«Wir sehen auf dem Werbemarkt aktuell eine Erholung»
Die screen-up sei für die CH-Media-Sendergruppe «der wichtigste Tag im Jahr», sagt Roger Elsener, Geschäftsführer Radio und TV bei CH Media. Dieses Jahr findet der Anlass virtuell statt. Was dies bedeutet und wie sich die Corona-Krise auf die Sender ausgewirkt hat, verrät Elsener im Gespräch mit Werbewoche.ch.
.jpg)
Screen-up: Corona hat die Organisatoren des jährlichen Schweizer Fernseh-Tages, bei dem die Sender jeweils mit Screenings ihre Programm-Neuheiten vorstellen – auf Trab gehalten. Eigentlich wäre am 17. September als Alternative zum normalen, grossen Event eine Covid-19-kompatible Special Edition geplant gewesen. Als sich im August die Situation wieder verschärfte, wurde diese abgesagt. Damit die Sender dennoch ihre Neuheiten präsentieren können, werden die Screenings ins Internet verlagert. Ab 1. Oktober werden diese auf der Plattform Screen-up.ch verfüg- und bis Ende Jahr abrufbar sein. Auf ein reines Streaming des Events verzichten die Organisatoren hingegen, da man der Meinung ist, dass vier Stunden eine zu lange Dauer für eine derartige Lösung wäre.
Werbewoche.ch hat sich mit Roger Elsener, Chef der grössten privaten Schweizer Sendergruppe, über die Verlagerung ins Internet, die Bedeutung des Tages und die Auswirkung von Corona auf die CH-Media-TV-Sender unterhalten.
Werbewoche.ch: Roger Elsener, nach der Corona-bedingten Absage der Screen-up Special Edition 2020 im September findet der Anlass nun virtuell Anfang Oktober statt. Sind Sie erleichtert oder trauern Sie dem «echten» Anlass hinterher?
Roger Elsener: In Anbetracht der grossen Gästezahl kann ich den Entscheid des Screen-up-OKs nachvollziehen. Wir haben uns entschieden, einen eigenen Screening-Event am 1. Oktober abends durchzuführen. Der Kreis der Gäste ist klein, sehr exklusiv und wir haben für den Event selbstverständlich ein Corona-Schutzkonzept aufgesetzt und halten uns an jegliche Empfehlungen und Vorgaben des BAG.
Welchen Stellenwert hat der Schweizer TV-Tag für die Sender von CH Media generell?
Einen sehr hohen. Für uns als grösste private Schweizer Sendergruppe ist es der wichtigste Tag im Jahr, um unseren Direkt- und Agenturkunden die Highlights der kommenden TV-Saison zu präsentieren.
Die letzten Monate waren geprägt von der Pandemie. Welchen Einfluss hatte Covid-19 bisher auf Ihre TV-Sender?
Wir wurden, wie alle anderen Medien, hart getroffen. Der Werbemarkt verzeichnete einen rasanten und massiven Rückgang. Gleichzeitig schnellte die TV-Nutzung unserer Fernsehsender in nie dagewesene Höhen. Das Bedürfnis nach aktueller Information in unseren News-Sendungen auf den regionalen TV-Sendern war enorm. Auch unsere Unterhaltungsformate wie «The Voice of Switzerland» auf 3+ oder «Sing meinen Song – das Schweizer Tauschkonzert» auf TV24 haben sich enormer Beliebtheit erfreut. Unsere Zuschauerinnen und Zuschauer wollten sich wohl auch einmal von all dem Negativen in unserer Welt ablenken.
Hat Sie die Krise von der Lancierung neuer oder Fortführung bewährter Formate abgehalten?
Zum Teil schon. Das Finale von «The Voice of Switzerland» konnte nicht im Studio mit Publikum stattfinden. Da die Restaurants geschlossen waren, mussten wir auch die Produktion «Bumann – Der Restauranttester» zwischenzeitlich aussetzen. Alle anderen Produktionen konnten wir realisieren; wenn auch unter veränderten Bedingungen. Bei «Bauer, ledig, sucht…» in der Schweiz, bei «Der Bachelor» in Portugal und «Sing meinen Song – das Schweizer Tauschkonzert» auf Gran Canaria haben wir umfangreiche Schutzkonzepte erarbeitet, regelmässig Corona-Tests durchgeführt und mehrtägige Quarantänen angesetzt.
