MCH Group: Eile mit Weile

Die MCH Group macht einen Schritt zurück und konzentriert sich wieder auf das Kerngeschäft des Veranstaltungsmachens. Die künftige strategische Ausrichtung heisst: National, international, digital.

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Die MCH Group wird sich auf Messen, Kongresse und Events in der Schweiz und auf die Internationalisierung der Leitmessen Baselworld und Art und auf die Digitalisierung konzentrieren. 

Das sind gute Neuigkeiten für die Dienstleistungsindustrie, die an diesem Kerngeschäft hängt: Die Hotellerie, die lokalen Gewerbebetriebe in Basel und Zürich und zahlreiche Messebaufirmen in der Schweiz. Es sind auch Good News für die Aktionäre, da die Internationalisierung wie jetzt offensichtlich wird, nur teilweise gelungen ist und die Konzentration auf das Kerngeschäft eine höhere Profitabilität verspricht. Tatsächlich wird mit der in der Pressemitteilung vom 19. September dargelegten künftigen Strategie ein grosser Teil der Internationalisierung und der ehemaligen Strategie des «One-Stop-Shops» (sämtliche Leistungen der Wertschöpfungskette Messe erbringen) rückgängig gemacht. Die MCH Group geht ein Feld zurück.

Verwaltungsratspräsident Ulrich Vischer sagt zur neuen Strategie: «Wir haben mit unseren Eigenmessen und unseren Live Marketing Solutions zwei Geschäftsfelder mit grossen Entwicklungsmöglichkeiten, müssen uns aber auf Grund der beschränkten Investitionsmittel auf eines von ihnen konzentrieren.»

Communities aufbauen, Messen stärken

Die Transformation gewisser Messen, hervorgerufen durch ein verändertes Kundenverhalten, etwa im Bereich von Publikumsmessen, ist unbestreitbar. Im Fachmessebereich hat die MCH Group eine Zahl an gut funktionierenden Messen mit einer respektablen Grösse. Gemäss dem neuen CEO Bernd Stadlwieser sind das die Art Basel, die Baselworld, die Swissbau, die Powertage, die Ilmac oder die Smart Suisse, die jetzt gestärkt werden sollen. «Unser Ziel ist es, über den physischen Event hinausgehende Communities aufzubauen», sagt er.

Interessanterweise finden die meisten erfolgreichen Messen am Standort Basel statt und man fragt sich, was in Zürich geschehen wird. Dem Vernehmen nach wird noch immer ein Käufer oder Betreiber der Messezentren in Basel und Zürich gesucht. Was das Veranstaltungsgeschäft betrifft, sollen die Messezentren besser ausgelastet werden. 

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International: Zurück auf Feld Eins

Für die Live Marketing Solutions mit dem amerikanischen Messebauer MC2, mit der schweizerischen Messebaufirma Expomobilia, mit den Eventfirmen MCH Global (ehemals Rufener Events) und Reflection Marketing prüft die MCH Group einen Verkauf. Die Internationalisierung des Geschäfts mit dem Zukauf des amerikanischen Messebauunternehmens MC2 und von Expomobilia trug zwar viel zum Umsatz bei und half, die MCH Group in die Liste der weltweit umsatzstärksten Firmen zu bringen. Aber offenbar war die Profitabilität dieser Dienstleister «unterirdisch». Expomobilia baut auf der kommenden World Expo 2020 in Dubai die Länderpavillons der Schweiz, Finnlands, Norwegens (Bild oben) und Hollands. Vielleicht kommen weitere Länder dazu. Bekanntlich lässt sich auch hier kein gutes Geld verdienen. Aber sie helfen mit, die Marke MCH Group global zu verankern, ein nicht zu unterschätzender Vorteil für die Internationalisierungsstrategie.

Die eingesparten Mittel sollen zur Förderung von Innovationen und der Digitalisierung eingesetzt werden. Gemäss der Pressemitteilung vom 19. September muss die Kostenbasis signifikant gesenkt werden. 

Anders als im Dienstleistungsbereich beurteilt die MCH Group die Durchführung der Leitmessen Baselworld und Art Basel im Ausland als erfolgreich und will sie weiter führen. «Bei der Art Basel haben wir bereits eine starke Community und wollen diese mit erweiterten Angeboten ausbauen. Bei der Baselworld wollen wir eine erweiterte Branchen-Community aufbauen und fassen deshalb auch zusätzliche Events im Ausland ins Auge», sagt Bernd Stadlwieser.

Digitale Transformation

Gemäss eigenen Angaben ist die MCH Group mit der Weltleitmesse Art Basel digital gut unterwegs und das Erfolgskonzept soll jetzt auf die Baselworld – und dann sämtliche Veranstaltungen der MCH Group übertragen werden. Offenbar will die MCH Group vorwärts machen mit einer konzertierten digitalen Strategie und für jeden Anlass eine digitale Plattform für die entsprechende Community schaffen, wie man das im 2019 mit der memtec.plus zur Werkzeugmaschinenmesse Prodex schaffte. Digitale Transformation ist ein erklärtes Ziel der «neuen» MCH Group. 

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Zurück in die Zukunft

Die MCH Group buchstabiert zurück. Sie hat sich lange als weltweit führendes Live Marketing Unternehmen bezeichnet. Zu Recht. Am Umsatz gemessen war man weltweit (!) zur Nummer fünf unter den Messeveranstaltern aufgestiegen. Jetzt sollen Live Marketing Solutions, wie die Service-Abteilung des Event- und Messebaugeschäfts der MCH Group heisst, verkauft werden.

Wo man früher die ganze Wertschöpfungskette abholen wollte (Messegeschäft + Messebau + Eventgeschäft) konzentriert man sich heute wieder auf das Veranstaltungsgeschäft. Und offenbar glaubt man auch wieder an das nationale Geschäft, aber in erweiterter Form mit digitalen «Zwillingen» der Messen. Das verspricht mehr Profitabilität. Die Pressemeldung postuliert, man wolle «wieder eine angemessene Profitabilität» erwirtschaften. Es wird Jahre dauern. 

 

Zum Thema: Restrukturierung: MCH prüft Verkauf des Dienstleistungsgeschäfts

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