Form follows Function – aber nicht bei Produkt-Design!
Das Lineup der Keynoter war stark international geprägt und hat mit den jeweiligen Beiträgen inspirierende, spannende Ansätze und Gedanken propagiert. Der Auftakt machte Aubrey de Grey, wissenschaftlicher Leiter von SENS Research Foundation aus San Francisco, mit seinem Traum unser Leben zeitlich unlimitiert Gesund zu verbringen. Er kritisierte das traditionelle Verständnis von Alterung des Menschen als Anhäufung von „Damage“ (altersbedingten Krankheiten und Beschwerden) – demgegenüber schlägt er vor, dass der Mensch als systemische Maschine verstanden werden kann die von Zeit zu Zeit den passenden „Service“ braucht; dies mit medizinischen Anwendungen die nun in Entwicklung sind.Der MIT-Professor Hugh Herr konnte aufzeigen, dass wir auf dem Weg sind, dass z.B. Beinprothesen über Sinnessteuerung zu einem integralen Teil unseres Körpers werden. Mit der Projektvorstellung des jugendlichen Teju Ravilochan wurde deutlich, dass sich Innovation in keiner Art und Weise nur auf die klassisch gewinnorientierte Wirtschaft bezieht. Mit seiner mittlerweile global ausgerollten Initiative gegen Armut unterstreicht er die Bedeutung des Tuns und des unaufhörlichen Versuchens (relentless trial and error). So hat er seinen NGO-Startup zu einer global-aktiven Bewegung entwickelt.Im persönlichen Gespräch mit Prof. Dr. Peter Zec, dem Gründer des Red Dot Awards, konnte MK drei Fragen ansprechen.

MK Wie beschreiben Sie das Zusammenspiel von Design und Marketing?PETER ZEC Bei produzierenden Unternehmen tangiert Design alle vier Elemente des Marketing-Mix. Beim Produkt ist es eh klar und einmal mehr kann das Beispiel des Apple iPhone bemüht werden – gewissermassen eine Design-Ikone. Aber auch bei der Preispolitik ist es so, dass ein Produkt mit gutem Design eine Wertigkeit ausstrahlt und dadurch einen höheren Preis erzielen kann. Bezüglich Kommunikation referenziere ich nochmals Apple – in den ersten Jahren nach der Lancierung des iPhone war Dank genialem Design keine klassische Werbung nötig.MK Wo sehen Sie die spezifische Herausforderung für das Thema Design in einer stark digitalisierten Welt?ZEC Design ist grundsätzlich ein Optimierungsprozess was bedeutet, was heute gut ist muss es morgen nicht mehr sein. Zudem werden immer mehr neue Technologien und v.a. auch Software im Entwicklungsprozess eingesetzt und damit wird der Entwicklungsprozess teilweise automatisiert. Durch die in die Software eingebauten Design-Parameter kann die bisherige Denkarbeit per Knopfdruck erledigt werden. Das führt uns zur Frage was für den klassischen Designer dann noch übrig bleibt – nicht viel! Es sei denn die Designer kooperieren mit den Softwareentwicklern und können sich auf diese Art früh im Prozess einbringen. Waren bisher v.a. die Ingenieure die Partner der Designer, so sind es inskünftig immer mehr die Informatiker – die Verbreitung von Machine Learning und 3D-Printing machen das deutlich.MK: Wie stellen Sie sich zum Statement „Form follows Function“?ZEC Diese Aussage wird im Zusammenhang mit Design völlig missverständlich verwendet – war es doch der renommierte amerikanische Architekt Sullivan der diesen Satz aus seinen Naturbeobachtungen ableitete und für das entwerfen von Gebäuden zum unumstösslichen Gesetz erhob. Nicht so bei der Entwicklung von Produkten; hier müssen Ingenieur und Designer sehr früh gemeinsam den Prozess entwickeln und vorantreiben – also nicht nacheinander.*************************************************************Der CEO von Swiss Innovation Forum Dr. Dominik Isler im Gespräch

MK: Wie entwickelt sich das Konferenzgeschäft in den kommenden 3 bis 5 Jahren?DOMINIK ISLER Begegnungen in Echtzeit werden in einer zunehmend digitalisierten Welt nicht an Bedeutung einbüssen. In einer schnelllebigen Zeit mit hohem Tempo wird die Vertrauensbasis als Grundlage noch wichtiger. Konferenzen wie das Swiss Innovation Forum erlauben genau diese persönliche und vertrauensbildende Interaktion. Einzelne Teilnehmende kommen nicht wegen der Referate sondern für den persönlichen Austausch.MK Wo sehen Sie das Alleinstellungsmerkmal Ihrer Konferenzen?ISLER Mit unserem starken Bezug zum Unternehmertum und zu KMU kennen und treffen wir die Bedürfnisse dieser Zielgruppe. Wir sind immer bestrebt relevante Inhalte zu liefern die den Unternehmen einen konkreten Nutzen stiften. Diesem Anspruch werden wir nicht zuletzt dank der engen Zusammenarbeit mit der NZZ-Redaktion gerecht. Zum Dritten wollen wir unsere Anlässe zu einem Gesamterlebnis machen, was sich in der Variation von Formaten, Verpflegungsangebot oder Unterhaltungsblöcken manifestiert.MK Ist die Digitalisierung für Ihr Geschäft mehr Chance oder Risiko?ISLER Ganz klar mehr Chance – das z.T. horrende Tempo im Geschäft verlangt nach kurzen Auszeiten. Unsere Konferenzen bieten genau diese Möglichkeiten Denkpausen einzulegen und über die Implikationen des Wandels auf das eigene Geschäft nachzudenken und sich mit Dritten darüber auszutauschen.Dominik Isler persönlich:
- Traum oder Wirklichkeit: Traum
- Selber Fahren oder selbstfahrend: selber Fahren
- Sport oder Kultur: Kultur
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