Zuversicht dank Sicherheitsnetz
IT-Medien Trotz Inserateeinbruch wagt sich die frisch geliftete Computerworld auf Neuland vor – nicht zuletzt dank internationalem IDG-Netzwerk.
IT-Medien Trotz Inserateeinbruch wagt sich die frisch geliftete Computerworld auf Neuland vor – nicht zuletzt dank internationalem IDG-Netzwerk. Seit dem 31. Januar und rechtzeitig zur Internet-Expo erscheint die Computerworld (CW) im luftigeren Kleid. Das neu gestaltete Blatt ist schon im Zeitungskopf farbiger und strahlt so etwas wie Zuversicht aus. Doch die Euphorie der Internethype ist gewichen, das Layout wirkt ruhiger, die Headlines sanfter. Zur Hauptsache aber «wollten wir dem Zusammenwachsen von Internet und Kommunikation Rechnung tragen und das Blatt stärker auf den Schweizer Markt ausrichten», sagt Gebhard Osterwalder, Gründer und Vize-VR-Präsident von IDG Communications (Schweiz), eine 100-Prozent-Tochter von IDG Boston.An zwei Dingen aber wurde nicht gerüttelt: Die CW, die «Schweizer Zeitung für Informatik, Telekommunikation und Internet», bleibt als einziger IT-Titel im Zeitungsformat. Auch die wöchentliche Erscheinungsweise stand nicht zur Diskussion. «Die CW ist seit 18 Jahren ein Brand, ich glaube nicht, dass solche Änderungen etwas gebracht hätten», sagt Osterwalder.
Vier neue Specials
Vielmehr baut er die Marke weiter aus. Doppelt. Dieses Jahr erscheinen erstmals vier statt nur zwei CW-Specials. Osterwalder will sie ab 2004 auf sechs erweitern und als Line-Extension verselbstständigen. «Das ist aber noch nicht definitiv und hängt vom Inseratemarkt ab», sagt er. Der zweite Ausbau besteht in der Lancierung eines Seminarangebotes: Die erste CW-Fachtagung findet im April zum Thema Sicherheit statt, dem derzeitigen Topthema der IT-Branche.
Das erstaunt, denn die Branchen-probleme gehen nicht an der CW vorbei. «Der Stellenmarkt in unserer Branche ist tot», sagt Osterwalder. Ein Blick in die CW bestätigt dies. Auch das übrige Anzeige-
volumen ist um bis zu 50 Prozent eingebrochen. Darum musste IDG (Schweiz) rund drei Stellen streichen. Arbeitslose IT-Fachleute drücken zudem auf die verkaufte Auflage. Zwar konnte die CW die Zahl der Abos im 2001 leicht steigern – aber nur auf Kosten des Einzelverkaufs. Dabei tritt die CW regelmässig mit erhöhten Auflagen an Messen und Events auf. Rund 3000 Exemplare gehen zudem gratis an Mitglieder des Informatiker-Verbandes Wiss.
Was aber lässt Osterwalder so «zuversichtlich in die Zukunft blicken?». Vor allem drei Dinge: Laut einer Link-Studie erreicht die CW immer noch 50000 Leser, fast zwei Drittel aller Schweizer «Hardcore-IT-Profis». Und gemäss MA IT-Business 2000 der Wemf ist die CW, die keine aktuelleren offiziellen Leserzahlen ausweist, in IT-Grossbetrieben die Nummer eins. Am meisten Sicherheit aber verleiht das IDG-Netzwerk mit weltweit über 300 Computertiteln. Dort können nicht nur Fachartikel bezogen werden, das Netz stellt auch ein internationales Werbekombi dar. Rund 50 Prozent des Inseratevolumens 2002 in der CW stammen aus diesem Pool. Darum gewann die CW trotz Inserateeinbruch im vergangenen Jahr Marktanteile, im letzten August kam sie allein auf 47 Prozent.
Gebhard Osterwalder, Gründer von IDG Communications (Schweiz): Wöchentlich 50000 IT-Leser.
Ausgedünnter Schweizer MarktEin gutes Dutzend vorwiegend deutsche Titel drängen in den Schweizer Markt der Computerzeitschriften. Die wichtigsten: Chip, CT Computertechnik und IT Reseller. Neue Schweizer Titel dagegen sind rar, die Netzwoche ist der einzige. Demgegenüber sind Titel wie Output, Computermarkt, Informatik, Macintouch, ibt und Bug 2000 verschwunden – auch der Internetstandard aus dem Hause IDG. Anderen droht Ähnliches: Bereits reduzierten Sysdata und Infoweek wegen der Inserateflaute ihren Erscheinungsrhythmus. Sysdata (Binkert Medien) erscheint seit Anfang Jahr nur noch sechs statt zehn Mal jährlich, dazu mit gestraffter Auflage (10000 statt 15000 Exemplare). Infoweek (Compress Information Group), das sich erst 2000 vom Monatsmagazin zum Wochentitel gemausert hatte, hat neu auf ein 14-tägliches Erscheinen umgestellt. (mk)
«Wir sind recht zuversichtlich»WW «PC-Markt auf Tauchstation», «Internet-Expo mit Aussteller-Tiefststand» – treffen diese Frontstorys der frisch gelaunchten Computerworld (CW) die Stimmung in der Branche?
