Tageswoche: Drei Neuerungen zum Geburtstag
Die Tageswoche will noch dieses Jahr ihren Anzeigenverkauf aufstocken, eine Bezahl-App lancieren und mit einem täglichen Newsletter ihre Onlineartikel und Primeurs besser unters Volk bringen.
Bei der seit einem Jahr bestehenden Basler Tageswoche harzt es punkto Werbung noch (Werbewoche.ch berichtete). Fünf bis sechs bezahlte Inserateseiten pro Ausgabe à 5500 Franken sind einfach nicht genug. Selbst im Basler Gross- und Regierungsratswahlkampf, der bis zum Wochenende dauerte – wurden es nicht mehr. Und auch die dünn gesäten Onlineanzeigen auf Tageswoche.ch geben noch nicht viel her, wie Co-Redaktionsleiter Urs Buess einräumt.

Andere Zeitungen im WG 31 Inserate-Zuwachs
Hinzu kommt, dass alle anderen Zeitungen in der Nordwestschweiz in den ersten neun Monaten dieses Jahres Volumen zugelegt haben. Die Basler Zeitung (Baz) hatte – inklusive neue Sonntagsausgabe – 11 Prozent oder fast eine Seite mehr Inserate pro Ausgabe als in derselben Periode 2011. Bei der Basellandschaftlichen Zeitung sind es 9 Prozent mehr, Der Sonntag verzeichnet gar ein Plus von 36 Prozent oder fünf Seiten, und auch der Blick am Abend und 20 Minuten heimsten pro Ausgabe 1/5 beziehungsweise 1/10 Seite mehr ein.
Da hätte eigentlich auch für die Tageswoche, die konstant mit einem Umfang von 56 Seiten erscheint, mehr abfallen sollen. Buess kündigt deshalb noch für dieses Jahr eine «Professionalisierung des Anzeigenverkaufs» an, konkret: eine Aufstockung des Teams von heute drei auf fünf Personen. Noch sind Vertragsverhandlungen im Gang, weshalb er keine Namen nennen will. Der Verkauf bleibe aber auf jeden Fall inhouse, versichert Buess.
Onlinecommunity erweitern
Ein zweiter wunder Punkt: Trotz wöchentlich 22'600 verkauften Exemplaren (davon 18’600 Abos) zählt die Onlinecommunity bisher nur 6‘400 Personen. Warum? Darauf weiss auch Buess «noch keine richtige Antwort». Aber auch er hat in Gesprächen festgestellt, dass viele Online-Artikel der TagesWoche kaum wahrgenommen werden, ähnlich ergeht es den durchaus vorhandenen und teils auch gewichtigen Primeurs: Sie gehen oftmals schlicht unter. Auch hier will man demnächst Abhilfe schaffen – mit einem täglichen Newsletter, der derzeit noch getestet wird.
Und noch eine dritte Neuerung ist angesagt: In den nächsten Wochen wird die Tageswoche eine Bezahl-App lancieren, über die man die Printausgabe auch online lesen kann. Die Sache sei weit fortgeschritten, sagt Buess. Dabei handle es sich aber keineswegs um eine Paywall, denn die Online-Artikel, die sich von jenen der Printausgabe meist unterscheiden, bleiben gratis einsehbar.
Tageswoche-Inserenten sind unterschiedlich motiviert
Die Werbewoche fragte im übrigen bei acht grösseren Tageswoche-Inserenten nach, weshalb sie im neuen Blatt Anzeigen buchten und wie gut der Respons war. Zwei sagten, sie hätten wegen Verwandten oder Bekannten, die bei der Tageswoche-Crew arbeiten, gebucht. Andere wollten das neue Basler Medienpflänzchen unterstützen. Dritte gingen auf ein gutes Preisangebot ein oder wollten einfach mal ausprobieren. Eine Firma liess gar durchblicken, dass sie den Preis drückte, da hinter der Tageswoche eine Millionärin stehe.
Doch die Auftraggeber machten auch strategische Gründe für ihre Buchungen geltend. So vermuten manche, dass sie mit der Tageswoche ein intellektuelles und eher alternatives Publikum erreichen können. Eine Garage mit mehreren Filialen im WG 31 bewirbt in der Tageswoche deshalb «eher tiefpreisige Öko-Autos», während sie bei der BaZ höherpreisige Fahrzeuge anpreist. Sebastian Comment, Leiter Marketing und Kommunikation bei der Basler Banque CIC, hat zudem erkannt, dass seine Inserate bei der TagesWoche wegen dem (noch) geringen Anzeigenaufkommen stärker auffallen als anderswo. Anfangs habe er denn auch einige Reaktionen erhalten, später weniger.
Beglaubigte Auflagen geben Sicherheit
Dass die Tageswoche nun eine beglaubigte Auflage ausweist, nahmen die meisten Inserenten zur Kenntnis. Der Stellenwert dieser Zahlen wird aber unterschiedlich eingeschätzt. Für Sebastian Comment von der Banque CIC sind neben der Auflage gute Platzierungsangebote wichtig – etwa auf der Frontseite, was aber bei der TagesWoche nicht möglich ist. Auch deshalb bleibt die Baz für Comment weiterhin das Leitmedium. Für Uhrenhändler Hans Spinnler sind die Auflagen ebenfalls zweitrangig. Für seine Oris-Anzeigen stimme das Preis/Leistungsverhältnis bei der Tageswoche, sagt er, demgegenüber sei ihm die Baz zu teuer und bei der Basellandschaftlichen Zeitung der Streuverlust zu hoch. Demgegenüber findet Thomas Zitzer, Inhaber des Applehändlers Ingeno Data in Basel, Baden und Olten die Zahlen wichtig. «Sie geben mir die Gewissheit, dass meine Inserate auch gesehen wurden», sagt er.
Applehändler machte Versuche und hat konkrete Resultate
Zitzers Erfahrungen sind speziell interessant: Weil er aus grundsätzlichen Überlegungen nicht mehr in der BaZ bucht, wich der Applehändler zunächst auf 20 Minuten aus – jeweils mit einem Inserat auf der Front. Vor einem Jahr sattelte er aber auf die Tageswoche um und platziert mindestens einmal im Monat eine ganzseitige Anzeige mit «interessanten Apple-Produkten». Parallel dazu schaltete er jeweils Radiospots bei Energy Basel. Ab und zu machte er Versuche: Inserate versah er mit 10 Prozent-Coupons, in den Spots verlangte er von den Hörern bestimmte Codes, um in den Genuss eines Rabatts zu kommen. Das Resultat: Den besten Rücklauf brachten die Spots, dann 20 Minuten und schliesslich die TagesWoche. Zitzers Fazit: Er bucht weiter Energy Basel und die TagesWoche – aus drei Gründen: So erreicht er zwei unterschiedliche Zielpublika, ein eher Jüngeres und ein eher Älteres. Das Preisleistungsverhältnis sei bei der Tageswoche zudem besser als bei der Pendlerzeitung, sagt er. Nicht zu letzt weil er von der Anzeigenabteilung der Tageswoche jedesmal informiert werde, wenn die Konkurrenz ein Inserat schaltet. «Sie will so unnötigen Überschneidungen vermeiden», sagt Zitzers, der diese Kundenbetreuung sehr schätzt.
Markus Knöpfli
