Quajou-Talk zum TV-Quoten-Debakel

Der Verein Qualität im Journalismus lud am Montag anschliessend an seine Generalversammlung zu einem Talk ins Ringier Medienhaus zum aktuellen Thema «Das Quoten-Debakel: Wie endet der Blindflug des Schweizer TV-Werbemarktes?»

Es diskutierten Dominik Kaiser, Managing Director 3+ TV Network, Christof Kaufmann, CEO Aegis Media Group und Marco de Stoppani, VR-Präsident Mediapulse. Die Gesprächsleitung teilten sich Hannes Britschgi, Ringier Publizist und Urs Bühler, NZZ Redaktor.

Marco de Stoppani erläuterte, warum überhaupt eine neue Messmethode gesucht werden musste. Einerseits sei dies auf Druck des Marktes geschehen, weil das bisherige Telecontrol-System gewisse Dinge, die immer wichtiger würden (zum Beispiel zeitversetzte Nutzung, Nutzung auf PC) nicht messen konnte; andererseits aber auch, weil die bisherigen Telecontrol-Messgeräte am Ende ihres Lebenszyklus angelangt seien. Nach einer internationalen Ausschreibung erhielt die Firma Kantar den Auftrag. Ein neues Panel wurde aufgebaut. Im Dezember 2012 begannen die Erhebungen. Geplant war ursprünglich eine Veröffentlichung Ende Januar. Diese wurde aber auf Beschluss des Verwaltungsrates der Mediapulse immer wieder verschoben. Schliesslich dann durch eine superprovisorische Verfügung von 3+ ganz verunmöglicht.

Das Chaos ist komplett, seit anfangs Jahr gibt es keine TV-Quoten mehr. Die Sender und Vermarkter erhalten diese zwar, dürfen sie aber ihren Kunden nicht weitergeben. Für Christof Kaufmann eine «sehr unbefriedigende Situation.» Mit Galgenhumor meinte er, «das Spezielle an der Situation ist, dass etwas fehlt, von dem wir gar nicht wissen, was es eigentlich ist.» Aber auch für Dominik Kaiser, dessen Sender 3+ die superprovisorische Verfügung erstritt, weil er der Überzeugung ist, dass es viele ungelöste methodische Ungereimtheiten gibt, ist die Situation unangenehm: «Wir sind der einzige Sender in der Schweiz, der sein Programm kontinuierlich den Quoten anpasst. Wir haben heute zwar Zugang zu Zahlen, aber wir meinen, dass diese Zahlen auf falschen Grundlagen beruhen und deshalb können wir unser Programm nicht optimieren.»

Wie geht es weiter? Im Raume steht ein langer Forderungskatalog von 3+, aber auch Goldbach Media hat einen solchen deponiert. Mediapulse muss dazu Stellung nehmen. Marco de Stoppani will nun im Gespräch mit allen Beteiligten zu einer Lösung kommen, die die meisten strittigen Punkte zufriedenstellend lösen sollte. Ob und wann das geschieht, bleibt vorderhand noch offen. Hannes Britschgi meinte zum Schluss nur lakonisch. «Wir bleiben dran.» Wir auch. (pcm)

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