In den ersten Corona-Monaten verbuchten die TV-Sender aufgrund eines gesteigerten Informationsbedürfnis Rekordeinschaltquoten. Ist davon noch etwas zu spüren?
Mittlerweile hat sich das Zuschauerverhalten im TV-Markt wieder auf demselben Niveau wie vor dem Lockdown eingepegelt. Unsere Sender haben während dem Lockdown Marktanteile gewonnen und konnten diese erfreulicherweise halten.
Können Sie etwas zum Konsumverhalten Ihrer Zuschauer über die letzten Monate hinweg sagen? Hat es sich innerhalb der Corona-Monate verändert?
Die TV-Nutzung hat während dem Lockdown stark zugenommen. Vor allem die Nachfrage nach News war extrem. Unsere Regional-TV-Sender konnten davon massiv profitieren und insbesondere neue junge Zuschauerinnen und Zuschauer gewinnen.
Die Medien klagten immer wieder über das Dilemma, dass sie auf Nutzerseite gefragt sind wie nie, aber sich die grossen, neuen Reichweiten nicht im Werbemarkt monetarisieren lassen. Wie sieht das Buchungsverhalten der Werbekunden auf den CH-Media-Sendern aktuell aus?
Wir sehen aktuell eine Erholung und sind im September und Oktober erfreulicherweise über dem Vorjahresniveau. Den Rückstand aus den Lockdown-Monaten werden wir in diesem Jahr aber unmöglich aufholen können.
Die Information-fokussierten Lokalsender wie TeleZüri oder Tele M1 stiessen in den letzten Monaten auf viel Interesse. Wie hat sich die Krise aber auf die Quoten der nationalen Sender 3+, 4+, 5+, 6+, TV24, TV25 und S1 ausgewirkt?
Die Regionalen TV-Sender sind in der Tat und erfreulicherweise massiv gewachsen. Aber auch die Entwicklung unserer nationalen TV-Sender ist sehr positiv. Unsere nationale Sendergruppe verzeichnet als einzige der grossen Sendergruppen ein Wachstum im Live- und im Overnight-Marktanteil gegenüber dem Vorjahr in der werberelevanten Zielgruppe
Im Nachhinein ist man immer schlauer: War der millionenschwere Kauf der 3 Plus Gruppe wenige Monate vor Ausbruch einer globalen Pandemie ein Fehler?
Nein, selbstverständlich nicht. Corona ändert nichts an unserer Strategie, den Bereich Entertainment bei CH Media weiter auszubauen. Die Übernahme der 3 Plus Gruppe hat uns zur klaren Nummer 1 im Schweizer Privat TV gemacht. Wir investieren auch weiter in diesen Bereich, wie man zuletzt mit der Akquisition der UEFA Champions League-Rechte gesehen hat. Notabene mitten in der Covid-19-Krise.
Generell: Wie sind Sie mit der bisherigen Entwicklung der Sender der 3-Plus-Gruppe seit der Übernahme durch CH Media zufrieden?
Sehr: Wir verzeichnen auf sämtlichen Eigenproduktionen seit der Übernahme einen stattlichen Marktanteilszuwachs gegenüber früheren Staffeln. Das ist sehr erfreulich. Auch das Team konnten wir mit den Zugängen von Miriam Martino von Endemol und Nik Hartmann von SRF deutlich verstärken.
Die neusten IGEM-Digimonitor-Zahlen zeigen einmal mehr: Netflix ist in der Schweiz im Aufwind und besonders bei jungen Menschen stark verbreitet. Was haben Sie dieser Entwicklung als Anbieter klassischer TV-Kanäle entgegenzusetzen?
Der IGEM-Digimonitor zeigt aber auch, dass TV ungebrochen die klare Nummer eins bleibt. Trotzdem werden bei der Digitalisierung unserer Angebote richtig Gas geben. Die Nachfrage in diesem Bereich ist riesig und unsere Zuschauer wollen unsere Inhalte zu jeder Zeit und an jedem Ort konsumieren. Deshalb planen wir 2021 eine eigene Streaming-Plattform. Wir werden dafür auch eigene «Originals» produzieren.
