«Die Weleda-Verpackungen würde ich gerne um-designen»

VERPACKUNG Die Schweizer Art Director Catherine Martin wird von der Kreativplattform Lürzer’s Archiv als eine der besten Package-Designern der Welt gelistet. Mit MK spricht Sie über Inspiration, reduziertes Graphic-Design und Flops.
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Catherine Maritn, Art DirectorMK Frau Martin, Sie gehören zu den besten Verpackungsdesignern der Welt. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?Catherine Martin: Diese Anerkennung tut unheimlich gut. Und es ist ein Ansporn für mich, meine Auftraggeber weiterhin mit pointierten Ideen und prägnanten Umsetzungen zu überraschen. Ich arbeite übrigens weiterhin leidenschaftlich gerne für KMUs und Start-ups. Im letzteren Fall ist kreativ sein besonders reizvoll, da man bei null beginnt und alles von Grund auf neu erschaffen kann.MK Was macht gutes Package-Design aus?Catherine Martin: Es ist eigentlich wie bei uns Menschen. Unsere Kleider bringen unsere Persönlichkeit zum Ausdruck. Ein schlampig angezogener Mensch strahlt etwas völlig anderes aus als ein gut angezogener. Bei einer Verpackung ist es ähnlich: Sie muss die Persönlichkeit des Produkts und der Marke zum Ausdruck bringen und diese beim Konsumenten erfolgversprechend positionieren.MK Welche Fehler sollte man vermeiden?Catherine Martin: Zum Beispiel Verpackungsorgien. Eine gute Verpackung muss heute ökologisch sinnvoll sein, denn man will mit gutem Gewissen geniessen. Zudem muss sie zum Produkt und den Gewohnheiten der Zielgruppe passen. Ein prominentes Beispiel für einen Flop: 2006 hat Nestlé für ihre Cailler-Schokolade eine neue, transparente Plastik-Verpackung kreiert. Die Konsumenten machten plötzlich einen Bogen um die vorzügliche Schokolade. Nestlé machte den Fehler, zu modern und stylish auftreten zu wollen in einem Segment, das grossen Wert auf Tradition legt. Der Fehler wurde dann schnell korrigiert.MK Wie lange brauchen Sie für ein Design?Catherine Martin: Ich arbeite in Phasen. Die erste Phase nenne ich «Cocooning». Das heisst, ich ziehe mich in mein Atelier zurück und tüftle solange, bis ich die treffendste Idee gefunden habe. Wenn es soweit ist, spürt man das instinktiv. Danach folgt die Phase der Ausarbeitung. Eine sehr konzentrierte Phase, in der ich designmässig verschiedene Möglichkeiten prüfe – bis Inhalt und Form perfekt ineinander greifen. Je nach Grösse und Umfang des Auftrags kann der gesamte Prozess zwischen fünf Wochen und sechs Monaten dauern.MK Wie kamen Sie zum Package-Design?Catherine Martin: Ich komme aus der klassischen Werbung. Seit ich mich selbstständig gemacht habe, fokussiere ich auf Rebranding und Neuauftritte. Oft beinhalten diese auch ein neues Verpackungsdesign – eine Disziplin, die ich sehr gerne konzipiere. Denn Package-Design ist eine dreidimensionale Werbefläche und ein Mini-Plakat in einem.MK Was inspiriert Sie?Catherine Martin: Ich mag reduziertes Graphic Design aus London, Amsterdam, New York und Tokio. Besonders das Design aus Japan entspricht meiner Formsprache. Denn da wird alles Unwichtige weggelassen. «Reduced to the Max», um es mit einem bekannten Werbeslogan zu sagen.MK Welche Verpackung würden Sie am liebsten um-designen?Catherine Martin: Ganz konkret: Die Weleda-Verpackungen und einige Edel-Linien von Coop und Migros. Es wäre sehr reizvoll, die für den jeweiligen Inhalt massgeschneiderte Gestaltungsform zu finden.MK Was raten Sie jungen Package-Designern?Catherine Martin Neues erfinden. Und dies mit viel Neugierde, Herzblut und Leidenschaft.MK Wie sieht das Package-Design der Zukunft aus?Catherine Martin: Das weiss niemand. Was wir aber wissen: Es muss die Leute neugierig machen und Begehrlichkeit schaffen, damit das Produkt gerne gekauft wird. Nicht nur einmal, sondern immer wieder. Gutes Package-Design ist keine kreative Selbstverwirklichung, sondern ein verführerisches Mittel zum Zweck.Interview: Denise Weisflog

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