Karlheinz Pichler: Die Stimmung ist noch immer schlecht. Und doch ist sie besser als noch vor einem Jahr. Weil sich Banken und Versicherungen, die Lokomotive der Infotechnologie-Branche, seit zwei Jahren mit Investitionen stark zurückhalten, ist es offensichtlich, dass jetzt wieder etwas gehen muss.
Der Schweizer PC-Markt ist 2002 um 15,6 Prozent auf 5,4 Milliarden Franken geschrumpft. Wie wirkt sich dies auf die Werbeinvestitionen dieser Branche aus?
Diese sind ebenfalls eingebrochen. Doch es gibt Unterschiede. Im B2B-Bereich, wo die CW positioniert ist, läuft recht wenig, auch weil in der Schweiz eine Sättigung erreicht ist. Anders im Consumermarkt: Die Durchdringung der Gesellschaft mit IT-Technologie steht erst am Anfang, das Zukunftspotenzial ist enorm. Das widerspiegelt sich auch im Werbevolumen. So hatte der IDG-Consumer-Titel PC-Tip von Oktober bis Dezember mehr Inserate als in derselben Periode 2001.
«In Zeiten, in denen zurückgekrebst wird, gehen wir in die Offensive», schrieben Sie in der CW. Ist das mehr als Zweckoptimismus?
Wir haben eine optimistische Grundhaltung, und wir glauben, dass es im dritten oder vierten Quartal wieder anzieht. Darum haben wir in der Flaute unsere Produkte überarbeitet. Jetzt sind wir recht zuversichtlich.
Wo sehen Sie Lichtblicke?
Solche sehe ich erst punktuell, aber es gibt in der Branche doch einige grosse Firmen, die Netzwerkerfirma Cisco zum Beispiel, die wieder recht gute Zahlen schreiben. Umsätze steigen nur vereinzelt, aber nach Umstrukturierungen arbeiten die Firmen zumindest profitabel. Offen ist, ob UMTS tatsächlich zu einer neuen Lokomotive werden kann.
So viel Zuversicht macht skeptisch. Leidet die CW heute eigentlich nicht unter Vertrauensverlust?
Uns wird eher der Vorwurf gemacht, zu kritisch zu sein – denken Sie nur an die eingangs zitierten Headlines. Es gibt sogar Firmen, die deswegen bei uns keine Inserate buchen. Internet war zwar auch bei uns ein Thema, uns interessierte aber primär die technische Seite, deshalb blieb die CW eher auf dem Boden. Interview: Markus Knöpfli
Karlheinz Pichler: Chefredaktor der Computerworld
Markus Knöpfli
Vier neue Specials
Vielmehr baut er die Marke weiter aus. Doppelt. Dieses Jahr erscheinen erstmals vier statt nur zwei CW-Specials. Osterwalder will sie ab 2004 auf sechs erweitern und als Line-Extension verselbstständigen. «Das ist aber noch nicht definitiv und hängt vom Inseratemarkt ab», sagt er. Der zweite Ausbau besteht in der Lancierung eines Seminarangebotes: Die erste CW-Fachtagung findet im April zum Thema Sicherheit statt, dem derzeitigen Topthema der IT-Branche.
Das erstaunt, denn die Branchen-probleme gehen nicht an der CW vorbei. «Der Stellenmarkt in unserer Branche ist tot», sagt Osterwalder. Ein Blick in die CW bestätigt dies. Auch das übrige Anzeige-
volumen ist um bis zu 50 Prozent eingebrochen. Darum musste IDG (Schweiz) rund drei Stellen streichen. Arbeitslose IT-Fachleute drücken zudem auf die verkaufte Auflage. Zwar konnte die CW die Zahl der Abos im 2001 leicht steigern – aber nur auf Kosten des Einzelverkaufs. Dabei tritt die CW regelmässig mit erhöhten Auflagen an Messen und Events auf. Rund 3000 Exemplare gehen zudem gratis an Mitglieder des Informatiker-Verbandes Wiss.
