Verschollenes Manuskript in Zürich aufgetaucht

Eine verschollene Original-Fassung des Romans «Sonnenfinsternis» des Schriftstellers Arthur Koestler (1905 bis 1983) ist nach Jahrzehnten wieder aufgetaucht - in der Zentralbibliothek Zürich.

Gefunden hat das maschinengeschriebene Manuskript ein Doktorand der Universität von Kassel in Deutschland. Der Text lasse neue Schlüsse auf die Entstehung des einstigen Bestsellers zu, hiess es in der Mitteilung der Hochschule vom Montag, welche die Nachrichtenagentur DPA zitiert. Bislang sei nur eine Rückübersetzung aus dem Englischen bekannt gewesen. Man ging demnach davon aus, dass der Originaltext verloren ging, als Koestler 1940 vor den Nazis aus Frankreich nach England floh. Ob nun das Original gefunden wurde, ist nicht abschliessend bewiesen, es spricht aber alles dafür – unter anderem handschriftliche Korrekturen und Einfügungen Koestlers. Wie das Dokument den Weg in das Archiv fand, blieb zunächst unklar.

Eigentlich etwas anderes gesucht

Er habe in Zürich etwas anderes zu Koestler gesucht, sagte der Germanistik-Doktorand Matthias Wessel der Nachrichtenagentur SDA. Und dann habe man ihm aus dem Archiv dieses mit März 1940 datierte Manuskript gegeben, das nicht den von Koestler, sondern von der Archivierungsstelle gewählten Titel trug und nach der Roman-Hauptfigur Rubaschow benannt war. Briefe Koestlers aus der Entstehungszeit von «Sonnenfinsternis», die weitere Aufschlüsse geben könnten muss Wessel nun in Moskau studieren. Dorthin seien sie nach der Besetzung Berlins durch die Rote Armee weggebracht worden, nachdem sie schon aus Paris, wo Koestler um 1940 lebte, von den Nazis abtransportiert worden waren.

Zürcher Europa Verlag wichtig für Exil-Autoren

In Zürich war der Europa Verlag eine wichtige Adresse für von den Nazis verfolgte deutschsprachige Exil-Autoren wie Koestler mit seinem österreichisch- ungarischen und jüdischen Hintergrund. Das könnte der Grund für die Archivierung an der Limmat sein. In seinem bekanntesten Werk – «Sonnenfinsternis» von 1940 – geht der einst überzeugte Kommunist Koestler hart ins Gericht mit den stalinistischen Säuberungsaktionen und Schauprozessen 1937/38 in der Sowjetunion. In Grossbritannien avancierte er zu einem der wichtigsten Autoren in englischer Sprache. «Sonnenfinsternis», der Roman, in dem Koestler sein Engagement für die linken Republikaner im Spanischen Bürgerkrieg (1936-39) verarbeitet, wurde in englischer Sprache als «Dark at Noon» ein Bestseller. (SDA)

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