Wie das Verbot von 1994 die Street Parade gross machte: Gründer Marek Krynski blickt zurück
Am Samstag, 8. August, rollt die Street Parade zum 33. Mal durch Zürich. In der neuen Folge des Video-Podcasts «Studiocast» erzählt Gründer Marek Krynski, wie aus einer nächtlichen Eingebung die grösste Technoparade der Welt wurde. Und warum 1994 die Zwangsverlegung ans Seebecken die Parade so richtig gross machte.
Die Geschichte beginnt 1991. Marek Krynski, Mathematik- und Philosophiestudent, sieht auf MTV einen Beitrag über die Berliner Love Parade. Wochen später wacht er mitten in der Nacht auf mit dem Gedanken: Das geht auch in Zürich. «Das war so was wie eine göttliche Eingebung», sagt er im Podcast. «Ich hab den Rest der Nacht nicht mehr geschlafen.»
Das Zürich jener Jahre kannte kaum Clubs, dafür Sperrstunden und ein Tanzverbot vor hohen Feiertagen. «Es war sehr langweilig und tot in der Stadt», erinnert sich Krynski. Ein Besuch im Berliner Tresor überzeugt ihn endgültig: Wenn im Zürcher Kaufleuten Ähnliches läuft wie in der deutschen Techno-Hochburg, dann sei Zürich, gemessen an der Einwohnerzahl, «die technobegeistertste Stadt der Welt». Am 5. September 1992 ziehen 1000 bis 1500 Menschen hinter Lautsprecherwagen über die Bahnhofstrasse. Angemeldet ist der Umzug als politische Demonstration. «Weg mit dem Tanzverbot» steht auf dem ersten Flyer. Die Tagesschau berichtet.
Zwangsverlegung ans Seebecken machte die Parade gross
Dass die Parade beinahe nach zwei Ausgaben wieder verschwunden wäre, ist heute fast vergessen. 1994 verweigert die Stadt die Bewilligung: Der Anlass sei zu gross, interessiere niemanden und verschmutze die Strassen. Erst nach wochenlangem öffentlichem Druck lenkt der Stadtrat ein und verlegt den Umzug ans Seebecken. Aus der Notlösung wird ein Glücksfall. Erst dort kann die Parade auf ein Publikum von bis zu einer Million Menschen wachsen.
Krynski selbst organisiert die Parade 1996 zum letzten Mal, gründet einen Trägerverein und übergibt. Hingehen tut er trotzdem jedes Jahr, am liebsten mitten im Umzug, weit weg von den fixen Bühnen. Auf die Frage, ob früher alles besser war, antwortet er trocken: «Doch, doch, früher war natürlich alles besser.» Ernsthaft stört ihn nur eines: dass an der Parade inzwischen Alkohol verkauft wird. Am Samstag wird er wieder auf der Strecke unterwegs sein, wie jedes Jahr seit 1992.
Moderiert wird die Folge von Christoph Soltmannowski, der zum Gründungsteam der Parade gehörte und damals die Medienkonferenz organisierte, die mit dafür sorgte, dass das ursprüngliche Street-Parade-Verbot des Zürcher Stadtrats zum grossen Thema wurde. Die beiden reden über Gegendemos, Auflagen aus der Frühzeit («Absitzen an der Route verboten») und die musikalischen Wurzeln des Techno, mit Hörbeispielen von Chicago House bis zum belgischen New Beat.
Die ganze Folge «Studiocast» mit Marek Krynski: youtu.be/QgofY2As9Rc
