollziehbarkeit generierter Inhalte bestehen», sagt Adrian Ott, Chief AI Officer EY Schweiz.

Gleichzeitig bleibt das Vertrauen in Bezug auf Datenschutz fragil: 58% der Schweizer Befragten befürchten, dass ihre persönlichen Daten zur Schulung von KI-Systemen missbraucht werden könnten. 59% befürchten, dass Regierungen und Aufsichtsbehörden nicht genug tun, um die potenziellen Risiken von KI zu begrenzen. 61% äussern die Sorge, dass KI Online-Inhalte weniger vertrauenswürdig macht, und 66% befürchten den Missbrauch durch «Bad Actors». 75% fordern eine klare Kennzeichnung KI-generierter Inhalte.

Kundenloyalität im Wandel

Der Schweizer Markt präsentiert sich stabil, aber wenig dynamisch: 58% der Befragten sind mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis ihres Internetanbieters zufrieden. Ein häufiger Grund, nicht den Anbieter zu wechseln, ist der wahrgenommene Aufwand: In der Schweiz nennen dies 42%. Damit bestätigt sich ein global beobachtbares Muster widersprüchlicher Loyalität – Kundentreue, die neben echtem Zuspruch auch aus Sorge vor der Komplexität eines Wechsels besteht.

Auch die Internetgeschwindigkeit spielt eine Rolle. 56% der Schweizer sind der Meinung, ein Wechsel zu schnellerem Internet lohne sich finanziell nicht, während 40% angeben, dass es sie frustriert, dass die schnellsten Pakete in ihrer Region gar nicht verfügbar sind.

Roman Haltinner, Cybersecurity Competency Leader bei EY Schweiz, sagt: «Die zunehmende Verflechtung von Digitalisierung, globalen Risiken und künstlicher Intelligenz zeigt deutlich, dass Vertrauen zum entscheidenden Erfolgsfaktor wird. Unternehmen müssen Sicherheitsarchitekturen schaffen, die nicht nur technisch robust sind, sondern auch Transparenz und Verlässlichkeit vermitteln. Nur so lässt sich das verloren gegangene Sicherheitsgefühl der Konsumentinnen und Konsumenten wiederherstellen und die Grundlage für stabile digitale Ökosysteme schaffen.»

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