Was aber lässt Osterwalder so «zuversichtlich in die Zukunft blicken?». Vor allem drei Dinge: Laut einer Link-Studie erreicht die CW immer noch 50000 Leser, fast zwei Drittel aller Schweizer «Hardcore-IT-Profis». Und gemäss MA IT-Business 2000 der Wemf ist die CW, die keine aktuelleren offiziellen Leserzahlen ausweist, in IT-Grossbetrieben die Nummer eins. Am meisten Sicherheit aber verleiht das IDG-Netzwerk mit weltweit über 300 Computertiteln. Dort können nicht nur Fachartikel bezogen werden, das Netz stellt auch ein internationales Werbekombi dar. Rund 50 Prozent des Inseratevolumens 2002 in der CW stammen aus diesem Pool. Darum gewann die CW trotz Inserateeinbruch im vergangenen Jahr Marktanteile, im letzten August kam sie allein auf 47 Prozent.
Gebhard Osterwalder, Gründer von IDG Communications (Schweiz): Wöchentlich 50000 IT-Leser.
Ausgedünnter Schweizer MarktEin gutes Dutzend vorwiegend deutsche Titel drängen in den Schweizer Markt der Computerzeitschriften. Die wichtigsten: Chip, CT Computertechnik und IT Reseller. Neue Schweizer Titel dagegen sind rar, die Netzwoche ist der einzige. Demgegenüber sind Titel wie Output, Computermarkt, Informatik, Macintouch, ibt und Bug 2000 verschwunden – auch der Internetstandard aus dem Hause IDG. Anderen droht Ähnliches: Bereits reduzierten Sysdata und Infoweek wegen der Inserateflaute ihren Erscheinungsrhythmus. Sysdata (Binkert Medien) erscheint seit Anfang Jahr nur noch sechs statt zehn Mal jährlich, dazu mit gestraffter Auflage (10000 statt 15000 Exemplare). Infoweek (Compress Information Group), das sich erst 2000 vom Monatsmagazin zum Wochentitel gemausert hatte, hat neu auf ein 14-tägliches Erscheinen umgestellt. (mk)
«Wir sind recht zuversichtlich»WW «PC-Markt auf Tauchstation», «Internet-Expo mit Aussteller-Tiefststand» – treffen diese Frontstorys der frisch gelaunchten Computerworld (CW) die Stimmung in der Branche?
Karlheinz Pichler: Die Stimmung ist noch immer schlecht. Und doch ist sie besser als noch vor einem Jahr. Weil sich Banken und Versicherungen, die Lokomotive der Infotechnologie-Branche, seit zwei Jahren mit Investitionen stark zurückhalten, ist es offensichtlich, dass jetzt wieder etwas gehen muss.
Der Schweizer PC-Markt ist 2002 um 15,6 Prozent auf 5,4 Milliarden Franken geschrumpft. Wie wirkt sich dies auf die Werbeinvestitionen dieser Branche aus?
Diese sind ebenfalls eingebrochen. Doch es gibt Unterschiede. Im B2B-Bereich, wo die CW positioniert ist, läuft recht wenig, auch weil in der Schweiz eine Sättigung erreicht ist. Anders im Consumermarkt: Die Durchdringung der Gesellschaft mit IT-Technologie steht erst am Anfang, das Zukunftspotenzial ist enorm. Das widerspiegelt sich auch im Werbevolumen. So hatte der IDG-Consumer-Titel PC-Tip von Oktober bis Dezember mehr Inserate als in derselben Periode 2001.
«In Zeiten, in denen zurückgekrebst wird, gehen wir in die Offensive», schrieben Sie in der CW. Ist das mehr als Zweckoptimismus?
Wir haben eine optimistische Grundhaltung, und wir glauben, dass es im dritten oder vierten Quartal wieder anzieht. Darum haben wir in der Flaute unsere Produkte überarbeitet. Jetzt sind wir recht zuversichtlich.
Wo sehen Sie Lichtblicke?
Solche sehe ich erst punktuell, aber es gibt in der Branche doch einige grosse Firmen, die Netzwerkerfirma Cisco zum Beispiel, die wieder recht gute Zahlen schreiben. Umsätze steigen nur vereinzelt, aber nach Umstrukturierungen arbeiten die Firmen zumindest profitabel. Offen ist, ob UMTS tatsächlich zu einer neuen Lokomotive werden kann.
So viel Zuversicht macht skeptisch. Leidet die CW heute eigentlich nicht unter Vertrauensverlust?
Uns wird eher der Vorwurf gemacht, zu kritisch zu sein – denken Sie nur an die eingangs zitierten Headlines. Es gibt sogar Firmen, die deswegen bei uns keine Inserate buchen. Internet war zwar auch bei uns ein Thema, uns interessierte aber primär die technische Seite, deshalb blieb die CW eher auf dem Boden. Interview: Markus Knöpfli
Karlheinz Pichler: Chefredaktor der Computerworld
Markus Knöpfli
