À la recherche…

…du temps perdu: Bei der Vernissage seiner Lebenszeit-Sanduhren zeigte sich Künstler und Ex-Werber Jean-Remy von Matt von seiner philosophischen Seite. Dieter Meier untermalte das musikalisch – und Breitling-Boss Georges Kern hielt eine flammende Gegenrede.

Künstler und Ex-Werber Jean-Remy von Matt bei der Premiere seiner Lebenszeit-Sanduhren – im Hintergrund die Sekunden, die ihm statistisch noch bleiben. Bild: zVg. Vivents.

Es war ein besonderer Abend – ein bisschen «Dada», sehr philosophisch; vor allem gab sich  «tout Zurich» die Ehre, als der Künstler und Ex-Werber Jean-Remy von Matt am Mittwoch seine Lebenszeit-Sanduhren präsentierte. Zusammen mit Vivents-Gründerin Sarah Schlagenhauf hatte er ins legendäre «Cabaret Voltaire» in der Spiegelgasse geladen, um seine zur Reflexion anregenden Werke zu präsentieren (was genau es damit auf sich hat, lesen Sie hier).

Passend zum tiefgründigen Wesen des Anlasses war das Rahmenprogramm: Nicht nur erläuterte der Künstler selbst den Sinn seiner Werke und sagte, was er damit bewirken möchte; nein: Jean-Remy von Matt hatte auch Freund:innen und Wegbegleiter:innen ins Boot geholt, die die Vernissage untermalten … oder recht scharfe «Kritik» übten.

Meier singt, Kern entdeckt den inneren Satiriker

Zunächst trat die Yello-Ikone Dieter Meier (mittlerweile auch als Winzer, Metzger und Chocolatier berühmt) vor das Publikum und liess einen bisher unveröffentlichten Text zur Vergänglichkeit erklingen, begleitet nur von seinem eigenen Gitarrenspiel.

Yello-Ikone, Konzeptkünstler, Metzger und Winzer: Dieter Meier hat viele Rollen, war aber diesmal «nur» zum Singen da. Bild: zVg. Vivents.

Dann kam Breitling-Chef Georges Kern hinzu, dessen Unternehmen praktisch das Gegenteil der von Matt’schen Uhren baut – und der eingeladen war, um diese zu «verteidigen». Was vermutlich ein satirisches Manuskript sein sollte, kollidierte in der mündlichen Vorführung immer wieder mit Kerns spürbar tiefer Überzeugung, dass Uhren eben nicht (wie bei Jean-Remy von Matt) das Leben herunter zählen, sondern auf die Ewigkeit angelegt sein müssen: «Was vererbt ein Vater, wenn er eine Deiner Uhren hat, lieber Jean-Remy? Und was, wenn er eine Breitling besitzt?» Dass diese – stellenweise doch recht beissende – Gegenrede gewünscht war, merkte man freilich spätestens, als sich die beiden «Uhrmacher» zum Abschluss von Kerns Vortrag umarmten: Vergangenheit und Zukunft trafen sich in der Gegenwart.

Kreative Partnerschaft: Vivents-Gründerin Sarah Schlagenhauf und Künstler Jean-Remy von Matt. Bild: zVg. Vivents.

Zum Ende des Abends konnten die Gäste dann noch einen Blick auf die Lebenszeit-Uhren werfen oder gleich ein Exemplar für ihr Wohnzimmer bestellen. Ein Angebot, das bei vielen Besucher:innen gut ankam – obwohl Jean-Remy von Matt vorher zugegeben hatte, dass seine eigene «Carpe Vitam Clock» im Berliner Wohnzimmer von einem Tuch bedeckt sei. Seine Frau möge den Anblick der verrinnenden Zeit einfach nicht ertragen. Schade? Irgendwie schon. «Aber auch», so der Ex-Werber und Neu-Künstler, «die schönste Liebeserklärung, die man sich vorstellen kann.»

More articles on the topic